09.10.2014 0 Kommentare

Über den Haufen geworfen: Die irische Musikerin Wallis Bird im momag-Interview.

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Foto: Michaela Kuch

Wallis Bird | Die irische Musikerin fand vor etwa einem Jahr in Berlin ihr neues Zuhause und neue Inspirationen, welche sie auf ihr Album „Architect“ transformierte. Im Zuge der Herbsttournee wird sie dieses im Linzer Posthof live präsentieren.

Vor etwa einem Jahr bist du von Dublin nach Berlin gezogen, was gefällt dir an Berlin?

Alles. Es ist fast wie Urlaub hier. Das Nachtleben ist der Hammer, die Leute sind sehr familien- und tierfreundlich. Das Sozial-Verständnis ist perfekt. Kunst wird sehr hoch geschätzt und ist sehr wichtig. Und das Essen ist auch sehr gut.

Ist das neue Album hier entstanden?

Ich hatte schon vorher ein paar Ideen, habe das meiste aber dann in Berlin gemacht, die Songs geschrieben und alles aufgenommen. Es ist also ein richtiges Berliner Album. Ich habe rund neun Monate alleine zu Hause an den Songs geschrieben, aber die Band und andere Leute sind dann doch auch wichtig fürs Feedback. Es war echt nett, zu Hause zu arbeiten. Darum heißt das Album auch „Architect“ – es war das erste Mal, dass ich alles in einem richtigen Haus und nicht in einer kleinen Wohnung machte.

Wie waren die Studiotage?

Ich wollte eigentlich an den zu Hause aufgenommenen Songs nichts ändern. Im Studio habe ich dann trotzdem eine Woche verprasst. Wir haben viel aufgenommen, aber alles war Scheiße. So habe ich alle Aufnahmen mit nach Hause genommen, zusammengeschnitten und daran herumgebastelt. Eine Menge der Effekte, die wir im Studio verwendet haben, waren nicht perfekt und nicht gut genug. Darum haben wir nach dem Studio noch einmal alles neu überarbeitet. Wir haben vieles über den Haufen geworfen und wo anders verwendet, insgesamt war’s recht interessant.

Wie viel Persönliches ist in den Texten?

Bei meiner Musik gebe ich normalerweise immer 90 Prozent, die restlichen zehn brauche ich für mich selbst. Sonst ist alles Scheiße. Man muss ein wenig von sich für sich zurückhalten. Für das neue Album habe ich erstmals einhundert Prozent gegeben. Ich habe nicht nachgedacht darüber, wie ich fühle oder so. So gesehen war es einfach. Sehr einfach, weil die Songs und Texte irgendwie passiert sind. Ich habe nichts zurückgehalten. Das habe ich nicht so geplant, ich habe es einfach passieren lassen.

Was hast du immer mit dabei, wenn du auf Tour gehst?

Mein Gitarren-Equipment. Wenn ich das mit dabei habe, muss ich mir um nichts Sorgen machen. Dafür vergesse ich immer wieder mal andere Sachen, die man auf Reisen durchaus auch braucht. Aber das Wichtigste ist, alles dabei zu haben, um einen guten Auftritt hinzulegen.

Du hast deine erste Gitarre bereits mit zwei Jahren bekommen?

Ich war sechs Monate alt, als ich meine erste Gitarre bekam. (lacht) Eine Spielzeuggitarre.

War es schon immer dein Wunsch, Musikerin zu werden?

Ich glaube schon. Mein ganzes Leben ist geprägt von Musik und ich habe mich nie entscheiden müssen. Musik war immer da. Darum war das für mich auch ein ganz logischer Weg.

Das neue Album gibt’s auch als Deluxe Box mit vielen Extras und als Deluxe Doppel-Vinyl mit Doppel-CD. Welche Version würdest du dir kaufen?

(lacht) Ich glaube, ich würde zum Vinyl greifen. Das fühlt sich gut an, wenn man es in den Händen hält. Es ist wie ein Buch. Als Geschenk würde ich die Deluxe Box kaufen, denn darin gibt es einige tolle Sachen wie Karten, eine Tragetasche, Sticker und natürlich auch die Doppel-CD. Ich aber mag Vinyl mehr, finde ich schöner.

Waren die Deluxe Box und Vinyl deine Idee?

Das war die Idee meines Managers Peter. Und mir hat die Idee sehr gut gefallen. Die Musik ist das Wichtigste. Wenn ein Tonträger dann noch schön aussieht ist das ganze Produkt noch viel besser. Alles was wir machen, ist Musik und in der digitalen Ära ist es nicht wirklich „echt“, wenn man nichts in den Händen halten kann. Wir haben an der Musik wirklich verdammt hart gearbeitet und das fertige Produkt dann in Händen zu halten ist wunderbar. Wir haben viel Zeit investiert, um dann etwas herzeigen zu können und zu sagen: „Das habe ich gemacht“. Ein großartiges Gefühl.

Du bist jetzt den ganzen Herbst auf Tour. Ist das Programm immer gleich?

Es ist niemals genau dasselbe. Wir spielen natürlich all die Songs des neuen Albums, aber ich glaube, diesmal werden die Auftritte eine halbe Stunde länger dauern. Die Tickets kosten diesmal weniger und ich spiele mehr. Ich hoffe, es wird richtig gut werden für jeden, der zu meinen Shows kommt. Das ist nämlich jetzt die letzte große Tour mit diesem Album.

Was hast du für die nächste Zukunft geplant?

Bis Jahresende toure ich erst einmal wie verrückt. Von Jänner bis Mai werde ich mich dann zu Hause im Studio einsperren, an meinem nächsten Album schreiben und es fertig machen. Im nächsten Frühjahr kommt auch ein Doppel-Live-Album raus. Daran arbeiten wir bereits acht Jahre. Das wird schön.

interview | petra ortner
web| www.wallisbird.com
www.facebook.com/wallisbird?ref=ts&fref=ts
termin | 12.10., Linz, Posthof

Rubrik:: Kultur

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