21.01.2016 0 Kommentare

Studie zu Kopfschmerz in Österreich: Prophylaxe und Therapie bleiben hinter den Möglichkeiten zurück.

„Ein großer Teil der Bevölkerung leidet regelmäßig unter massiven Kopfschmerzen, doch das Problem wird in Österreich unterschätzt und die Versorgung der Betroffenen bleibt oft hinter den Möglichkeiten der Medizin zurück“, kritisiert Christian Lampl (Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz), Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), anlässlich der 15. Österreichischen Schmerzwochen. Lampl war an einer kürzlich publizierten Studie beteiligt, die neue Daten zum verbreiteten Gesundheitsproblem Kopfschmerz liefert. Analysiert wurden Art, Häufigkeit der Kopfschmerzen sowie die angewandte Schmerztherapie bei 441 Patienten aus acht österreichischen Kopfschmerz-Zentren.

Foto: colourbox.de

Foto: colourbox.de

Mehr als 56 Prozent der Befragten haben episodische Kopfschmerzen (weniger als 15 Kopfschmerz-Tage pro Monat), bei rund 38 Prozent gelten die Schmerzen als chronisch (15 und mehr Kopfschmerz-Tage pro Monat). Fast die Hälfte (48,5 Prozent) der Untersuchten litten an Migräne, rund 16 Prozent an medikamenteninduzierten Kopfschmerzen und 6 Prozent an Spannungstyp-Kopfschmerzen. „Mit den Schmerzen büßen die Menschen nicht nur an Lebensqualität ein, sie verlieren vielfach auch ihre Leistungsfähigkeit und ihren Arbeitsplatz“, so Lampl. Tatsächlich berichteten mehr als ein Drittel (34,3 Prozent) der Patienten, dass ihre wiederkehrenden Kopfschmerzen ein Hemmnis für die berufliche Karriere darstellten.

Schmerzen schaffen verlorene Zeit

Menschen mit chronischen Kopfschmerzen sind besonders oft durch „verlorene Tage“ belastet: Zeiten, in denen berufliche wie soziale Aktivitäten durch den Schmerz sehr stark beeinträchtigt oder unmöglich sind. Rund 45 Prozent aller Studienteilnehmer gaben an, mehr als 20 Tage pro Jahr aufgrund ihrer Kopfschmerzen zu verlieren, bei chronischen Kopfschmerzpatienten waren es sogar über 63 Prozent.

Zuweisung zu Kopfschmerzzentren funktioniert nicht

Obwohl die Betroffenen von den behandelnden Neurologen in eines der acht österreichischen Kopfschmerzzentren zugewiesen werden sollten, gibt es eine beträchtliche Zahl an Patienten, die sich eigenständig an diese Einrichtungen wenden oder von ihrem Hausarzt überwiesen werden. „Dass viele der Studienteilnehmer zum ersten Mal in einem Kopfschmerzzentrum waren, zeigt, dass die Behandlung in Erstaufnahme und neurologischen Praxen ungenügend ist. Eine schnellere Zuweisung in eine spezialisierte Einheit würde den Betroffenen viel Leid ersparen. Hier herrscht noch Aufklärungsbedarf“, unterstrich Lampl.

Zu wenig Prophylaxe, zu viele bildgebende Untersuchungen

Der Experte forderte auch ein Umdenken bei der medikamentösen Versorgung der Betroffenen, denn laut der Studie konzentriere sich diese fast ausschließlich auf die Behandlung von akuten Schmerzattacken. Dagegen gab nur ein Drittel der Studienteilnehmer an, in den vorangegangenen Monaten vorbeugende Medikamente genommen zu haben. Ein weiteres Problemfeld, das die Studie sichtbar macht: Bei fast einem Drittel der Studienteilnehmer wurde im vorangegangenen Jahr das Gehirn mit MRT oder CT untersucht. „Unser Ziel sollte es sein, den übermäßigen Gebrauch von bildgebenden Verfahren zu reduzieren und stattdessen die pharmakologische Behandlung sowie die kontinuierlichen Fortbildung für Allgemeinärzten und Neurologen im Bereich des Kopfschmerzes zu verbessern“, so Lampl.

Rubrik:: Panorama

Kommentar verfassen

Zur Gewährleistung eines respektvollen Umgangs behält sich das Redaktionsteam vor, Kommentare gegebenenfalls zu entfernen.