22.05.2019 0 Kommentare

Sonne, Blut und Wellengang von Markus Keimel

 

foto | markus keimel

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Buchrezension von Robert Voglhuber

Der 1987 in Leoben/Steiermark geborene Musiker, Komponist und Sänger hat sich auch schon als Autor einen Namen gemacht. Im nun vorliegenden Band „Sonne, Blut und Wellengang“ setzt er Zeichen gegen den Zeitgeist, begreift er das Begreifbare, und aus allem, das ihn umgibt, dringt eine Stofffülle auf ihn ein, der er sich mit freundlicher Anteilnahme nähert, nicht ohne den Finger genussvoll in vorhandene Wunden zu legen auf der Suche nach der Essenz des Lebens, die wohl mehr sein muss als die Summe suggerierter Glücksmöglichkeiten in einer farbenprächtig verpackten Leere. Ohne einlenkenden Ton übt Markus Keimel Kritik am Vermarktungswettlauf („Wirtschaftsdiktatur“), der Umweltausbeutung und ungerecht verteiltem Wohlstand und zweifelt an den fortschrittsverheißenden Orientierungsmarken der Technokratie. „Auf der Violine ertönt Zukunftsmusik, der Teufel soliert […]“. Auch den Medienkonsum lässt er nicht ungeschoren: „Das Fernsehen ist der Friedhof des freien Geistes.“ In seinem sehr ansprechend übersichtlich gegliederten Band knüpft er ein Netz aus Motiven und Themen von vitalster Bedeutung. Einsichten und Erkenntnisse über Menschlichkeit, Liebe, Gottesglauben, aber auch über moralische Vergehen und Herzenskälte gelingt es ihm verblüffend organisch ins Wort zu bannen oder in knapp pointierte Aphorismen zu transformieren, die ein letzter Ring einer langen Gedankenkette sind. Wer sich mit den Texten einlässlich auseinandersetzt, liest den Aufruf an ein gesellschaftliches Korrektiv heraus, das es in einer zweckrationalen Zeit zu erfüllen gilt. Was aber auch der geneigte Leser hineinlesen kann, ist ein Weltbild, das sich Markus Keimel formt, in dem er auch Träume haben darf, Fantasien haben darf, bis in den Horizont hinaus, und er projiziert einen Gedanken in die Tiefen unserer Seelenlamellen: „Im Traum geht man auf Wanderschaft in die Seele.“ 

 

 


Sonne, Blut und Wellengang
von Markus Keimel
erschienen im Eigenverlag
erhältlich unter markuskeimel.jimdo.com

 

Rubrik:: Kultur

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