07.10.2015 0 Kommentare

Tupperparty für Musikinteressierte: SOLOzuVIERT haben ein Rezept für Austropop vom Feinsten.

Vier Stimmen, vier Gitarren und Geschichten aus dem Leben. Die Steirer machen Austropop vom Feinsten und bringen mit dem Album „Guate Zeit“ die Sonne auch an Regentagen zum Strahlen. Das momag bat Horst Klimmstein zum Telefongespräch.

„Als Zugabe haben wir gemeinsam gesungen und aus diesen Zugaben wurde ein komplettes Programm.“ Foto: Sony Music | Marija Kanizaj

„Als Zugabe haben wir gemeinsam gesungen und aus diesen Zugaben wurde ein komplettes Programm.“
Foto: Sony Music | Marija Kanizaj

Wie hat eure Geschichte begonnen?

Jeder von uns war Sänger und Schreiberling in seiner eigenen Band und nachdem die Auftragslage für keinen besonders rosig war, kamen wir irgendwann mal auf die Idee – wie soll ich sagen – so eine Art Tupperparty für Musikinteressierte zu machen. Wir beschlossen, dass jeder von uns vieren rund eine halbe Stunde auf der Bühne steht und seine eigenen Songs präsentiert. Wir wollten sehen, ob wir auf diese Weise ein breiteres Publikum erreichen. Beim ersten Mal ging es schon ziemlich gut, also probierten wir das öfter. Als Zugabe haben wir dann noch gemeinsam gesungen und aus diesen Zugaben wurde ein komplettes Programm. In der jetzigen Form sind wir seit sechs Jahren unterwegs.

Darum auch der Bandname.

Genau. Das ganze hieß damals „Liedermacher-Abend“ mit dem Untertitel „Solo zu viert“.

Kann man die Steiermark ein wenig als die „Wiege des Austropop“ bezeichnen oder hab‘ nur ich diesen Eindruck?

Du darfst nicht vergessen, dass in den 1970er Jahren schon sehr viel von Wien gekommen ist. Danzer, Ambros und Konsorten. Aber es gab in der Steiermark Opus, S.T.S. und EAV. Auch diese haben sehr viel zum Austropop beigetragen. Ich glaube aber, dass das Potential überall in Österreich da ist.

Jeder von euch schreibt Lieder. Kommt es da vor, dass einem ein Song des anderen überhaupt nicht gefällt?

Das ist ganz witzig. Wir sind eigentlich vier Alphatiere, aber trotzdem sehr demokratisch. Jeder schreibt seine Nummern. Wenn es darum geht, ein Liveprogramm oder eine CD zu machen, stellt dann jeder erst mal seine Nummern vor und dann wird abgewogen, welche ins Gefüge passen und welche nicht. Die Entscheidung obliegt am Ende jedem, der die Nummer geschrieben hat. Bisher waren es sehr demokratische Entscheidungen.

Was ist euch bei euren Texten besonders wichtig?

Das ist bei jedem von uns ein wenig anders. Jeder hat eine andere Herangehensweise beim Schreiben. Ich bin geprägt durch den Humor und ein wenig durch die Sozialkritik eines Georg Danzer und von Ludwig Hirsch. Ich hör mir aber auch viele deutsche Liedermacher wie Heinz Rudolf Kunze oder Konstantin Wecker an. Bei mir muss schon etwas dabei sein, wo man auch mal den Finger in eine offene Wunde legt. Andererseits entsteht ein Text aus einer Emotion heraus. Auch wenn ich jetzt ein Liebeslied schreibe, muss es aus einer Emotion heraus entstehen.

Gibt es sowas wie den typischen SOLOzuVIERT-Sound?

Den gibt es schon, aber wir sind auch offen für Neues. Auf unserer neuen CD haben wir erstmals Reggae dabei, der hat sich für die eine Nummer einfach angeboten. Wir sind schon offen für Sounds, aber wir haben vierstimmigen Gesang und unser Hauptaugenmerk auf Gesang und Gitarre gelegt.

Gibt es viele Songs, die es nie auf ein Album schaffen?

Gibt es. Es gibt welche, die vom Thema her nicht wirklich reinpassen. Oder der Text ist zu schwach. Ich habe teilweise Nummern geschrieben, für die ich sieben oder acht verschiedene Textvarianten habe (lacht) und mit keiner bin ich glücklich. Aber das entscheidet wirklich jeder für sich selbst, ob er den Song dann überhaupt vorstellt. Es wird dann ja auch noch darüber geredet. Es gibt schon Sachen, wo das Thema noch nicht reif ist. Die kommen dann auf das nächste oder übernächste Album. Oder schaffen es gar nicht.

Was ist dein Lieblingssong auf dem neuen Album?

Im Moment die Single „Guate alte Zeit“. Eine interessante Betrachtungsweise: Es ist kein verklärter Blick, dass früher alles besser war oder so, aber es war alles entschleunigter. Man hatte zum Beispiel kein Mobiltelefon. Man war nicht immer und überall erreichbar, und es war deswegen auch niemand beleidigt. Heute ist es so: Wenn ich jemanden anrufe und der hebt nicht gleich ab, denke ich mir „Was ist mit dem los? Wofür hat der ein Handy?“ (lacht) Ich habe einen Sohn und durch ihn in weiterer Folge Enkelkinder, wo ich mir denke: „Wie wird es bei denen wohl weitergehen?“ Es wird ja nicht langsamer. Oder es kommt vielleicht wieder eine Entschleunigungsphase. Die Frage bleibt: „Wie schnell wollen wir es noch haben?“

Ihr wart als Vorgruppe für „Best of Austria“ mit EAV, Fendrich und den Seern unterwegs. Was nimmt man mit von so einer Tournee?

Es war ein unglaublich tolles Erlebnis, weil wir bei einem Konzert mehr Leute im Publikum stehen hatten, als insgesamt in den ganzen Konzerten davor (lacht). Was wir mitgenommen haben war die Erkenntnis, dass unsere Musik vor einem großen Publikum auch funktioniert. Zu der Zeit waren wir gewohnt, kleinere Konzerte zu spielen und dann steht man auf einmal in einem Saal mit zweitausend Leuten und die gehen auch mit. Es hat uns Selbstvertrauen gegeben, weiterzumachen und uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

interview | petra ortner

web | www.solozuviert.at

termine | 17.10.2015, Oberneukirchen (OÖ), Schnopfhagen-Stadl

16.11.2015, Kirchdorf/Krems (OÖ),  Zementwerke

3.4.2016, Wien, Theater Akzent

5.4.2016, Amstetten, Pölzhalle

8.4.2016 Leonding (OÖ), Kürnberghalle

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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