07.02.2018 0 Kommentare

Ohne Auto von A nach B

Zum Arbeitsplatz, zur Schule und wieder retour geht’s mit Bahn und Co. meist schneller und günstiger als mit dem Auto, für freizeitliche Aktivitäten ist das Angebot speziell in ländlichen Gebieten schon eher dünn – Landesrat Karl Wilfing sprach mit dem momag über neue Maßnahmen, die das Mobilitätspaket bringen soll.

interview: sandra zahnt

»Das Auto ist nicht mehr das Prestigeobjekt, das es früher oft war.«
Foto: Helmut Hirner

Welche Schwerpunkte beinhaltet das neue Mobilitätspaket Niederösterreich im Bereich öffentlicher Verkehr?

Zum einen werden Bahnstrecken attraktiviert und verbessert, beginnend mit neuen Trassen, wo durch Begradigungen höhere Beschleunigungen erreicht werden. Auch die ganzen Nebenbahnen, wie Kamptalbahn, Traisentalbahn und Erlauftalbahn. Auch Verdichtungen auf all diesen Strecken werden durchgeführt, hier soll in den nächsten Jahren das Gesamtangebot um ein Viertel vergrößert werden. Der öffentliche Verkehr muss der Mobilitätsträger und -bringer sein und das ganz bewusst auch multimodal aufgebaut, weil wir das mit dem Individualverkehr gar nicht mehr schaffen.
Aber auch Neubau und Sanierung von Bahnhöfen ist geplant, um alle Haltestellen barrierefrei erreichbar zu machen. Die technische Ausstattung wird verbessert, damit Fahrgastinformationssysteme überall greifen. Und es geht natürlich auch über die Infrastruktur bei den Bahnhöfen hinaus – sprich Ausbau von Park&Ride- und Bike&Ride-Plätzen.

Was bedeutet „multimodal“ im öffentlichen Verkehr?

Wir sehen uns mit den Mobilitätsbüros in den Regionen an, wie alle Fortbewegungsarten ideal verschmelzt werden können. Teilweise geht es auch darum, Parallelitäten zwischen Bahn- und Busverkehr hintanzuhalten. Die intensive Verdichtung der Bahnstrecken spielt eine Rolle. Die Nachfrage ist fast täglich steigend, das muss im Angebot abgebildet werden. Aber nicht jedes Dorf hat einen Bahnanschluss und muss daher durch Bus-Angebote angebunden werden. Das Radfahren soll weiter attraktiviert werden, Radwege besser ausgebaut.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ist es wichtig, Niederösterreich zu einem „smart country“ zu machen – was bedeutet das konkret?

Der Beginn des dritten Jahrtausends ist auch die Ära des öffentlichen Verkehrs. Zum einen, weil der Individualverkehr in den Großstädten gar nicht mehr organisierbar ist. Zum anderen, weil sich die Einstellung der Menschen ändert. Das Auto ist nicht mehr Prestigeobjekt, Menschen verzichten darauf und nützen den öffentlichen Verkehr, weil dies – und das ist der dritte Aspekt – kostengünstiger ist. Dazu kommt natürlich auch der Umweltgedanke.
In einem „smart country“ wird die Verschmelzung von Individualverkehr, öffentlichem Verkehr, Gehwegen und Radwegen bestmöglich umgesetzt. Jede einzelne Gemeinde macht sich Gedanken in ihrem jeweiligen Mobilitätskonzept, wie das am besten durchgeführt werden kann.

Wir haben die zweithöchste PKW-Dichte nach dem Burgenland, obwohl jeder dritte Bahnhof in Niederösterreich liegt. Warum wird lieber mit dem PKW gefahren?

Ich glaube, dass man das so gar nicht sagen kann. Wir haben auch die größte Fläche Österreichs. Daher ist der PKW notwendig, um all das, was man an Mobilität braucht, erfüllen zu können. Den Weg zum Arbeitsplatz oder zur Schule und zurück kann man meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln weit besser und günstiger erledigen. Aber wenn man am Nachmittag den Einkauf erledigen, die Kinder rasch zum Reitstall bringen oder auch sportlichen Aktivitäten nachgehen möchte, ist das sehr oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht in diesem Ausmaß machbar – außer über Taxisysteme. Das ISTmobil Korneuburg ist hier ein Vorbild. Hier gibt es die Vorgabe, dass nach telefonischer Anforderung innerhalb von 30 Minuten ein Taxi an einer bestimmten Haltestelle auf Sie wartet. Das ist mit Bussen kaum machbar, da müssten Sie alle fünf Minuten einen Bus durch jeden Ort schicken, damit ein oder zwei Personen zu ihrem Zielort kommen. Das ist nicht finanzierbar und würde den Klimazielen sehr entgegensprechen.

Sind Maßnahmen geplant, um den Weg zu Veranstaltungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erleichtern?

Der Bus müsste zum Beispiel bei Konzerten individuell fahren, denn das eine endet um 21.30 Uhr, das andere um 22.45 Uhr. Das würde zu viel Aufwand bedeuten. Auch hier wird das nur über Taxidienste funktionieren.

Ein Taxi kostet ja mehr als ein Bus, ist hier eine Preisanpassung vorgesehen?

Beim ISTmobil in Korneuburg gelten die VOR-Tarife. Etwas Ähnliches werden wir auch in den anderen Bezirken anbieten müssen, wenn es gewünscht ist. Das funktioniert natürlich nur mit Beizahlungen vom Land und den Gemeinden.

Werden Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung für öffentlichen Verkehr gesetzt?

Als wir den Waldviertelbus gestartet haben – das könnte man wahrscheinlich auch auf den Mostviertelbus umlegen – hat es Jahre gebraucht, bis die einzelnen Strecken wirklich gut benutzt wurden, weil es eben eine Zeit dauert, bis die Menschen das zur Kenntnis nehmen – alles hat eine Anlaufzeit. Darüber hinaus machen unsere Mobilitätsmanagements in den Regionen die Bewerbung mit den Gemeinden gemeinsam, auch durch Gemeindezeitungen und Aktionen wie beispielsweise Mobilitätstage, wo das Angebot der Region vorgestellt wird.
Die größte und wahrscheinlich effizienteste Werbemaßnahme ist das Top-Jugendticket, mit dem man um 60 Euro im Jahr den gesamten öffentlichen Verkehr rund um die Uhr nutzen kann. Ich sehe das bei meinen Kindern. Wenn man mit 15, 16, 17 Jahren lernt, den öffentlichen Verkehr zu nutzen, dann wird das Angebot auch wahrgenommen und genutzt.

Rubrik:: Interviews

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