23.10.2015 0 Kommentare

Tag der Armutsbekämpfung: In Niederösterreich sind 43.000 trotz Arbeit arm.

188.000 Niederösterreicher sind armutsgefährdet. Knapp jeder Vierte der Betroffenen ist es trotz Arbeitsplatzes. Anlässlich des “Tages der Armutsbekämpfung” legt die Niederösterreichische Arbeiterkammer klare Forderungen zur Vermeidung von Armut auf den Tisch. „Es braucht mehr Vollzeitstellen und per Kollektivvertrag geregelte Löhne, die den Beschäftigten ein gutes Leben ermöglichen“, betont AKNÖ-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.

High angle view of hands opening an empty wallet

Foto: colourbox.de

„Es ist ein Missstand, wenn in Österreich tausende Menschen von einem Vollzeitarbeitsplatz nicht leben können“, sagt Wieser. „Es darf daher keinen Kollektivvertrag unter 1500 Euro brutto geben.“

Mit 1.500 Euro liegt ein Einpersonenhaushalt über der Armutsgefährdungsschwelle von 1.176 Euro brutto. Ein Alleinerzieher mit einem Kind liegt mit dem selben Gehalt bereits unter der Armutsgefährdungsschwelle. Sieben Prozent aller Erwerbstätigen in Niederösterreich sind armutsgefährdet. „Mit einer Teilzeitbeschäftigung kommt man schwer über diese Grenze“, erklärt AKNÖ-Sozialrechtsexperte Maximilian Weh. „Leider verdient man als Hilfsarbeiter oder einfacher Angestellter in manchen Kollektivverträgen auch Vollzeit unter der Armutsgefährungsschwelle.“

Branchen mit wenig Gewerkschaftsmitgliedern oft betroffen

Arztangestellte liegen bei einem Einstiegsgehalt von nur 1.190 Euro brutto (knapp 1.011 Euro netto) an dieser Schwelle zur Armut. Bei Angestellten von Rechtsanwälten (1.024 Euro brutto/869 Euro netto) und der am schlechtesten bezahlten Branche, den Beschäftigten von Kinos (994 Euro brutto/843 Euro netto), liegen Einstiegsgehalt bzw. -lohn sogar darunter. „Betroffen sind hauptsächlich Branchen, wo nur wenige Beschäftigte Gewerkschaftsmitglieder sind. Das schwächt die Verhandlungsposition der Gewerkschaften enorm“, sagt Weh.

Für eine wirksame Armutsbekämpfung brauche es auch mehr Kinderbetreuungsangebote, damit Frauen, die Vollzeit arbeiten wollen, auch können. Firmen seien indes gefordert, mehr Vollzeitarbeitsplätze anzubieten, betont Präsident Wieser.

Rubrik:: Panorama

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