15.06.2013 0 Kommentare

Sodom – „Epitome Of Torture“

Foto: www.sodomized.info

Die Thrash-Urgesteine Sodom haben mit „Epitome Of Torture“ bereits ihr 14. Studioalbum veröffentlicht. Das momag sprach mit dem Bandleader Tom Angelripper über die letzten 31 Jahre.

Im letzten Jahr hat Sodom das 30-jährige Jubiläum gefeiert. Eine sehr lange Zeit für eine Metal-Band.

Ja, eine verdammt lange Zeit. Es ist kaum zu glauben, dass wir immer noch touren und gemeinsam spielen und dass es immer noch sehr viel Spaß macht. Es ist großartig, dass wir immer noch gerne gehört werden. Das ist ja nicht selbstverständlich.

Was sind deine persönlichen Highlights?

Ein Highlight war sicher der erste Plattenvertrag, so Ende 1983. Das war schon etwas ganz Besonderes, wir kannten ja diese ganze Industrie noch nicht. Ein weiteres Highlight war unser Konzert 1989 in Polen, in Kattowitz vor über 10.000 Fans. Und dann war da noch unser Album „Agent Orange“, das es in die Charts schaffte. Das waren auf jeden Fall drei echte Highlights.

Ihr wurdet früher oft als Kriegsverherrlicher bezeichnet. Wie sieht das heute aus?

Die Presse hat oft ziemlich abfällig über uns berichtet. Es wurden auch öfters Interviews gecanceled. Damals war es auch wegen unseren Outfits und den langen Haaren und all dem. So Anfang der 90er sagte ich dann: „Die können uns jetzt mal am Arsch lecken.“ Die schrieben so viel Mist über uns, das war schon ärgerlich. Mittlerweile habe ich aber auch gemerkt, dass man mit der Presse zusammenarbeiten muss und kann. Die Fans wollen ja auch Informationen über ihre Band hören oder lesen und sich ganz gegen die Presse zu sperren geht einfach nicht.

Was ist die Inspiration für deine Texte?

Internet, Fernsehen, Zeitungen. Ich schaue immer wieder Nachrichten und bin zum Beispiel interessiert an dem großen Konflikt zwischen Nord- und Südkorea. Es gibt rund um die Welt Konflikte und Dinge, die mich inspirieren. Leider gibt es so viele schreckliche Dinge, die passieren. Ich würde gerne über andere Sachen schreiben, aber diese Dinge, die tagtäglich passieren, die muss man ansprechen. Es gäbe noch viel mehr Sachen, Politik zum Beispiel, aber politisch werden wollen wir nicht.

Das neue Album wurde wieder von Waldemar Sorychta produziert. Was macht ihn als Produzenten aus?

Was ganz wichtig ist – er kennt uns. Er weiß, wie man die Sachen produziert. Er ist auch schon bei der Entstehung der Songs dabei, schon bei den Demo-Aufnahmen. Das finde ich ganz gut. Er ist auch jemand, der versucht, aus jedem Musiker das Beste rauszuholen. Er drängt uns, so lange an dem Material zu arbeiten, bis wir Schwielen auf den Fingern haben. Und er ist jemand, den wir kennen – schon seit ewigen Zeiten. Und wenn es mal nicht richtig vorangegangen ist, dann haben wir einfach gesagt: „Den Song machen wir dann übermorgen.“ Also alles ganz easy und ganz locker. So haben wir das Album dann zusammengestellt. Er ist einfach eine Koryphäe. Wie er aufnimmt, wie er mischt und experimentiert.

Hast du einen Lieblingssong auf dem neuen Album?

Ich finde „S.O.D.O.M.“ sehr gut gelungen. Das ist ein Song, den ich besonders gerne höre. Aber auch „Shoot Today – Kill Tomorrow“ ist toll geworden. Vor allem die härteren und schnelleren Sachen sagen mir mehr zu.

Das neue Album erscheint als Limited-Edition Digipack und auf Vinyl.

Vinyl wollte ich auf jeden Fall haben. Ich bin ein Old-School-Vinyl-Fan und ich gehe auch gerne in den Plattenladen. Die Limited-Edition enthält auch Bonustracks. Wir wollen den Fans schon was bieten, das ist ganz klar.

Ihr seid sehr viel auf Tour.

Immer unterwegs zu sein ist irre anstrengend. Wir waren jetzt sechs Monate auf Amerika-Tournee, da ist man dann gerne mal zwei Wochen wieder zu Hause. Anstrengend sind die langen Reisen, die langen Transfers zum Veranstaltungsort. Die Shows selbst machen aber großen Spaß, auch auf Tour mit anderen Bands zu sein.

Sodom sind eine echte Größe und du bist ein großer Star in der Metal-Szene. Trotzdem bist du auf dem Boden geblieben.

Ich bin sehr authentisch und für mich war es schon immer schwer, nachzuvollziehen, wie manche total abheben mit dem Erfolg. Klar ist Sodom eine sehr bekannte Band, international, und hat eine sehr große Fangemeinde, aber man muss sich auch mal zurückbesinnen. Wir suchen auch gerne mal nach einem Konzert oder einer Show den Kontakt zu den Fans. Da geht man auch mal zusammen auf ein Bier. Es ist ganz wichtig, den Kontakt zu den Fans nicht zu verlieren. Das wissen auch ganz hochkarätige Musiker. Wir kümmern uns um unsere Fans, binden sie auch mit ein. Unsere Fanpost wird von uns persönlich beantwortet. Das gehört einfach dazu, finde ich. Das ist ganz, ganz wichtig. Ich halte nicht viel von Bands, die ihre Show machen und dann Backstage verschwinden, vielleicht bewacht von Bodyguards, schnell im Tourbus verschwinden und sich nicht sehen lassen.

Interview: Petra Ortner

WEBLINK: Sodom

Rubrik:: Kultur

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