18.11.2015 0 Kommentare

Tapetenwechsel: Die Cowboyrocker BossHoss über ihr Jubiläumsalbum.

Mit einem feinen Doppelalbum und einer Tour, die sie im April auch in die Wiener Stadthalle führt, feiern sie ihr zehnjähriges Bandjubiläum. Gemeinsam mit der momag Startreff-Gewinnerin Katrin Wittmann waren wir mit den beiden Cowboys Sascha Vollmer (Hoss Power) und Alec Völkel (Boss Burns) in Wien verabredet.

"Wenn du zweihundert Tage lang unterwegs bist, kannst du nicht immer dicht sein. Da bist du tot, Alter!"

“Wenn du zweihundert Tage lang unterwegs bist, kannst du nicht immer dicht sein. Da bist du tot, Alter!”

Zehn Jahre The BossHoss. Wie ist euer Resümee?

Alec: Es war eine schöne, tolle Zeit. Wir hatten viel Glück, haben viel erlebt.
Sascha: Und wir sind immer noch heiß. Wir haben unser Jubiläumsalbum quasi den letzten zehn Jahren gewidmet und haben zehn Jahre Übung, Inspiration und Erlebnisse reingepackt.

„Dos Bros“ ist ein Doppelalbum, wobei eines ein Coveralbum ist. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Sascha:
Wir haben ja mit Coversongs angefangen. Das war unser erster Aufschlag. Neuinterpretationen von Songs, die eigentlich recht weit weg von uns sind. Und nach zehn Jahren dachten wir, zum Jubiläum huldigen wir unseren Anfängen und packen noch ein Coveralbum mit drauf.

Wie habt ihr die Coversongs ausgesucht?

Alec:
Entweder es sind Songs, die wir selbst sehr gerne hören, auf die wir Bock haben, oder wir suchen nach Songs, die…
Sascha: …die wir nicht gerne hören und keinen Bock drauf haben (lachen).
Alec: Genau. Songs, die schräg sind und möglichst weit weg von dem, was wir daraus machen, wo etwas völlig Unerwartetes rauskommt. Wo jeder sich erst einmal an den Kopf fasst und sagt: „Was? Geht doch gar nicht!“ David Guetta zum Beispiel ist einer, den wir dabei haben. Also auch Songs, die wir selbst privat vielleicht nicht hören würden, aber zum Covern sind sie unglaublich abgefahren und schräg. Es gibt ja öfter auch Songs, die einem ein wenig auf den Sack gehen, aber wenn jemand die dann auf die „richtige Art und Weise“ macht – wie wir –, dann sind diese Songs doch ganz toll.

Warum seid ihr für „Dos Bros“ nach Nashville, Tennessee, geflogen und wie war es dort?

Sascha:
Wir haben das Album in Berlin produziert und dort den Großteil geschrieben, aber wir wollten einen kreativen Anfangspunkt setzen. Das machen wir öfter. Tapetenwechsel. Raus aus dem gewohnten Umfeld. Man ist weg vom Alltag, von der Familie. Man ist einfach da und sucht nach neuen Ideen oder setzt neue Ideen um. Irgendwo abgeschieden oder einfach woanders. In Nashville atmet man ja Spirit und Musik ein. Es ist eine Musik-Weltstadt. Zumindest in den USA ist es eine der wichtigsten Städte, was die Musik betrifft. Darum dachten wir, hier lassen wir uns erst mal „zu Ende inspirieren“ und machen einen Neuanfang fürs neue Album.

In einem aktuellen Interview sagt ihr, dass ihr bei euren früheren Auftritten immer komplett dicht wart. War das das typische „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“-Leben?

Alec: (lachen) Das was die schreiben, ist total übertrieben.
Sascha: Das ist ein Boulevardblatt. Die schnappen einen Nebensatz auf, dass wir gerne auch mal gefeiert haben – was wir übrigens auch heute noch gerne tun –, und das ist dann gleich die Headline. Natürlich waren wir nie dicht. Wir hatten schon immer viel Spaß mit und an unserer Musik und unserer Band. Da gehört auch dazu, dass man mal feiert. Aber wir waren noch nie unzurechnungsfähig auf der Bühne. Das ist einfach nicht wahr. Scheiße, die Headline strahlt total, stimmt aber nicht.
Alec: Die ersten Jahre waren schon etwas wilder als heute. Ist aber auch logisch. Wir waren jünger, für uns war das alles ziemlich neu und am Anfang war es wie eine endlose Klassenfahrt. Da haben wir schon auch gut gefeiert. Trotzdem musst du, wenn du zwei Stunden auf der Bühne stehen willst, einen halbwegs klaren Kopf behalten.
Sascha: Und wenn du hundertachtzig, zweihundert Tage lang unterwegs bist und Konzerte gibst, kannst du nicht immer dicht sein. Da bist du tot, Alter! (lachen)

Wie hält man sich fit, wenn man auf Tour geht?

Alec: Ähm. Saufen! (lachen) Also sich auf Tour fit zu halten geht eigentlich gar nicht. Man ist wirklich am Ende, wenn die Tour zu Ende ist. Zwischen den Tourneen muss man Kraft tanken. Ansonsten möglichst lange ausschlafen. Lange liegen bleiben. Die Nächte sind lange, darum muss man dementsprechend lange in den Tag hineinliegen.
Sascha: Wenn man im Winter unterwegs ist, muss man Vitamine zu sich nehmen. Obst, Gemüse, Salat und so Sachen. Die Ernährung ist auch wichtig auf Tour und dass man nicht nur von Tankstellenfutter lebt. Wenn man zwei, zweieinhalb Stunden auf der Bühne zappelt und schwitzt, dann ist das schon auch eine Art Sport. Der Kreislauf ist in Schwung, jeden Tag.

Woher kommt eure Liebe zu Country Music?

Alec: Wir waren gar nicht so megaaffin. Es war erst einmal aus einer Bierlaune heraus, dass wir Bock bekamen, ein paar Country-Songs zu machen. Dann wollten wir Songs covern, die nichts mit Country oder Rock zu tun haben. Wir hatten probiert und gemacht und extrem viel Spaß dabei und so wurde die ganze Sache immer größer und wir zu Cowboys. Quasi über Nacht.

Gibt es so etwas wie „Erfolgsdruck“ beim Schreiben?

Sascha: Wir nehmen uns schon immer viel vor und dafür muss man auch viel arbeiten, das entsteht nicht so nebenbei. Und natürlich will man sich nicht verschlechtern. Man hat viel mehr Fans als früher und der Erwartung will man schon gerecht werden. Aber es ist kein Negativ-Druck. Dass wir es können, wenn wir uns Zeit nehmen, wissen wir mittlerweile schon. Da haben wir schon ein ganz gutes Selbstbewusstsein. Aber klar, wir wollen schon was Geiles auf den Tisch legen, viele Menschen erreichen und viele Leute auf unseren Konzerten haben.

Entspanntes Erinnerungsfoto mit Startreff-Gewinnerin Katrin Wittmann und The BossHoss

Entspanntes Erinnerungsfoto mit Startreff-Gewinnerin Katrin Wittmann und The BossHoss

momag Startreff-Gewinnerin Katrin Wittmann: Seid ihr bei der TV-Sendung „The Voice 2016“ wieder dabei?

Alec: Nein. Wir wollen uns jetzt wieder voll auf das Musikmachen konzentrieren, auf Album und Tour, da ist so etwas kaum möglich. Wir haben drei Jahre bei „The Voice“ mitgemacht und zwei Alben und zwei Tourneen, die Sommersaison ging da auch noch mit, da sind wir echt auf dem Zahnfleisch gekrochen. Das kann man auf Dauer so nicht machen. Aber wer weiß, was im nächsten Jahr ist. Wir schließen nichts aus.
Sascha: Wir wollten nicht in einem Fernsehformat enden. Und noch eine vierte und fünfte Staffel. Irgendwann ist man nicht mehr so spritzig und frisch dabei. Das merkt man dann auch selbst, dass einem die Sprüche ausgehen. Man wiederholt sie ständig. Jeder hat sechzehn oder achtzehn Talente im Team und mit allen muss man reden. Letztendlich erfindet man das Rad auch nicht neu, man gibt ein paar Tipps, und das sind meistens die gleichen.
Alec: Es schleicht sich Routine ein und das ist nichts.

Katrin Wittmann: Könnt ihr eigentlich reiten?

Alec: Ein bisschen. Ein paarmal bin ich auf einem Pferd gesessen. Sitzen kann ich drauf, aber reiten ist anders. Am Strick führen lassen geht.
Sascha: Ich reite auf dem Motorrad. Für einen Film, das würden wir vielleicht auch noch hinkriegen.

 

live | 23.4.2016, Wiener Stadthalle
web | thebosshoss.com

interview | petra ortner
fotos | wolfgang m. bauer

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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