14.11.2013 0 Kommentare

Startenor José Cura im momag-Interview. Am 9.12. ist er erstmals im Wiener Konzerthaus.

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Foto: josecura.com

Mensch geblieben. Der überaus sympathische, argentinische Startenor José Cura ist am 9. Dezember erstmals mit Argentinischen Liedern zu Gast im Wiener Konzerthaus. Das momag bat den vielseitigen Künstler darum zum Gespräch über seine aufregende Karriere:

José, stimmt es, dass du mit 12 Jahren begonnen hast Musik zu machen?

Ja, ich habe so mit elf, zwölf Jahren begonnen damit. Richtig.

Ok. Wann wusstest du dann, dass du Opernsänger werden wolltest?

Oh mein Gott, das ist eine lange Geschichte, aber es war so, dass es in den 80ern in Argentinien, als ich in der Universität war, die Probleme gab, die wir jetzt weltweit haben. Also viele Krisen wie Arbeitslosigkeit, Armut und solche Dinge. Außerem begann damals eine Demokratie nach dem Militärregime zu entstehen. Für mich war es da nicht sehr einfach Arbeit zu finden als Dirigent und Komponist. Diese beiden Sachen habe ich auf der Universität erlernt, das war meine Karriere. Darum habe ich damals begonnen zu singen. Zuerst, weil es eine Frage des Geldes war, mit dem Singen konnte ich überleben. Und dann hat mich dieses Leben von einem Platz zum nächsten gebracht und so wurde das Singen zur Profession.

Hattest du damals Vorbilder? Wer waren sie?

Ich denke das waren Sänger, die alle jungen Leute damals bewunderten. Große Sänger wie De Monaco, Corelli, natürlich auch der junge Domingo. Diese Sänger zählten auf jeden Fall zu meinen Vorbildern.

Nun, du bist nicht nur professioneller Sänger und hast Dirigent und Komponist studiert, du bist auch Regisseur. Wann hast du erstmals als Regisseur gearbeitet?

Vor rund sieben Jahren wurde ich eingeladen, als Regisseur für eine Show in Kroatien zu arbeiten. Die Show wurde ein großer Erfolg, also wurde ich eingeladen eine weitere Show in Köln zu machen und so kam eine Show nach der anderen. Die Leute mochten die Art wie ich die Produktionen präsentierte. Jetzt führe ich mehr oder weniger einmal pro Jahr Regie bei verschiedenen Produktionen.

SUISSE OPREA JOSE CURA

Foto: josecura.com

Am 9. Dezember bist du im Wiener Konzerthaus um argentinische Lieder zu singen. Unter welchen Gesichtspunkten hast du die Lieder, die du singen wirst, ausgesucht?

Wenn man ein Programm mit Liedern zusammenstellt, die für die Leute neu sind, dann denke ich, ist das Programm auch wirklich spannend. Drei oder vier der Lieder, die ich ausgesucht habe, sind international mehr oder weniger populär, möglicherweise aber noch relativ neu für das österreichische Publikum. Als ich die Lieder zusammenstellte wollte ich einen Kompromiss zwischen der Schönheit der Texte, der Poesie und der Möglichkeit den Leuten die besten Kompositionen meines Landes vorzustellen finden.

Welches ist dein Lieblingslied dieses Programmes?

Ich kann nicht sagen welches Lied ich am liebsten habe, ich liebe sie alle. Sie sind wie meine Kinder (lachen). Jedes Lied ist wirklich schön und speziell.

Wie oft hast du bisher schon in Wien gesungen?

Oh mein Gott, schon sehr oft. Ich denke ich habe erstmals vor rund 18 Jahren in Wien gesungen. Ich kann da gar nicht sagen wie viele Auftritte ich hier schon hatte, ganz sicher schon zwischen 50 und 100 Auftritte. Vielleicht auch ein wenig mehr. In den 18 Jahren waren es auf jeden Fall schon eine ganze Menge Auftritte.

Wie oft und wie lange musst du als professioneller Sänger eigentlich proben?

Das kommt immer auf das Theater beziehungsweise die Oper an. In Wien wird ein bestimmtes Repertoire aufgeführt, da gibt es jeden Abend ein anderes Stück. Darum ist die Zeit für Proben wirklich sehr kurz im Vergleich zu dem System anderer Häuser, wo ein bestimmtes Stück für längere Zeit aufgeführt wird. Das heißt, das Haus hat einen Monat lang ein bestimmtes Stück auf dem Programm, im nächsten Monat ein anderes Stück. Da hat man dann mehr Zeit zum Proben. Beides hat was Gutes und was Schlechtes. Das Gute bei Repertoire-System ist, dass du viele Möglichkeiten hast, die Produktion neu aufzuarbeiten, denn die Stücke werden immer wieder innerhalb von vielen Jahren gespielt. Das Schlechte dabei ist natürlich, dass du nicht sehr viel Zeit hast für die Proben. Das Gute beim Stück-System, bei dem ein Stück längere Zeit läuft, ist, dass du mehr Zeit zum Einstudieren hast, aber keine Möglichkeit das Stück in veränderter Form wieder aufzuführen, denn das Stück wird einmal gespielt und dann nicht mehr wieder.

Was war die bisher schwierigste Oper, die du bisher gesungen hast?

Wenn man hier die sängerischen Ansprüche ansieht, dann war es möglicherweise „Othello“. Aber nicht nur wegen den hohen sängerischen Ansprüchen, sondern auch wegen der sehr erschöpfenden Psychologie des Charakters Othellos. Das Stück ist wirklich eines der besonders Anspruchsvollen Stücke für einen Sänger.

Du arbeitest auf der ganzen Welt. Gibt es einen Platz, ein ganz besonderes Haus, an dem du immer wieder sehr gerne arbeitest?

Normalerweise gehe ich immer nur dort hin, wo ich auch wirklich gerne arbeite. Wenn ich ein Haus nicht so besonders gerne mag, dann versuche ich auch dort nicht hinzugehen. Bisher fühle ich mich überall sehr wohl, wo ich arbeite, wenn der Platz professionell ist, wenn die Arbeit von allen ernst genommen wird. So gesehen habe ich keinen speziellen Lieblingsort. Ich könnte dir Orte aufzählen, an denen ich nicht gerne bin, aber das werde ich nicht tun, damit niemand beleidigt ist (lachen).

Was gefällt dir am Reisen um die Welt besonders gut, und was ist nicht so toll?

Wenn du jung bist, denkst du nicht viel darüber nach. Du reist die ganze Zeit sehr viel herum, bist in vielen Hotels, gehst in Restaurants. Aber nach einer Weile, wenn es sich dann nicht mehr anfühlt wie Urlaub, sondern zur harten Routine wird, zu einm professionellen Leben, dann beginnst du wirklich dein Zuhause zu vermissen. Dein Haus, dein Bett, deine Dusche, deinen Hund, deine Frau (lachen), deine Kinder. Das Leben ist kurz. Wenn man älter wird, und man sein ganzes Leben lang viel herumgereist ist und vielleicht nicht immer die wirklich wichtigen Dinge im Leben ausgiebig genossen hat, dann beginnt man manches zu vermissen. Ich denke es ist gut eine Balance im Leben zu finden.

Wie findest du deine Balance im Leben?

Ich finde sie, weil ich eine großartige Familie habe. Sie sorgen für meine Balance, denn wenn ich nicht ausgeglichen bin, dann hauen sie mir eine auf den Kopf (lachen). In diesem Job ist es sehr wichtig einen soliden Hintergrund zu haben, wo du hingehen kannst, dich entspannen kannst. Wo du lachen und weinen darfst wenn du musst und die Leute dich verstehen, wenn einmal etwas nicht ganz so rund läuft wie du es dir wünschst. Wenn es einen Rat gibt, den ich jungen Profis mitgebe, dann ist es der, nicht die Zeit mit deiner Familie ganz für den Job aufzugeben. Denn eines Tages könnte es sein, dass du weder Job noch Familie hast.

Wie populär, denkst du, ist die Oper heutzutage?

Das ist eine sehr knifflige Frage. Ich habe keine Ahnung. Ich denke, Kunst im allgemeinen ist populär, in der Hinsicht, dass die Menschen heutzutage die Kunst mehr denn je brauchen. Sie brauchen die Schönheit um sich vom harten Alltag ablenken zu können. Aber es ist auch so, dass die Zeit heutzutage sehr kostbar ist und die Leute nicht so viel Zeit haben um ins Theater oder die Oper, oder auch einmal ins Kino zu gehen. Es ist eine schwierige Zeit. Aber wir beginnen die Probleme zu erkennen, die uns das Überleben schwer machen und welche Auswirkungen diese Probleme auf uns alle haben, darum hoffe ich, dass die Kunst noch sehr lange populär bleibt und all die Krisen übersteht. Die Gesellschaft braucht diesen „Ausweg“ durch die Kultur. Es geht nicht um diese snobistische Kultur sondern um Kultur als „Ausweg“, als Nahrung für die Seele und den Geist.

Du bist ein großer Star in der Welt der Oper. Siehst du dich selbst auch als Star?

Ich hasse das Wort Star. Ich finde das Wort so dumm. Denn ein Star, ein Stern, ist so weit weg von der Erde und ich denke, der beste Weg ein Künstler zu sein ist der, die Füße fest auf dem Boden zu haben. Wenn du dich wie ein Star fühlst, „abgehoben“ bist, dann bist du kein richtiger Künstler sondern nur ein Showbusiness-Produkt. Niemand braucht so wirklich ein Showbusiness-Produkt, außer die Show-Industrie. Wenn ich auf die Bühne gehe, dann bin da nur ich, die Musik und die Liebe zu den Menschen, die das genießen, was ich ihnen zu geben versuche. Das Wort Star ist eine sehr seltsame Art einen guten Künstler zu beschreiben. Wir haben gar kein solches Wort im Spanischen, das einen Künstler so beschreibt. Wir sagen Künstler, oder Haupt-Charaktere oder so etwas, aber wir nennen niemanden einen Star.

Du arbeitest so viel, hattest du nie Angst davor auszubrennen?

Ich arbeite nicht mehr so viel. Jedenfalls nicht mehr so viel wie einige meiner Kollegen. Glaube mir. Ich habe sehr sehr viel gearbeitet bis ich 48, 49 wurde, aber dann sagte ich meiner Familie, wenn ich 50 werde, was ich jetzt bin, werde ich weniger tun. Jetzt arbeite ich nur noch an schönen Projekten, netten Ideen und Produktionen und verbringe mehr Zeit Zuhause, mit meiner Familie, meinen Kindern. Mein ältester Sohn hat gerade eben geheiratet und ich genieße es mitzuerleben wie er ein junger Ehemann ist. Es ist ein tolles Abenteuer im Leben. Wenn du deine ganze Zeit nur mit Arbeit verbringst versäumst du all die schönen Dinge.

Interview: Petra Ortner

Link zur Website von José Cura | http://josecura.com/

Link zum Gewinnspiel für Karten zu José Cura im Konzerthaus in Wien | https://www.momag.at/?p=26048

 

Rubrik:: Kultur

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