18.04.2016 0 Kommentare

Sonderausstellungen: Audienz bei Kaiser Franz Joseph.

Umfassend. An vier Standorten in Wien und Niederösterreich wird im Rahmen einer Sonderausstellung anlässlich des 100. Todestages der Symbolfigur des Habsburgerreiches gedacht.

Foto: Fritz Haselsteiner

Foto: Fritz Haselsteiner

Am 21. November 1916 ging eine Ära zu Ende – 86 Jahre hatte Franz Joseph gelebt, davon nicht weniger als 68 Jahre regiert. Auch 100 Jahre später ist er im Gedächtnis der Menschen geblieben. Die Ausstellung hat nicht „Franz Joseph und seine Zeit“ zum Ziel, sie rückt vielmehr die Person des Kaisers, den Menschen Franz Joseph in den Mittelpunkt. Wichtige Lebensstationen und Wendepunkte des persönlichen Lebens werden gezeigt, Privatleben und Familie stehen im Fokus. Dabei glorifiziert die Schau nicht, sondern wirft durchaus kritische Blicke auf die umstrittene Politik des Kaisers sowie militärische Misserfolge, etwa in Italien, gegen Preußen und im Ersten Weltkrieg.

Mensch & Herrscher

In sonst nicht zugänglichen Räumen von Schloss Schönbrunn umrahmt der Tod den ersten Teil der Schau – ein schwarzer Sarg am Beginn, ein Bild des Kaisers auf dem Totenbett am Ende. Ein Stammbaum macht den Besucher mit der Familie bekannt. Musikinstrumente, Kinderzeichnungen und -spielzeug illustrieren die Kindheit, mit einer stark auf das Militärische ausgerichteten Erziehung.
Die Ernennung zum Kaiser mit 18 Jahren, die Heirat mit Elisabeth, die Krönung in Ungarn sind wichtige Lebensstationen. Im Hintergrund stets die große Politik, etwa das Revolutionsjahr 1848 oder der Übergang zur Konstitutionellen Monarchie 1867, außenpolitisch zum Beispiel die Annexion von Bosnien-Herzegowina 1908 oder das Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand 1914. Zahlreiche Objekte beleuchten Franz Joseph als Soldaten (er trug ja fast immer Uniform) und treuen Katholiken, auch seine offiziell verharmlosten Affären mit Katharina Schratt und Anna Nahowski bleiben nicht ausgespart.
Schließlich der alte Kaiser, beim Aktenstudium am Schreibtisch und im Kreis seiner Kinder und zahlreichen Enkelkinder.

Repräsentation & Bescheidenheit

Wenige Schritte führen vom Schloss Schönbrunn zur
Kaiserlichen Wagenburg. In der „Garage des Kaisers“ wird an Kutschen und Kleidung das unterschiedliche Image des Kaisers deutlich, denn einerseits hatte er ein Großreich zu repräsentieren, andererseits pflegte er persönlich einen anspruchslosen Lebensstil. Geradezu protzig wirkt ein Gefährt wie der bei Krönungen eingesetzte Imperialwagen, sehr schlicht dagegen ein Alltagswagen, mit dem Franz Joseph von der Hofburg nach Schönbrunn fuhr. Ähnliches gilt für die Kleidung. Da hängt ein Ornat des englischen Hosenbandordens neben einem Ausseer Jagdanzug. In der Saalmitte der monströse schwarze Leichenwagen, auf einem Monitor kann man den Trauerzug vom 30. November 1916 mitverfolgen.

Fest & Alltag

Im ersten Teil der Schau im Hofmobiliendepot in Wien wird wieder der Kontrast zwischen dem bescheidenen Privatmann und dem Glanz des Kaiserhofes sichtbar. Berührend einige persönliche Gegenstände sowie Eintragungen im Dienstbuch des Kammerdieners Ketterl.
Der zweite Teil zeigt neben wichtigen offiziellen Auftritten des Kaisers (Hofbälle, Diners, Thronjubiläen) auch die zahlreichen Schicksalsschläge seines Lebens („Mir bleibt nix erspart“). Erste Film- und Tonaufnahmen machen deutlich, wie ganz gezielt ein geschöntes Bild des Kaisers in die Welt gesetzt wurde.

Jagd & Freizeit

Viele Freizeitvergnügen hatte Franz Joseph nicht. Einzige Ausnahme: Reiten und Jagen. Im Laufe seines Lebens kam er auf die beachtliche Strecke von 55.000 Tieren. Doch selbst die Jagd diente nicht nur der Erholung, Jagdeinladungen hatten oft einen politischen Hintergrund.
Schloss Niederweiden im Weinviertel präsentiert im Festsaal eine symbolische Strecke (siehe Foto) und rare Filmaufnahmen, dazu Waffen, Kleidung, ein Jagdservice samt Picknickkoffer sowie Bilder der vom Kaiser bevorzugten Jagdgebiete im Salzkammergut. Auch ein Kaiser hatte nach der Jagd Hunger – in der originalgetreu eingerichteten barocken Wildküche kann sich der Besucher Wildschmankerl servieren lassen!

von fritz haselsteiner

Rubrik:: Kultur

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