13.10.2016 0 Kommentare

Herbsttage Blindenmarkt: Wo die Liebe hinfällt

Premierenbericht. Süß, bezaubernd, schwelgerisch, wie ein Champagnerrausch war das alles, wie es sich gehört für eine Operette – ein Champagnerrausch, dem aber kein Kater folgte. Mit der Premiere von Franz von Suppés Boccaccio gingen am 7. Oktober die Herbsttage Blindenmarkt beschwingt in die Saison 2016 und setzten damit eine erfolgreiche Tradition fort.

text und fotos von robert voglhuber

text und fotos von robert voglhuber

Die Premiere hat gehalten, was die Ankündigungen versprochen haben: Irrungen, Wirrungen und Lachstürme sind garantiert und prickelnd erotisch war die Sache aufgeheizt in dürftigem Kostüm und Operettenstoff. Und vor allem war alles gespickt mit Witz und Esprit und schönen Melodien wie das berühmte Duett „Florenz hat schöne Frauen.“ Die Operette wartet unter der Regie von Isabella Gregor mit einer  Besetzung auf, die sich sehen lassen kann: Im Zentrum des Geschehens Alexander Kaimbacher als Giovanni Boccaccio (ein Frühhumanist aus Florenz (1313-1375), der mit dem Decamerone das erste großes Werk der italienischen Prosa schrieb und mit seiner einzigartigen Erzählkonstruktion Maßstäbe für die Gattung der Novelle setzte). Anton Graner als Prinz, Daniel Serafin als Barbier, Anete Liepina als Beatrice, Marcus Ganser als Lotteringhi und Kerstin Eder als dessen Frau. Die charmanten Sopranistinnen trällern mit locker sitzenden Höhen und die Tenöre und die Tenöre verstehen ihr Stimmentalent erfolgreich einzusetzen. Mit von der Partie Publikumslieblinge Gabriele Schuchter und Lokalmatador Willi Narowetz. Allesamt sensible und beherzte Solistinnen und Solisten, die sich in die Herzen des Publikums schmeicheln. Am Dirigentenpult steht Kurt Dlouhy, der das bewährte Festspielorchester, das ab heuer Kammerorchester Blindenmarkt heißt, durch die Irrungen und Wirrungen der leichten Muse steuert bis die Liebe dort hinfällt, wo sie hingehört und dem Prinzip des größtmöglichen Schönklangs huldigt. Der Chor spielt eine wichtige Rolle und ist in das Stück bestens eingebaut, so dass er zum gesamtmusikalischen Gelingen wesentlich beigeträgt. Lebhaft bejubelt Alexander Kaimbacher, der als Hauptfigur Boccaccio so prall und ungehemmt loslegt, wie es sein Part nur zulässt, der im ersten Akt noch den großen Liebhaber und Frauenverführer mimt und sich im zweiten auf die Darstellung eines Mannes wandelt und um der großen Liebe willen sein Leben ändern will. Gesanglich hohes Anspruchsniveau vom Chanson bis zur ariosen Steigerung wird in dem Werk von den GesangskünstlerInnen gefordert, dem Anete Liepina und Milena Arsovska mehr als gerecht werden. Unter der Regie von Isabella Gregor ist eine phantasievolle und opulente Inszenierung mit gehöriger Portion Spaß gelungen. Es war eine Operette im „alten Stil“, die nicht mehr will und auch gar nicht mehr soll als ihr Publikum unterhalten. Gehöriger Applaus, viel Lob und Anerkennung bei der Premierenfeier. Das hochmotivierte Team unter der Leitung des Intendanten Michael Garschall hat einmal mehr der Operette einen kräftigen Stoß nach vorne gegeben.

termine | Herbsttage Blindenmarkt
14./15./21./22./28.&29.10., jew. ab 19.30h
9./23.&30.10., jew. ab 17h
8./13.&16.10., jew. ab 15h
Rathaus, Hauptstraße 17, 3372 Blindenmarkt
07473 66680, karten@herbsttage.at, herbsttage.at

Rubrik:: Kultur

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