12.09.2013 0 Kommentare

Notizen aus Albanien: Interview mit dem Waidhofner Filmemacher Alfred Zacharias.

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Foto: Joseph Bailey

Nach 4.000 in Albanien zurückgelegten Kilometern und über 60 Interviews beschreiben die Filmemacher Klaus Hübner und Alfred Zacharias mit „SHQIPËRIA – Notizen aus Albanien“ den Status Quo des EU-Beitrittskandidaten nach 100 Jahren als Nationalstaat, 50 Jahren kommunistischer Isolation und 20 Jahren Marktwirtschaft. Roma unter der Autobahnbrücke kommen zu Wort, Promis und Fernsehstars, der amtierende Premierminister und seine Gegner. Ein Reisefilm, der kommentarlos Bilder und Menschen für sich sprechen lässt.

Bist du bereits in deinem Studium von Philosophie und Sprachwissenschaften auf Albanien gekommen?

Natürlich ist mir das Land immer wieder mal untergekommen. Ein Land, das zwar sehr nahe ist, man aber nichts darüber weiß beziehungsweise nur komische Vorurteile bestehen. Es ist nicht so, dass ich irgendwelche Verbindungen in das Land hätte.

Wann hast du begonnen zu filmen?

Wenn du dich erinnerst, mit einem Volksschulkollegen habe ich damals schon gefilmt. Ich habe dann mit 14 oder so mit meinem Opa einen Kamerakran gebaut. Interessiert hat mich das Ganze immer schon. Ich habe immer wieder mal mitgemacht bei Kurzfilm-Sachen oder so.

Du hast Videos und Kurzfilme gemacht. War das nur Kameraarbeit oder auch das ganze „Drumherum“?

Musikvideos und Kurzfilme zu machen habe mir autodidaktisch irgendwie beigebracht. Auch Schnitt und Nachbearbeitung. Aber der Schwerpunkt für mich ist natürlich die Arbeit mit der Kamera. Dafür habe ich mich am meisten eingelesen und hab‘ vieles ausprobiert.

Wie bist du mit dem Klaus Hübner zusammengekommen?

Über eine gemeinsame Freundin haben wir uns kennengelernt. Dann hat er ein experimentelles Kurzfilmprojekt gehabt und einen Kameramann gesucht. Der war dann ich. Irgendwie sind wir mal auf Albanien gekommen. Dass das so eigenartig ist, dass sich kein Mensch für dieses Land wirklich interessiert. Was da unten so los ist, obwohl es EU-Beitrittskandidat ist und dass es so viele Horrorgeschichten über das Land gibt. Auch Journalistisch wird immer nur irgendwas Arges von dort berichtet. So beschlossen wir, eine nicht allzu aufwändig produzierte Doku über Albanien zu machen. Also so, dass wir das Ganze selbst produzieren können, mit Ton und Kamera. Wir haben uns eine Dolmetscherin besorgt, vor Ort einen Fahrer gecheckt und rund ein halbes Jahr vorher begonnen, Kontakte zu knüpfen. Der Plan war ein Interviewfilm, in dem nur Einheimische zu Wort kommen. Es war natürlich unsicher, ob es gelingt, die Themenvielfalt in den Film zu bringen. Das Ganze so zu schneiden, dass der Film spannend bleibt. Wir waren dann nur vier Wochen vor Ort, allerdings war es eine sehr intensive Dreharbeit. Rund 14 Stunden am Tag Interviews, filmen und herumfahren.

Den Film hast du dann auch geschnitten?

Gemeinsam mit Klaus Hübner. Heutzutage kann man mit einem einigermaßen guten Computer so gut wie alles machen. Die End-Farbbearbeitung haben wir dann noch in einem professionellen Studio, das genau darauf spezialisiert ist, machen lassen. Aber im Großen und Ganzen hat sich der Aufwand finanziell extrem minimiert, durch die technischen Möglichkeiten die es gibt. Man kann Kinoqualität in guter Auflösung und guter optischer Qualität schon mit relativ geringem finanziellen Aufwand realisieren.

Was hat dich am meisten an Albanien fasziniert?

In der Vorbereitungszeit haben die Leute immer gesagt: „Naja. Da unten. Das ist schon gefährlich.“. Tatsächlich hatte ich aber das Gefühl, dass es so überhaupt nicht gefährlich ist. Ich hatte das Gefühl, ich könnte meine Kamera-Ausrüstung irgendwo eine Stunde lang hinstellen und nach dieser Stunde dort wieder abholen. Man hat das Gefühl, es gibt überhaupt keine Kriminalität. Man fühlt sich nicht bedroht oder irgend so etwas. Eher im Gegenteil, die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Ein Interviewpartner im Film sagt ja so etwas wie „Die Leute sind so gastfreundlich, sie verlangen nichts für Essen oder Übernachtung. Das müssen sie erst erlernen.“

Genau. Das ist zwar jetzt sicher am Verschwinden, aber dieses Verhalten war wahrscheinlich über hunderte von Jahren so. Es war die Einstellung der Albaner, dass, wenn ein Gast kommt, der aufgenommen wird und gratis Essen und Übernachtung bekommt. Man musste sie sozusagen ein wenig dazu überreden, dass sie für solche Leistungen auch Geld nehmen. (lachen)

Hast du auch mitbekommen wie es politisch läuft?

Das bekommt man schon mit, wenn man Interviews macht. Es wird noch immer sehr stark alles in Clans aufgeteilt. Die Macht liegt noch immer stark in den Händen von Familien, die sich alles Mögliche ausmachen und teilen. Aber es gibt Umbrüche. Wir waren noch zu der Zeit dort, wo der Premier war, der jetzt mittlerweile im Juni abgewählt wurde. Jetzt wird sich wieder einiges ändern. Mehr als die Jahre davor.

Der Film war beim „Crossing Europe“ Filmfestival in Linz und bei der „Diagonale“ in Graz zu sehen. Wo sonst noch?

Als erstes war er in Tirana, der Hauptstadt von Albanien, beim „International Filmfestival“ zu sehen. Dann bei der „Diagonale“ die deutschsprachige Premiere, dann bei „Crossing Europe“ und dann noch im Votivkino beim „Ethnocineca“-Festival, in Waidhofen/Ybbs wurde er bei der „Filmzuckerl“-Reihe gespielt und jetzt soll er noch ein paar Mal laufen, aber da gibt es noch nichts Konkretes dazu zu sagen. Wir haben keine Förderung bekommen und damit wird auch der Vertrieb nicht gefördert, das heißt es liegt an uns Filmemachern, alle zu kontaktieren und zu schauen, dass der Film irgendwo läuft.

Wie sind die Reaktionen des Publikums?

Bei den Filmfestivals war immer ausverkauft. Also das Interesse ist sehr groß. Es gab schon auch kritische Fragen, aber im Großen und Ganzen ist er sehr gut angekommen. Was mich besonders gefreut hat, ist, dass wir es geschafft haben – obwohl wir keinen Erzähler haben, der durch den Film führt und eine Geschichte darum herum baut – dass das Publikum die 72 Minuten kurzweilig fand und die Leute sagen: „Schade dass er schon aus ist.“

Was ist als nächstes geplant?

Ich habe einige Auftragsarbeiten in diesem Jahr gemacht und bin schon am Recherchieren bei verschiedenen Themen. Aber ich kann dazu nichts Konkretes sagen. Ich habe aber vor, wieder eine Doku zu machen. Was wir noch versuchen möchten ist, dass unser Film vielleicht doch noch im Fernsehen läuft. Er ist aber von der Machart her nicht wirklich ein Fernsehformat. Mal sehen.

Interview: Petra Ortner

Foto(s): Joseph Bailey

Link zum Film: http://www.evolver-film.at/shqiperia/deutsch/about.html
Link Alfred Zacharias: http://www.alfredzacharias.com/

Rubrik:: Kultur

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