06.10.2014 0 Kommentare

Seltenes Reptil in alter Bruchsteinmauer: Würfelnatter hat sich in Garten eingeschlichen.

würfelnatter

Die Würfelnatter war Reptil des Jahres 2009 und ist streng geschützt. Foto: Voglhuber

Biberbach | Natur im Garten – lebensvolles Paradies: wenn ein Garten von Vielfalt geprägt und von einer bunten Kleintierwelt besiedelt sein soll, muss man nur das natürliche Beziehungsgefüge im ökologischen Gleichgewicht halten.

Eine Fauna- und Florageschichte von Robert Voglhuber

In meinem etwa 1000m² großen Garten reiße ich nichts aus, lasse dürre Pflanzenstängel stehen, schneide keine morschen Äste ab und entferne keinen alten, dürren Baum, denn der ist für die Ökologie viel wert. Die Wiese wird nach alter Manier mit der Sense gemäht. Ausgefäulte Astlöcher und totes Holz sind von Käferlarven, die ihre Gänge bohren, reich belebt. Diese wiederum werden von Spechten gesucht und aus dem Holz gehackt. Ein Garten soll von Vielfalt geprägt und von einer bunten Kleintierwelt besiedelt sein. Mein Gartenbild ist ein lustiges und chaotisch wildes. Brennnesseln bleiben stehen, schließlich weiß ich, welche Bedeutung sie im ökologischen Gleichgewicht haben. Viele unserer schönsten Schmetterlinge ernähren sich von Brennnesseln. Die Eier des Pfauenauges können sich nur auf Brennnesseln entwickeln. Ich erfreue mich an der arttypischen Entfaltung von Pflanze und Tier. Warum sollte ich dürre Blätter und Stängel der Stauden abzwicken, wenn sie ein idealer Winterschutz für Knospen, Speicherorgane und unzählige Kleinorganismen sind? In meinem Naturgarten gedeiht und wuchert ganz üppig das natürliche Beziehungsgefüge. Im Gras ästen morgens Rehe. Ein Bächlein sprudelt durch den Wiesengrund. Unebenheiten bleiben wie sie sind, nichts wird begradigt. So definiere ich Gartenglück. Da ein Feuersalamander!

Würfelnatter war Reptil des Jahres 2009 und ist streng geschützt

Die bröckelige Gartenmauer mit ihren Ritzen und Fugen ist schon seit zwei Jahren ein schützendes Pensionat für die bei uns äußerst seltene Würfelnatter (Natrix tessellata). 2009 war sie Reptil des Jahres und steht unter strengem Naturschutz. Dass sie sich in meine Gartenwelt eingeschlichen hat, grenzt an ein Wunder, zumal sie zu den Wassernattern zählt. Sie ist harmlos und ungiftig, tag- und dämmerungsaktiv, sehr scheu und flink und im Verhalten der Ringelnatter ähnlich. Sie schwimmt und taucht ausgezeichnet und ist Symbol für ökologisch intakte, klare Gewässer. Das findet meine Hausnatter bei mir eigentlich gar nicht vor und trotzdem ist sie schon zwei Jahre hier. Das freut mich umso mehr, zumal sie in Mitteleuropa hochgradig gefährdet und selten gewordenen ist. Ihre Färbung reicht von graugrün über gelblicholiv bis graubraun. Das dunkle, würfelartige Fleckenmuster am Rücken kann zu Querbändern umgebildet sein. Sie lässt sich gut von der Ringelnatter unterscheiden. Sie ist nicht anzutreffen am Neusiedlersee, nicht in Salzburg, nicht in Tirol und Vorarlberg, lediglich in der Steiermark. Sie fehlt in West-und Südwesteuropa, stellten Naturschützer fest. Sie liebt Wasser, naturbelassene Habitate und Bruchsteinmauern. Ihr größter Feind ist der Mensch und sein Eingriff ins Ökosystem. Zu ihrem Schutz besteht besonderer Handlungsbedarf. Deshalb zählt die Würfelnatter europaweit gemäß der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Anhang IV) zu den “streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse”.

Rubrik:: Mostviertel

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