26.11.2013 0 Kommentare

Pippi ist kein Aschenputtel. Premiere für berühmteste Mädchengestalt im Landestheater.

Pippi Langstrumpf, Swintha Gersthofer c Nurith Wagner-Strauss_klein

Fotos: Nurith Wagner-Strauss

St. Pölten | Die Pippi ist kein Aschenputtel. Tolle Premiere über die berühmteste Mädchengestalt im Landestheater Niederösterreich.

Von Robert Voglhuber

In über 90 verschiedenen Sprachen wurden 145 Millionen Bücher von Astrid Lindgren verkauft. Das sind 17-mal mehr Bücher als es Menschen in Österreich gibt. Der Autorin zu Ehren, die 2002 verstarb, wurden bis heute mehr als 150 Schulen, zwei Satelliten und sogar ein Asteroid nach ihr benannt. Was macht diesen Erfolg aus? Was will Astrid Lindgren mit ihren Büchern aussagen? Auf die letzte Frage antwortete die Autorin einmal, dass sie sich nicht das Geringste dabei gedacht habe, weder bei Pipi noch bei irgendeinem anderen Buch. „Ich schreibe, um das Kind in mir selbst zu unterhalten, und ich kann dabei nur hoffen, auch anderen Kindern damit ein wenig Spaß zu verschaffen.“

Voll besetzter Premierenabend

Das ist ihr natürlich auch bei der voll besetzten Premiere am 22. November im Landestheater NÖ mehr als gelungen. Swintha Gersthofer spielt die Pippi, Katharina von Hardorf die Annika, Jan Walter den Tommy. Rührend sind sie alle drei. Sofort springt der Funke über. Die Kinder sind gefesselt, die Erwachsenen schmunzeln. Marion Reiser, Othmar Schratt, Christine Jirku, Elisabeth Luger-Amon und Paul Goga überzeugen ebenso. Barbara Nowotny führt Regie. Die Kinder in der Sitzreihe vor mir sind enttäuscht, weil sie glaubten, die Pause sei schon das Ende und am Ende hofften sie, das wäre noch eine Pause. Ich glaube, die Erwachsenen wären auch noch länger stillgesessen. Sie sahen in der Pippi ihr eigenes Kind, ein Kind mehr lebenslustig als brav und so viel Übermut.

Dauerschmunzeln im Publikum

Das nervt manchmal im realen Leben, aber auf der Bühne evoziert es ein Dauerschmunzeln, noch dazu, wenn der Übermut so gut und echt gespielt wird wie von Swintha Gersthofer, die mit voller Energie ihre Kräfte in Selbstorganisation, Selbstbehauptung und ihre eigene Stabilität investiert und ihre Persönlichkeit denen entgegenstellt, die sie ausbooten wollen, sprich: aus der Villa Kunterbunt herausnehmen und in ein Heim stecken wollen. Gegen das Erklärungsmodell „erlernte Hilflosigkeit von kleinen Mädchen“ baut Pipi Gegenstrategien auf und will einfach nicht brav und gehorsam sein. Bei Pippi verschiebt sich das Selbstverständnis vom gehorsamen Mädchen. Sie will selbstsicher sein und verängstigt die anderen. Ihr fröhlicher, unbekümmerter Widerstand ist nicht halbherzig. Liebsein und Stillhalten ist nicht ihre Art. Pippi hat keine Furcht davor, Flagge zu zeigen und lässt sich nicht einschüchtern. Keine biegsame, schmiegsame Aschenputtelvariante und kein Bambi-Blick. Ungestümn, aufmüpfig sein heißt die Devise. Sie hat eine Vision ihres persönlichen Weges. Das gefällt allen im Publikum, den Großen und den Kleinen. Gut gespielt! Zurecht so viel Applaus.

info | http://www.landestheater.net/

Rubrik:: Musiktipps

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