03.05.2017 0 Kommentare

Ostinato: Galakonzert im Wiener Gasometer

Seit nunmehr 40 Jahren gilt Ostinato als das österreichische Aushängeschild für Funk-, Fusion- und Latinjazz! Stets inspiriert vom Geist der Zeit sind bis heute sieben Alben und ein “Best Of” erschienen. Am 12. Mai spielt Ostinato ein Galakonzert im Wiener Gasometer

Foto: Privat

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Mitte der 70er wurde diese Formation von Tommy Böröcz als Drummer und Claudius Jelinek als Gitarrist und Namensgeber gegründet. Die weiteren Mitglieder waren Hannes Seidl an den Tasten, der später auch bei der österreichischen Popband Minisex spielte, und Gogo Weinberger als Bassist. In weiterer Folge wurde mit dem damals noch sehr jungen Talent Andi Steirer an den Percussions der für dieses Land einmalig neue Sound perfekt. Inspiriert von internationalen Größen wie Billy Cobham, Chick Corea und Herbie Hancock, entstand die erste Single „Get On Up“ in hippem Funky Style. Dies sollte der Durchbruch für diese Art von Musik in Österreich sein, und Ostinato wurde zum Maßstab in einem Umfeld, in dem bislang ausschließlich Jazz- oder Rockmusik den heimischen, populären Markt bestimmt haben! Die Bestätigung dafür holte sich die Band als Sieger mehrerer, sehr populärer Wettbewerbe, in denen dieser Erfolg mit Gewinnen in Form von notwendigem Equipment, einem abgeschlossenen Plattenvertrag und der Hoffnung auf volle Konzertsäle honoriert wurde.

Ausflüge nach Südamerkia

Ein unerwartet großer Aufschwung kam dank glücklicher Verbindungen nach Südamerika, denn es eröffnete sich plötzlich die Möglichkeit, auch außerhalb heimischer Grenzen Fuß zu fassen. So trieb es die Band nach Argentinien, Uruguay und Brasilien, wo diese brandneue Musik sehr willkommen war. Auf den ersten beiden Stationen Buenos Aires und Montevideo reihten sich dank sofortigem großen Interesse ausverkaufte Konzerte an Radiofeatures und diverse Auftritte in Fernsehshows. Das Musizieren mit den dortigen populären Musikern vermittelte nicht nur einen schier unendlichen Rhythmusschatz, eine Leichtigkeit im Umgang mit melodischen und harmonischen Strukturen, sondern auch ein neues, völlig unbeschwertes Lebensgefühl! Vor allem in der brasilianischen Musik fanden sich diese neuen Wege, den bisherigen Ostinato Stil zu erweitern. Das war der Startschuss einer interessanten Melange mit Elementen aus Jazz, Latin und Funkmusic, gepaart mit dem absoluten Willen zur Popularität.

Wolfgang Puschnig am Alt- und Harry Sokal am Tenorsaxophon

Voller Inspirationen aus Südamerika in die Heimat zurückgekehrt, engagierte der Bandleader, Tommy Böröcz, eine dreiköpfige Hornsection, um dem Ganzen noch mehr Glanz zu verleihen. Bumi Fian an der Trompete, Wolfgang Puschnig am Alt- und Harry Sokal am Tenorsaxophon, sowie alternativ der Posaunist Bobby Dodge stellten den Reigen der wohl profiliertesten Bläser des Landes dar. In weiterer Folge ergänzten der Pianist Peter Ponger, der Gitarrist Peter Paul Skrepek und eben dieser neue Bläsersatz den unverwechselbaren Ostinato-Sound. Somit wurde Ostinato als einzige Band des Landes sowohl bei Jazz- als auch bei Rock-Festivals engagiert und zum gern gesehenen Gast der österreichischen Club-Szene. Und dann wurde eine weitere Weiche gestellt: Der holländische Gitarrist Rens Newland, der schon reichlich Erfahrung im Umgang mit Bläsersections der ORF Big Band hatte, wurde von Tommy Böröcz in die Band geholt. Da Rens in seiner Heimat auch eine adäquate Band namens „Scope“ erfolgreich geleitet hatte, bekam Ostinato einen weiteren kreativen Schub in eine neue Richtung! Ebenfalls von der ORF Big Band kam der neue Bassist Heinz Jäger, weiters halfen Robert Schönherr und Robert Kastler an den Tasten mit, dem ersten Ostinato-Album mit dem berühmten „Baby Cover“ im Jahr 1983 den richtigen Sound zu verleihen.

„Überraschung des Festivals“

Danach ging es Schlag auf Schlag, denn der Auftritt beim berühmten Jazzfest Velden wurde in vielen Zeitungen gelobt und mehr noch beim auflagenstärksten Blatt sogar als „Überraschung des Festivals“ betitelt! Danach standen sogleich die Türen zu den großen Festivals offen, und Ostinato ließ sich keine Chance nehmen, auch dort tüchtig mitzumischen. Daraufhin entstanden zweimal jährlich Tourneen zu den wichtigsten Clubs Österreichs und der Nachbarländer wie Deutschland , Italien und der Schweiz. Aber der Erfolg brachte der 8-köpfigen Band auch einige Schwierigkeiten im organisatorischen Bereich mit sich, denn die stetig zunehmenden zeitlichen Überschneidungen mit „Vienna Art Orchestra“-Tourneen führten langsam zu weiteren personellen Umstellungen. Diesmal formten Klaus Dickbauer am Alt-, Martin Fuss am Tenorsaxophon und Andy Haderer an der Trompete den neuen Bläserstil. Der Job des Bassisten ging an Albert Kreuzer, und am Klavier ergänzte Harry Gansberger diese wieder fast neue Ostinato-Besetzung. Mit dieser Formation entstand 1985 das nächste Album, „Slowwalker“, wo im Gegensatz zum ersten Album nun auch Rens Newland die Hälfte der Kompositionen beisteuerte. In dieser Zeit ließen sich, so wie viele ihrer internationalen Kollegen, auch die Bandleader Tommy Böröcz und Rens Newland von dem aufkeimenden Naheverhältnis zur Popmusik verführen, denn die Bekanntschaft mit der famosen Sängerin Gina Charles mündete im ersten Vokal-Album mit dem bezeichnenden Titel „Having Fun“. Nun ist auch der aus der österreichischen Szene bekannte Bassist, Willi Langer, zum ersten Mal bei diesem stilistischen Schwenk in die populärere Richtung zu hören.

Aaron Wonesch und Rudi Mille als neue Mitglieder

Mit dem Auftauchen des Mediums CD und nach einer kurzen Periode mit Aaron Wonesch am Piano kam Keyboarder und auch Tonmeister Rudi Mille als neues Mitglied dazu. Robert Riegler wurde der neue Bassist und Thomas Huber bereicherte die Band als Altsaxophonist. Mit Bumi Fian kam nicht nur der inzwischen äußerst populär gewordene erste Trompeter zurück, mit ihm kehrte auch Ostinato zurück zu seinen Anfängen, um 1990 in bewährter Manier das neue Album „Pump Up The Horns“ wieder rein instrumental einzuspielen. Hier wurden auch die neuen Möglichkeiten der Sequenzer und Synthesizer-Technologie ausgelotet, um sie in der Produktion kreativ einzubinden. Da Ostinato weder von seinen Fans noch von den Medien eindeutig einem Genre zuzuordnen war, standen seit jeher Tourneen und Festivals völlig unterschiedlicher Art an der Tagesordnung. So auch das bekannte Reggae-Sunsplash in Wiesen, und wieder einmal stellte sich die Flexibilität des Ostinato-Programms der Herausforderung, einem anspruchsvollen Publikum Genüge zu tun.

„Modern Line Event“ auf Major-Label BMG

Da nunmehr kein Zweifel am Bekanntheitsgrad dieser famosen Band bestand, wurde das folgende Album „Modern Line Event“ 1993 zur Freude erstmals auf einem Major-Label, und zwar bei BMG, veröffentlicht. Zu hören sind Niki Friesenbichler auf der Trompete, sowie nach langer Abwesenheit, bedingt durch Tourneen mit Ludwig Hirsch und anderen populären heimischen Künstlern, endlich wieder Andi Steirer an den Percussions. Am Höhepunkt ihrer Popularität angelangt war es dann im Jahr 1994 soweit: Ostinato gab sich die Ehre, das 20-jährige Bestehen im Wiener Metropol mit fast allen über die vielen Jahre mitwirkenden Künstlern in einem fulminanten Jubiläumskonzert zu feiern. Nach einer kreativen Pause, die sich die beiden Bandleader gönnten (auch bedingt durch die veränderte Club- und Radio-Struktur), wurde der Startschuss 2004 nach weiterhin ungebrochenem Publikums-Interesse zur Rückkehr in das Business gegeben. Zwei Jahre danach gab es im Sommer neben der neuen CD „Best of Ostinato – vinyl & life“ (Jive Music JM-2056-2 Vertrieb Ö Preiserrecords.at Vertrieb international alliance@cdbay.com) wieder Livemusik „at its best“ auf den Festivals Jazz over Villach und Mumyhua.

Wiedersehen im Wiener Porgy and Bess

Aber auch in der Wintersaison gab es mit einer weiteren neuen Besetzung ein fulminantes Wiedersehen im Wiener Porgy and Bess. Diese bestand teilweise aus Altgedienten, teilweise aus Neuzugängen. Horst-Michael Schaffer an der Trompete und am Flügelhorn, Gerald Preinfalk am Altsaxophon, Christian Maurer am Tenor- und Sopransaxophon, Martin Wöss an den Keyboards und am Grandpiano, Robert Riegler am Elektrobass, Andi Steirer an den Percussions, Rens Newland an der Electric & Acoustic Gitarre und zu guter Letzt Tommy Böröcz an den Drums. Die letzte Woche des Jahres nach den Weihnachts-Feiertagen wurde zum Highlight Ostinato-treuer Porgy & Bess-Besucher und auch zur lieb gewonnenen Tradition, immer wieder neue Programme zu präsentieren: So entstand ein X-mas Programm mit Ostinato-typischen Arrangements bekannter Weihnachtsthemen, sowie Hommagen an Joe Zawinuls Weather Report und die Rocklegende Jimi Hendrix.

Andi See als neuer Altsaxophonist

2010 erschien dann endlich wieder ein Album mit neuen Werken. Zum Titel „Still Funky After All These Years“ gaben sich mit der Band von nun an auch „the really funky sax player“ Andi See als neuer Altsaxophonist die Ehre. Diese CD ist sehr abwechslungsreich und zeigt wieder die vielen Variationen einer 3-köpfigen Bläser- und einer 5-köpfigen Rhythmus-Section. So sehen die Musiker diese Produktion auch als Hommage an die Helden der Jazz-Rock und Funk-orientierten Musik der 70-er und der 80-er, wie Miles Davis, Joe Zawinul, Wayne Shorter, Jaco Pastorius, The Brecker Brothers, Herbie Hancock, Chick Corea, Larry Coryell, Dollar Brand, Billy Cobham oder John McLaughlin! Denn sie haben nachhaltig die Entwicklung der Musik beeinflusst! Auch dem jahrelangen Ostinato-Weggefährten und zu früh verstorbenen Trompeter Karl Bumi Fian wird hier mit einem ihm gewidmeten Stück Tribut gezollt. Alles in allem wieder fetzige funky Bläserphrasen, aufregende und geniale Solisten, unterstützt durch einen im „Ostinato“-wiederkehrenden Bass und pumpenden Rhythmus – eben die Zutaten für den einmaligen OSTINATO-Sound! Anstatt sich mit kleineren Engagements in den Clubs leer zu spielen, peilte die Band von nun eher Konzerte in Festivals an, wie dem TschirgArt Jazzfestival in Imst oder dem Musikfest Waidhofen an der Thaya.

Galakonzert im Gasometer

Das Jahr 2017 wird heuer zum weiteren Jubiläumsjahr auserkoren, und zwar wird 40 Jahre Ostinato Geschichte nicht nur geschrieben, sondern wieder mit allen bereits sehr populären, ehemaligen Mitstreitern auch ausgiebig mit einem großen Galakonzert im Gasometer in ihrer Heimatstadt Wien gefeiert! Es wird auch sonst ein wichtiges Jahr für die Band, mit einer Jubiläumstournee und das Album „Isn’t That Jazz? Yes, It Isn’t!“ im Gepäck: dieses enthält ausschließlich neue Kompositionen, in denen alle Aspekte des typischen Ostinato-Sounds präsentiert werden. Der Bogen reicht von gradlinigem Funk über komplexere Fusion bis hin zu Latin-Jazz, sowie drei speziellen Widmungen für Jimi Hendrix, Joe Zawinul und Miles. So freut sich die Gruppe schon auf die nächsten 10 Jahre, weil es gibt noch viel zu tun!

text | jürgen rottensteiner

termin | 12.5., 20 Uhr, Gasometer Wienostinato.at

Rubrik:: Kultur

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