11.09.2015 0 Kommentare

Positiv geladen: Russkaja fetzen seit neun Jahren über die Bühnen der Welt.

Sie verbreiten „Turbo-Polka für die Gesundheit“ und gehören zum Inventar der ORF Late Night-Show „Willkommen Österreich“. Auf youtube wurde ihr Song „Energia“ des letzten, gleichnamigen Albums ein Hit mit fast drei Millionen Plays. Nun erschien das neue Album „Peace, Love and Russian Roll“, über das Sänger Georgij Makazaria und Gitarrist Engel Mayr mit dem momag im Wiener Café Westend plauderten.

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„Die eigene Barrikade ist die, die man zuallererst überwinden sollte.“

Wann habt ihr die Songs fürs neue Album geschrieben?

Georgij: Im Februar letzten Jahres haben wir begonnen, unsere Handy- und andere Aufnahmen, die wir gesammelt hatten, zu verarbeiten und die Ideen nach und nach in Writing-Sessions zu Songs zu machen. Sehr oft hatten wir gar nichts vorbereitet, aber schon nach dem ersten angespielten Akkord ist meistens was passiert.
Engel: An einen Song kann ich mich noch gut erinnern. Wir hatten ausgemacht, uns zu so einer Writing-Session zu treffen. Ich setzte mich also ins Auto und als ich den Schlüssel herumgedreht hatte, war der Song in meinem Kopf. Da war ich, glaub‘ ich, innerhalb von nur drei Minuten in unserem Proberaum. Während der Fahrt hab‘ ich den Song „entwickelt“. Ich kam bei der Tür rein und meinte nur: „Ich hab‘ was!“
Georgij: Genau! Ich hab‘ mich dann ans Schlagzeug gemacht – „Zack-Zack“ – und den Bass – „Zack-Zack“ – und schon war der Song da (lacht).

Was ist an dieser CD besonders?

Engel: Die größte Neuerung ist, dass wir Akustik-, also Unplugged-Sounds, in die Musik integriert haben. Ganz bewusst. Wir haben schon auf diversen Festivals Akustik-Sessions gespielt. In Holland zum Beispiel. Es waren zwar nur drei Songs, aber irgendwie wollten wir den Sound auch auf das Album bringen, haben ein wenig herumprobiert. Das hat hervorragend funktioniert.
Georgij: Ich hab‘ mal bei einem Freund einen riesigen Gitarrenkoffer mit einer Doubleneck entdeckt. Eine Ibanez, eine zwölf- und sechssaitige aus dem Jahr 1973 ungefähr. Ich meinte nur: „Gib sie mir mit. Der Engel wird ausflippen, wenn er die sieht!“ Ich hab‘ sie also ausgeborgt und Engel war so auf „Boha, boah!“, hat sie gleich hergerichtet, da sie total kaputt war. Als er sie dann spielte, hatte er auch gleich ein paar Ideen.
Engel: Natürlich mussten wir auch gleich mal Led Zeppelin hören (lacht). Auf dem Weg zu einem Festival kamen die sofort in den CD-Player.

 „Peace, Love and Russian Roll“ ist meiner Meinung nach um einiges vielseitiger als bisher. Es gibt ja zum Beispiel auch etwas Country. Wie kam‘s dazu?

Georgij: Der Country-Song war so freundlich und nett irgendwie. Wir spielten ihn und meinten: „Was? Das wollen wir auf unser Album geben? Pffff!“ (lacht) Aber als er fertig war, fühlte er sich doch wie unser eigener an und wir mussten keine Rahmenbedingungen erfüllen oder so. Wir hatten die totale Freiheit, Gott sei Dank, und haben diese auch genützt. Darum sind diesmal einige so Songs drauf.

„Die größte Neuerung ist, dass wir Akustik-, also Unplugged-Sounds, in die Musik integriert haben.“

„Die größte Neuerung ist, dass wir Akustik-, also Unplugged-Sounds, in die Musik integriert haben.“

Woher kam diesmal eure Inspiration?

Engel: Im Zeitraum vom letzten zu diesem Album ist sehr viel auf uns hereingeprasselt. Vieles, das jeder persönlich ganz cool findet, aber auch das ändert sich immer wieder. Wir sind beide Menschen, die einen sehr breiten Musikgeschmack pflegen. Das reicht von extrem Heavy, Hardcore bis Folklore auch irgendwie. Und was so in zwei, drei Jahren passiert wird dann von uns sozusagen durch den Fleischwolf gedreht, wenn wir gemeinsam schreiben.
Georgij: Da gibt es den Song „Let’s die together“. Dafür waren russische Romanzen die Inspiration. Wenn du die Akkorde zerlegen würdest, wären sie die von einer russischen Romanze. Wir haben sie nur in unseren heftigeren Style gewandelt, einen englischen Text dazu und schon war‘s ein Russkaja-Song.
Engel: In der Zeit habe ich auch viel Rockabilly-Zeug gehört, da bin ich richtig reingekippt. Georgij kam dann irgendwann mal mit einer Rockabilly-Gitarre an.
Georgij: Das für mich geilste Solo ist mit dieser Gitarre gespielt.

Inhaltlich geht’s nicht nur um Party. Die Texte sind da und dort auch gesellschaftskritisch. Kann man das so sagen?

Georgij: Vielleicht ein wenig Party zum Nachdenken (lacht). Wir wollten nicht explizit gesellschaftskritisch sein, aber vielleicht dort und da etwas aufzeigen. Auf keinen Fall wollen wir urteilen, Partei ergreifen oder so. Das liegt uns fern. Es gibt aber schon einen revolutionären Song: „You are the revolution“. In unserer Gesellschaft gefällt dem einen das, dem anderen nicht, man ist bereit, auf die Barrikaden zu gehen, doch die eigene Barrikade, das ist die, die man zuallererst überwinden sollte.

Wer hat euer wunderschönes CD-Cover gestaltet?

Engel: Der Juppi Juppsen, ein deutscher Designer und Illustrator, der auch das Video zu „Energia“ – unser bisher erfolgreichstes Video – gemacht hat. Er machte diesmal das komplette Artwork und auch das Video zu „Rock’n’Roll Today“, wie man unschwer erkennt.

Gab es da ungefähre Richtlinien oder hatte er die Ideen?

Engel: Er hat erst einmal Input gegeben und wir haben ihm gesagt, was uns gefällt und was nicht. So irgendwie.
Georgij: Irgendwie, ja. Die Zwiebeltürme zum Beispiel (lacht). Da haben wir nicht ausdrücklich gesagt, er soll sowas machen. Er ist ein ganz junger Animationskünstler und hat geschaut, wo er was Russisches einbauen könnte. So hat sich das Ganze dann in dieser Form entwickelt.

„Wir laden uns während den Konzerten mit positiver Energie.“

„Wir laden uns während den Konzerten mit positiver Energie.“

Irgendwie erinnert‘s mich an ein Hendrix-Cover.

Engel: Genau, da gibt es eines, das ist ähnlich aufgebaut. Dieses 60s, 70s-Ding hört man auch bei unserer Musik diesmal ein wenig mitschwingen. Darum hatten wir es auch alle gut gefunden, dass das Cover in die Richtung geht. Auch der Albumtitel geht in die Richtung, mit einem Augenzwinkern.

Ihr hattet in den letzten Jahren sehr viele Auftritte. Wie hält man sich da fit? Wie erhält man den Spaß an der Sache?

Engel: Bier und Jack Daniels. (lacht)
Georgij: Das ist die inoffizielle Version. Die offizielle Version ist die, dass wir uns an der Musik erfreuen. (lacht) Aber es ist tatsächlich so. Seit 2012 haben wir ein wirklich sehr angenehmes Bandklima. Wir haben eine Besetzung, mit der man wirklich Freude hat, mit der man gerne unterwegs ist. Das macht schon sehr viel aus. Wir regenerieren uns zwischen den Konzerten miteinander, laden uns während den Konzerten mit positiver Energie. Wir bekommen vom Publikum wahnsinnig viel. Das ist so das Wichtigste.
interview | petra ortner

fotos | joseph bailey

web | russkaja.com  juppijuppsen.com

live | 21.10. Wien, WUK
23.10. Linz, Posthof

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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