18.11.2014 0 Kommentare

Premierenbericht: Geschichten aus dem Wienerwald am Landestheater NÖ.

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Foto: Christian Husar

St. Pölten | Das Stück “Geschichten aus dem Wienerwald” von Ödön von Horvárth feierte Premiere am Landestheater NÖ. Eine beachtenswerte Volksstück-Premiere über die Dämonologie des Kleinbürgertums. Robert Voglhuber berichtet von der Premiere.

Über die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ hat Horvath das Motto gesetzt: „Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit.“ Für Horvat existiert Dummheit gleichsam im Grenzenlosen, weil sie nicht zu unterscheiden und damit auch nicht zu erkennen vermag. Dummheit bedeutet häufig das Sich-Einkapseln in eine Idylle, die in Wahrheit gar keine ist, aber in der Dummheit als solche verklärt werden kann.

Kurz, worum geht`s im Stück: Zwei Paare, Alfred und Valerie, beziehungsweise Oskar und Marianne, werden in ihrer Paarbeziehung durch Dritte gestört und kehren dann doch wieder zueinander zurück. Dazwischen spielt sich Tragik ab, von der eigentlich nur die Hauptgestalt, Marianne, betroffen ist. Gespielt wird sie ganz hervorragend von Swintha Gersthofer in einer naiv-rührenden Art, die es partout nicht zulassen darf, dass sie den Strizzi und windigen Liebhaber Alfred durchschaut, sondern statt dessen in das leere Pathos flüchtet: „Über uns webt das Schicksal Knoten in unser Leben.“ Alle anderen arrangieren sich schlecht und recht mit den gegebenen Verhältnissen. Der Tod schlägt zu! Die bösartige Großmutter, gerissen von Hilke Ruthner gemimt,  bringt ihren Urenkel auf perfide Weise um und beraubt damit Marianne, dessen Mutter, ihres Lebensinhaltes.

Die Verkörperung des patriarchalischen Konservativismus

Im ganzen Drama wird gelacht, gegessen, getrunken, gesungen, musiziert: „In der Luft ist ein Singen und Klingen – als verklänge irgendwo immer wieder der Walzer „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Johann Strauß. Das macht ja alles so quälend, diese bornierte Fröhlichkeit, alles ein Festhalten am Schein bis zur Absurdität, bloß um der Wirklichkeit nicht ins Auge sehen zu müssen. Der Fleischhauer Oskar, der nach dem fatalen Seitensprung die Marianne nun doch wieder nimmt, schwelgt im Selbstgenuss des Verzeihens. Gut versteht sich Wojo van Brouwer auf die Komik dieser Figur. Die Verkörperung des patriarchalischen Konservativismus ist Aufgabe von Michael Scherf. Man nimmt es ihm ab, dass er zu jeder Grausamkeit fähig ist, ohne auch nur zu wissen, dass es Grausamkeit ist. Die Charakterrolle des schäbigen Charmes von Alfred, bei dem immer nur die anderen Schuld haben, figuriert überzeugend Dominic Oley. Schließlich findet er bei Valerie, einer Trafikantin, wieder Unterschlupf. Lasziv und matronenhaft hat Ulli Maier das männliche Personeninventar an ihrem Gängelband.

Nächste Vorstellung:
Mi 14.01.2015 19:30 Uhr

info | www.landestheater.net

 

Rubrik:: Musiktipps

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