12.11.2015 0 Kommentare

Sido + Farthofer = Kabumm

Hochprozentig. Musiker macht jetzt auf Gourmet. Eine Verhaltensweise hinter der meist eine kühle Marketingstrategie steckt. Rapper Sido brennt für Wodka und den bekommt er neuerdings von Edeldestillateur Josef Farthofer.

Getreidebauer Johann Rosenfellner-Haberfellner, Rapper Sido, Brenner Josef Farthofer und Getreidebauer Martin Strohmayr

Getreidebauer Johann Rosenfellner-Haberfellner, Rapper Sido, Brenner Josef Farthofer und Getreidebauer Martin Strohmayr

Josef Farthofer, seines Zeichens Mostbaron und vielfach ausgezeichneter Edelbrenner, staunte nicht schlecht als vor knapp zwei Jahren ein Anruf in der Öhlinger Destillerie einging. Am anderen Ende stellte sich Burkhard Westerhof als Manager von Rapper Sido vor. Das Vorhaben des Musikers: Wodka von höchster Qualität zu machen.

Ob Parfum, Modekollektion oder eben eine Spirituose – es ist nichts Neues, wenn Musiker plötzlich etwas außerhalb ihrer eigentlichen Kompetenz Liegendes in den Handel werfen um sich den eigenen Namen versilbern zu lassen. Der Name des Rappers ist auf Falsche und Verpackung aber nicht zu finden. „Ein Merchandiseprodukt wollte er nicht, sondern einfach einen guten Wodka machen“, hält Farthofer fest. Sido wolle sich hinter dem Produkt völlig zurücknehmen. Er suchte nach dem weltbesten Wodkaproduzenten – googelte und fand. Die Destillerie Farthofer stand an erster Stelle.

Die Bombe: mundgeblasenes Einzelstück

Die Bombe: mundgeblasenes Einzelstück

Der Edelbrenner hat sich mit seinem „O-Vodka“, 2012 bei der International Wine & Spirit Competition den Titel für das weltbeste Wässerchen abgeholt und damit, bekannte Wodkanationen wie Russland, Polen oder Schweden hinter sich gelassen. Eine Woche nach dem Anruf traf man sich der Mostviertler Destillerie. „Sido hat sich die Herstellung und den Betrieb genau angeschaut und sich akribisch mit dem Produkt Wodka auseinandergesetzt“, so Farthofer.

Kullerflasche in Handarbeit

Der Name nimmt Anleihe aus Comics, wo ein „Kabumm“ in großen Lettern erscheint, wenn etwas explodiert. Das sei auch die Idee dahinter. „Der Wodka ist Bombe“, beschreibt Sido knapp. Die Flasche ist völlig rund – ein Novum und gerade deshalb nicht leicht herzustellen. „Wir haben halb Europa abgegrast bis wir jemanden gefunden haben, der sich über die Form getraut hat. Eine polnische Firma stellt nun die mundgeblasenen Flaschen her und womit jede Flasche zum Einzelstück wird“, so Farthofer. Für den Inhalt hat sich der experimentierfreudige Unternehmer auch etwas Besonders einfallen lassen.

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„Er suchte nach dem weltbesten Wodkaproduzenten – googelte und fand.“

Nackthafer und Winterweizen

Zu Beginn der Zusammenarbeit war man gerade mit der Nackthaferproduktion beschäftigt. Der sollte auch in die Bombe kommen. Es ist eine alte Getreidesorte, die heute kaum mehr kultiviert wird, geringer im Ertrag aber durch eine besonders hohe Vitalstoffdichte und einem hohen Fettsäuregehalt ausgezeichnet ist. Angeblich soll das Getreide für körperliche und geistige Leistungskraft steigern. Ob dem so ist, wissen vielleicht die Pferde, denen es früher gefüttert wurde. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft wurde das Pferd von Maschinen und der Hafer von Weizen und Mais abgelöst. Winterweizen ist die zweite Komponente des Wässerchens, die es in Harmonie mit dem Nackthafer zu bringen gilt und der Anteil dadurch von Charge zu Charge variiert.

Wenige Härtegrade für weiches Wasser

Seinen Ursprung nimmt der O-Vodka, wie auch der Kabumm am elterlichen Grundstück im unteren Mühlviertel. Seit 1997 unter Naturschutz und 35 Kilometer von der Destillerie entfernt, wird dort wöchentlich frisches Quellwasser geschöpft, das sich seinen Weg durch Granitgestein bahnt, besonders kalkarm und rein ist. „Transparentes Gold“ nennt es Farthofer und das nicht ohne Grund, denn mit seiner privaten Granitquelle besitzt er eine Seltenheit in Europa, die ihm einen Verzicht erlaubt, mit dem andere einen Werbeinhalt verlieren würden. Die für die meisten Hersteller unverzichtbare Filtrierung wird als Marketingschmäh genutzt, und mit beispielsweise einer aufwändigen zehnfachen Diamantfiltrierung beworben. „Öhlinger Wasser hat 24 Grad deutsche Härte, unser Wasser im aus dem Mühlviertel unter zwei. Deswegen wird der Kabumm gar nicht gefiltert“, erklärt Farthofer.

Das Produkt richtet sich an den gehobenen Fachhandel. Seit 1. Oktober wird ausgeliefert, 1.000 Flaschen wurden bereits verkauft. Im Boot der eigens gegründeten Kabumm GmbH sitzen Sido in Berlin, Manager Westerhof in Köln und Farthofer in Öhling. Getüftelt wird ständig. Aktuell wartet man auf die nächsten Bomben zum Abzufüllen.

von bernhard schaller

Rubrik:: Mostviertel

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