19.08.2014 0 Kommentare

Schwächen und Defizite: Niederösterreichs Fleischer suchen geeignete Lehrlinge.

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Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

| Niederösterreichs Fleischer suchen geeignete Lehrlinge. Es mangelt Jugendlichen jedoch häufig an den Grundvoraussetzungen für den Lehrberuf. Fleischermeister Rudolf Menzl wünscht sich ein gesellschaftliches Umdenken.

Die rund 320 niederösterreichischen Fleischer beschäftigen rund 4.000 Mitarbeiter und bilden davon 150 Lehrlinge aus. „Eigentlich könnten wir viel mehr junge Leute ausbilden, bloß mangelt es an der Eignung der Jugendlichen“, berichtet Rudolf Menzl, Landesinnungsmeister und Bundesinnungsmeisterstellvertreter der Fleischer, dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Größtes Handicap sind mangelnde Rechenkenntnisse sowie unzureichende Umgangsformen.“ In den letzten Jahren bemerkt Menzl eine deutliche Verschlechterung der Grundvoraussetzungen für den Lehrberuf der Fleischer. „Ich weiß nicht, was die jungen Leute in der Schule lernen. Die Schwächen und Defizite, vor allem in Mathematik und Deutsch, sind haarsträubend“, sagt er. Sie auszugleichen, sei für einen Lehrherren sehr schwierig, so dass viele Kollegen nicht mehr bereit seien, Lehrlinge noch auszubilden. Das Problem könne man nur mit einem gesellschaftlichen Umdenken in den Griff bekommen. „Man lernt schließlich weder für die Schule, noch für den Lehrherrn, sondern für sich selber. Diese Sichtweise muss man den jungen Leuten verständlich machen“, stellt Menzl fest.

Die Lehrzeit eines Fleisches beträgt drei Jahre und beinhaltet pro Jahr zehn Wochen Unterricht an der Berufsschule Hollabrunn. Die Berufschancen seien nicht so schlecht, erklärt der Landesinnungsmeister: „Bei uns beginnt der Arbeitstag um 5 Uhr früh und endet um 14 Uhr. Zudem haben wir eine Fünf-Tage-Woche. Samstags wird in kaum einer Fleischproduktion gearbeitet, nur die Verkäufer stehen bis Mittag im Geschäft.“

Nischengeschäft mit Mittagsmenüs

Den Grund für manches Problem sehen die Fleischer in den geänderten gesellschaftlichen Strukturen. „Da viele Frauen berufstätig sind, werden mehr fertige und halbfertige Produkte eingekauft. Der sogenannte Außerhausverzehr in Kantinen und in der Systemgastronomie liegt bereits bei über 50 Prozent“, berichtet Menzl. Daher seien schon viele Fleischerbetriebe ins Nischengeschäft mit Mittagsmenüs eingestiegen.

„Vom Konsumenten würde ich wünschen“, betont Menzl, „dass er die Augen mehr aufmacht und nicht nur auf die Sonderangebote der Supermärkte schaut. Denn die sind natürlich billig, während manches Produkt aus ihrem Normalsortiment umso teurer ausfällt. Gerade wir Fleischerfachgeschäfte bieten qualitativ hochwertige Fleisch- und Wurstwaren an und können im normalen Preissegment durchwegs mithalten – wenn wir nicht sogar darunter liegen.“ Der Konsument entscheide letztlich selber über die Qualität. (dsh)

Info | www.noe-fleischer.at

www.menzl-fleischer.at

Rubrik:: Panorama

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