12.04.2016 0 Kommentare

Supercoole Clubs und abgeranzte Schuppen: Julian le Play über sein neues Album und das Musikgeschäft.

Mit „Zugvögel“ hat Julian Heidrich ein brandneues Album am Start. Epische Poparrangements, mal soulig und intim, mal getrieben von elektronischen Beats. Ein Soundtrack der Sehnsucht. Das momag traf den sympathischen Musiker, um über seinen Werdegang zu sprechen.

Foto: Georg Rieger

“Die Hälfte der Schulzeit hab’ ich Sachen gemacht, die ich cool fand.”
Foto: Georg Rieger

Du hast beim Kinderchor der Staatsoper gesungen, warst beim Kiddy Contest dabei. Wolltest du schon immer Musiker werden?

Ja, definitiv. Da gibt es so Freundschaftsbücher, die man meistens in der zweiten, dritten Klasse Volksschule hat. Bei mir stand da immer schon „Sänger“.

Mit siebzehn bist du nach Australien gegangen. Was war dort besonders prägend?

Alles eigentlich. Du kommst dort hin und kennst niemanden, bist ein Nobody. Die Schulen sind riesig. An meiner waren rund tausendvierhundert Leute, es gab zirka achtzig Klassen. Das ist schon ein ganz anderes Gefühl als in Wien, in einer kleinen Schule, wo jeder jeden irgendwie kennt. Dort kennst du niemanden und dann musst du dich da mal durchschlagen. Besonders lässig ist, wie die mit Musik umgehen. Überhaupt meine Schule, eine öffentliche. Da musste man nichts extra bezahlen. Die hatte ein eigenes, kleines, öffentliches Tonstudio und ein großes Music Department. Viele Musiklehrer, Schulbands. Es wurde alles gefördert. Auch die zu belegenden Fächer waren anders, verpflichtend waren nur Science – alle Wissenschaften zusammen in einem Topf –, Mathe und Englisch. Den Rest konnte man wählen. Da nahm ich unter anderem Musik, Schauspiel und Fotografie. Die Hälfte der Schulzeit hab‘ ich Sachen gemacht, die ich cool fand. Dort begann ich auch zu Komponieren. Man konnte sogar in der Nacht das Studio nutzen und so habe ich dort begonnen, an meinem Zeug zu basteln.

Der Name deines neuen Albums – Zugvögel – bezieht sich auf Orte und nicht auf die Beziehung, die du besingst, richtig?

Ja, das stimmt so. Es gibt schon Lieder, wo es einen Bruch gibt. „Sibirischer Tiger“ zum Beispiel, wo offensichtlich die Person gerade nicht da ist. „Starke Schulter“ ist ein Lied, wo es mir mal schlecht geht. Aber prinzipiell geht es schon um Beständigkeit. Um etwas, das hält.

Dein Fernweh wurde durch Australien entzündet?

Hätte ich es nicht schon immer gehabt, wäre ich nicht nach Australien gegangen. Du hast beim Kinderchor der Staatsoper gesungen, warst beim Kiddy Contest dabei. Wolltest du schon immer Musiker werden? Mit fünfzehn hatte ich schon den Wunsch, einfach mal für ein Jahr wegzugehen. Ein Jahr so etwas zu machen, ist toll. Seit Australien lässt mich das Fernweh nicht mehr aus, das begleitet mich ständig.

Gibt es Orte, zu denen du besonders gerne zurückkommst, um Konzerte zu spielen?

Das eine sind Orte, an denen ich gerne meine Songs schreibe, so wie Lissabon. Auf Tour hat man einen komplett anderen Alltag, es kommt weniger auf den Ort an, als vielmehr auf den Club, auf die Leute. In Hamburg haben wir schon in supercoolen Clubs gespielt und in abgeranzten Schuppen. Da kommt es mehr auf das Ambiente und die Menschen an. In Berlin spielen wir im Mai im Lido Club, ein sagenumwobener Ort, wo die Beatles in ihren Anfängen gespielt haben. In Wien spielen wir wieder ein Arena Open Air, eine geile Location!

Wie entstehen deine Songs?

Reime oder Zweizeiler schreibe ich mir oft in mein Büchlein. Bei Zugvögel etwa war es zuerst ein Symbol. Leute, die gerne aus ihrem Alltag ausbrechen würden, sich aber nicht trauen und einen Trigger brauchen, so wie die Zugvögel. Manchmal weiß ich, worüber ich schreiben will, über welches Gefühl und suche dann ein Symbol, etwas Besonderes, das passt. Der „Sibirische Tiger“ war auch ein Reim, da wollte ich „tierischer Krieger“ und „sibirischer Tiger“ reimen. Wenn ich dann etwas habe, werfe ich Akkorde darüber, spiele herum, probiere, auf welchen Akkorden der Text gut klingt und im Fluss entsteht dann der ganze Text. Das erste Album habe ich irgendwie so nebenbei, wann immer gerade Zeit war, eingespielt. In einem Studio in Wien in der Burggasse. Das zweite Album habe ich in Niederösterreich, in einem Studio in Michelhausen aufgenommen. Dort haben wir teilweise auch geschlafen, auf einem Bauernhof. Diesmal habe ich nur noch auf Reisen geschrieben und aufgenommen haben wir die Songs in Frankreich, sieben Wochen lang, wieder auf einem Bauernhof.

Foto: Georg Rieger

“Erst musst du deine Hausaufgaben ordentlich machen, sonst hat ein Airplay gar keinen Sinn.”
Foto: Georg Rieger

Wie viel reden die anderen bei deiner Musik mit?

Wenn es Sinn macht, dann doch viel, aber das ist immer auch eine Geschmacksfrage. Gerade bei der Musik gibt es oft kein Richtig oder Falsch. Oft kommt ein Textfeedback à la „das klingt ein bisschen billig“, oder es gibt Vorschläge, Akkorde zu ändern. Es gibt ja auch hunderte Möglichkeiten, ein Lied zu arrangieren.
Würdest du ein Lied singen, das jemand anderer für dich geschrieben hat?
Nein, ich glaube, da müsste mich jemand wirklich sehr gut kennen, dass er so schreiben könnte, wie ich es gerne hätte.

Du warst auch Moderator bei Ö3. Was sagst du zur Österreicher-Quote?

Zeitweise denke ich, es sollte Quoten geben, aber warum die Leute zwingen? Also dass noch immer zu wenig passiert, sieht glaube ich jeder. Im letzten Jahr habe ich aber wieder bemerkt, dass Ö3 im Vergleich mit ähnlichen Sendern einer der innovativeren ist. Jetzt nicht im Vergleich mit FM4, aber im Vergleich mit ähnlichen ist er der Sender, der Österreicher mittlerweile sehr stark unterstützt. Was viele Musiker vergessen: Es reicht definitiv nicht, auf Ö3 gespielt zu werden. Ich kann jetzt unterwegs sein und habe mein Publikum gefunden, weil wir – schon bevor wir irgendwann mal im Radio gespielt wurden – Live-Konzerte, Öffentlichkeitsarbeit auf Facebook und eine Webseite mit einem Newsletter gemacht haben. Also das rundherum Aktivsein ist vor einem Radio-Airplay – das dann vielleicht noch ein Trigger ist, um die breite Masse zu erreichen – besonders wichtig. Vorher musst du aber deine Hausaufgaben ordentlich machen, sonst hat ein Airplay gar keinen Sinn.

web | julianleplay.com, facebook.com/julianleplay

termine | 28.5. Ybbs, AKS Donaustation
9.9. Wien, Arena Open Air
8.10. Linz, Posthof

interview | petra ortner

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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