17.06.2014 0 Kommentare

Rock à la Delay: Das momag traf den legendären Jan Delay zum Interview.

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Jan Delay mit Petra Ortner. Foto: Maja Arnautovic

Rockmusik, Style und Geld verdienen. Auf dem aktuellen Album „Hammer & Michel“ zeigt der deutsche HipHop-, Soul-, Reggae- und Funk-Musiker Jan Delay seine rockende Seite. Das momag traf ihn in Wien zum Gespräch.

Willst du was beweisen? Bei jedem deiner Alben gibt es eine neue Richtung, ein neues Konzept.

Ich will darüber hinwegtäuschen, dass ich gar nichts kann (lacht). Nein, ich langweile mich einfach schnell und ich mache das ja in allererster Linie für mich, ich bin ja kein Dienstleister. Ich muss selber Spaß haben an der Sache. Und auch meine Band, denn es gibt nichts Schlimmeres als eine Band, die sich langweilt. Ich habe vieles ausprobiert und bei den Rock-Nummern war einfach klar: Das funktioniert, ist geil und macht Spaß.

Was macht dich zum Rocker? Hast du schon mal Stagediven probiert?

Stagediven machten wir früher als „Beginner“ immer, zu den HipHop-Zeiten in den 90ern, da gehörte das quasi zum guten Ton. Jetzt hab‘ ich das nicht mehr vor. Und zum Rocker macht mich erst mal gar nichts, denn ich bin HipHopper. Wenn ich mich an so einer „fremden“ Musik bediene, ist das eine Verbeugung und Respekt-Bekundung und mich interessieren weniger irgendwelche komischen Images oder Posen.

War die Produktion eines Rock-Albums anstrengender?

Ja, weil ich das alles nicht kannte. Bei HipHop ist alles klar, Reggae ist artverwandt, damit komm‘ ich auch klar. Hier konnte ich meinem Gitarristen nicht mal mehr sagen, welchen Amp er jetzt spielen soll. Wir mussten das alles lernen und auch „Experten“ zu Rate ziehen. Ein Jahr lang haben wir sozusagen „Rock-Studien“ betrieben.

Was habt ihr da alles gehört?

Gehört haben wir schon vorher ganz viel, aber wir haben uns dann in die Sachen reingehört. „Warum klingen die so geil?“ Und „Tropf“ hat sich ganze Nächte lang Blogs wie gearslutz.com angesehen, wo irgendwelche Old School-Engineers erzählen, wie sie das John Bonham-Dreieck zur Mikrofonierung von Led Zeppelins Schlagzeugaufnahmen erfunden haben. Lauter so Dinge. Wie so ein freiwilliger Studiengang mit Dozenten, die man sich selbst sucht. Wir haben uns auch einen zweiten Gitarristen dazugeholt, der quasi „Gitarren-Wissenschaftler“ ist und uns viel beibringen konnte.

Was war die größte Herausforderung?

Den Sound so geil hinzukriegen, dass es knallt. Und zu bestehen zwischen den Originalen, aber trotzdem einen erkennbaren roten Faden beizubehalten. Die Songs sind ja ganz verschieden, auch aus unterschiedlichen Epochen, aus denen die Vorbilder kommen.

Du warst ja für das Video zum Song „Wacken“ in Wacken beim Festival. Wer war deine Lieblings-Band dort?

Rammstein. Das war eine der krassesten, geilsten Shows, die ich je gesehen habe in meinem Leben. Unfassbar. Aber sonst habe nichts mitbekommen, denn ich musste ja den ganzen Tag das Video drehen. Vor Rammstein hätten sogar Deep Purple gespielt. Aber ich musste die ganze Zeit rumlaufen und meine Lippen bewegen. (lacht) Ich hatte da so einen Knopf im Ohr und musste immer Playback machen.

Du legst ja viel Wert auf Style und darauf, gut angezogen zu sein. Stimmt es, dass du „Krawattenmann des Jahres“ geworden bist? Wie passt das jetzt zum Leder-Outfit?

Keine Ahnung. Das hab ja nicht ich gewählt. Die deutsche Krawatten-Innung oder so hat mich eines Tages angerufen und gesagt: „Du bist Krawattenmann des Jahres.“ Und ich: „Cool!“ Wir haben uns bepisst vor Lachen. Ich bin hingefahren, habe mir den Preis abgeholt, kam nach Hause, hab bei Video-Text etwas nachgeguckt und da steht dann auf einmal: „Jan Delay Krawattenmann des Jahres.“ (lacht)

Würdest du sagen, du bist eitel?

Ja klar. Vor allem wenn es um meinen künstlerischen Output und die optische Umsetzung geht. Aber auch persönlich. Das muss man sein, um auf der Bühne sein zu können wie man ist, ohne sich zu schämen.

Inwiefern beeinflusst die Musik deinen modischen Stil?

Ich höre ja schon immer alles. Ich bin damit aufgewachsen, ganz viel Musik toll zu finden und nicht so eine Genre-Angst zu haben. Als dann HipHop in mein Leben trat und alles verändert hat, war es dann erst mal HipHop. Aber letztendlich liefert diese Musik genau diesen Grundgedanken mit. HipHop kann alles sein. Man bedient sich überall. Du nimmst dir das, was du gut findest und gibst deine eigene Identität hinzu und kreierst damit etwas Neues. Deshalb hat mich das so begeistert und deshalb ist das für mich kein Unterschied, ob ich eine Reggae-Platte mache oder eine Rock-Platte. Punkto Styling habe ich auf Lederjacke keinen Bock gehabt. Meine Alternative wäre so ein L.A. 1992-Ding. Also Schirmkappe nach oben geklappt und kurze Hosen und so. Aber das konnte ich mir für die Band nicht so richtig vorstellen. Zumindest bei ein paar von denen nicht. (lacht) Und, ähm, Anzüge gehen halt immer. Wir machen so viel Rock, wie in Anzügen möglich ist. Wir haben halt statt Knöpfen Nieten, alles ganz eng geschnitten, Leder-Revers. Was halt geht.

Bei deutschem HipHop fällt bei uns in Österreich vielen Sido ein. Auch durch seine Teilnahme in der Jury einer österreichischen Castingshow. Was hältst du von ihm als HipHop-Kollegen?

Der ist cool. Als damals „Mein Block“ rauskam, war das sehr erfrischend. Sido hat das meiste Talent im deutschen Rap. Er kann mit ganz wenigen Silben und einfachen Worten ganz toll Dinge pointiert erklären. Das finde ich geil.

Kannst du dir vorstellen, in der Jury einer Casting-Show zu sitzen?

Nein, ich finde das anmaßend, mich da hinzusetzen und zu sagen: „Ey, das war jetzt geil.“ Oder: „Nee, Scheiße, ey.“ Keine Ahnung. Vielleicht sitze ich in zwanzig Jahren da und sage: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Ich brauche Geld.“ Aber jetzt im Moment kann ich es mir nicht vorstellen.

Wirst du oft gefragt?

Oh ja.

Hörst du deine eigene Musik an?

Meine Musik höre ich gar nicht. Einmal durchgehört wenn es fertig ist und das war’s. Und sonst höre ich alles. Also nicht nur die Charts, wirklich alles.

In einem älteren Interview für die FAZ hast du gesagt, dass du einmal Börsenmakler werden wolltest.

Das war meine rebellische Phase gegenüber meinen Eltern. So ein, zwei Monate. Ich komme aus einem Künstler-Elternhaus und da kannst du die Eltern schocken mit solchen Statements.

Auch der Wunsch reich zu werden? Geld zu verdienen? Klingt das noch nach, wenn du zum Beispiel rappst, du möchtest Paläste mieten und einen Sandstrand haben?

Ja, ich wollte Geld verdienen. Und nein, das ist einfach für eine geile Party. Damals hat einfach mitgeklungen, dass ich, wenn ich älter werde, einfach Geld verdienen will und auf Urlaub fahren kann wohin ich möchte. Meinen Eltern war das halt egal, die waren lieber brotlose Künstler und haben ihr Ding gemacht. Sie waren einfach so glücklich und erfüllt und ich hab‘ gesagt: „Nee, wenn ich groß bin mach‘ ich es anders.“ Dass das mit der Musik glücklicherweise von selbst so passiert, ist toll, aber es war nie mein Wunsch, Musiker zu werden und so Geld zu verdienen. Ich glaube, wenn das nicht passiert wäre, hätte ich mir einen Beruf gesucht, wo ich halt ein bisschen was verdient hätte und wo ich auch mein eigener Boss gewesen wäre.

Interview | Petra Ortner

Info | www.jan-delay.de
www.facebook.com/jandelay

Rubrik:: Kultur

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