05.03.2015 0 Kommentare

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Familienministerin Sophie Karmasin besuchte Waidhofen.

Diskussion. Familienministerin Sophie Karmasin besuchte Waidhofen und diskutierte bei einer Podiumsdiskussion

Foto: Julia Büringer

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Die Frauen diskutierten, die Männer hörten zu. Die Bundesministerin für Familien und Jugend, Dr. Sophie Karmasin, erläuterte bei einer Podiumsdiskussion im Kristallsaal ihre Pläne für ein familienfreundliches Österreich. Am Podium saßen Beatrix Cmolik (Stadträtin für Familie und Gesundheit), Ingrid Bukovsek (Geschäftsstellenleiterin AMS Waidhofen), Elisabeth Lennhardt (Mediatorin und Mutter) und Agnes Mildner-Zeidlhofer (Lehrerin und Mutter), geleitet wurde die Gesprächsrunde von Ulrike Bauer. Die Frauen sprachen über Vereinbarkeit von Beruf und Familie und waren sich einig, dass in erster Konsequenz ein Umdenken notwendig ist, in Richtung Partnerschaftlichkeit. Was den Mann in die Betreuungspflichten zu mindestens 50 Prozent miteinschließt. „Jeder definiert für sich selbst was Familie ist“, sagte die Familienministerin. Sie formulierte eine Vision: „Beide Elternteile sollen sich beidem widmen können.“ Die Geburtenrate ist in jenen Ländern höher, wo es eine qualitativ gute Kinderbetreuung gibt, im Sinne eine Betreuung, die auf das Leben vorbereitet und weit entfernt vom bloßen Aufpassen ist. „Es soll ja keine Geburtenprämie geben, aber Rahmenbedingungen, die Geburten begünstigen und nicht reduzieren“, sagte Karmasin. Sie erzählte etwa vom Daddy-Day in Holland, der Freitag ist dort traditionell den Männern für die Kinderbetreuung vorbehalten. Frauen müssten dies aber auch zulassen und loslassen können. Holland ist eines der großen Vorbilder für die Bildungsministerin. Dort gibt es etwa auch den Beruf der Wochenbettbetreuerin, ausgebildete Fachkräfte, die in den ersten Wochen nach der Geburt bei der Babybetreuung unterstützen und beraten.

Foto: Julia Büringer

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Karmasin wies darauf hin, dass Österreich zum familienfreundlichsten Land in der EU werden muss. „Nur 33% der Österreicher sagen, dass unser Land familienfreundlich ist. Das ist nicht genug für ein Land, das so hoch entwickelt ist“, betonte die Ministerin und legte sogleich ihren Fahrplan für die Zukunft dar. „Frauen sind noch nicht gleichgestellt“, warnte Ingrid Bukovsek vom AMS in Waidhofen. Noch immer gebe es Aufholbedarf, Kinderbetreuung sei noch immer weitgehend Frauensache. Eine sehr große Problematik sahen die Teilnehmerinnen in der fehlenden, flexiblen Kinderbetreuung. „Ganz allgemein hinken wir mit der Betreuung dem Tempo der Zeit nach“, so Cmolik, die aber die Situation in Waidhofen durchaus positiv beurteilt. „Was die Kleinstkinderbetreuung anbelangt, sind wir mit der Zwergenschaukel gut aufgestellt. Das hat auch die Bedarfserhebung so ergeben. Ich sehe die Probleme eher im Bereich ab den 10-Jährigen, aber auch das werden wir in nächster Zeit erheben.“ Ingrid Bukovsek vom AMS berichtete ihre Erfahrungen aus der Praxis und merkte an: „Die Öffnungszeiten der meisten Kinderbetreuungseinrichtungen sind unvereinbar mit einer Tätigkeit im Einzelhandel, Gastgewerbe, in der Produktion oder Reinigung, etc. Erst wenn das Angebot da ist, haben die Betroffenen die Entscheidungsfreiheit, alles andere ist keine Entscheidungsfreiheit.“ Aber auch die problematische Anwesenheitskultur in österreichischen Unternehmen, sowie der oft schwierige Wiedereinstieg nach der Babypause und fehlende Pensionszeiten wurden in der Runde thematisiert.

Foto: Julia Büringer

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„Warum hinken wir in der Flexibilisierung so nach?“, fragte ein Zuhörer. Bezirksvorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“ Elisabeth Lenhardt: „In einigen Bereichen ist es einfach nicht möglich.“ Bezirksschulvertreter Josef Hörndler führte in seiner Frage den Bedarf von Elternbegleitung in den ersten drei Jahren aus, aber auch den Minderwert von elektronischen Medien. Auch Hebamme Beatrix Cmolik, die mit am Podium saß, unterstrich dies: „Weg von den Medien, hin zur Bindungsförderung!“ „Wo sind aber die Rahmenbedingungen wenn ich meinem Kind drei Jahre lang Nähe geben will?“, fragte Zuhörerin Julia Schwarz. Sie sind durch die derzeitigen Zuschüsse möglich, sagte Karmasin. Schon jetzt gehen 80 Prozent der Familienleistungen als Direktzahlungen in die Familienhaushalte. „Qualifizierte Kinderbetreuung ist nicht schlecht“, unterstrich Karmasin, vor allem auch für das Sozialverhalten, schließlich sei es wichtig zu lernen, mit anderen auszukommen, auf andere Rücksicht zu nehmen etc. Verhalten, die heute in den Kleinfamilien kaum mehr trainiert werden.

„Solche Veranstaltungen, wie diese Podiumsdiskussion, sind deshalb gut, weil sie wertvolle Denkanstöße liefern. Wir nehmen das als Auftakt für einen Familienschwerpunkt. Wenn die Bundesministerin für Österreich den Anspruch stellt, das familienfreundlichste Land zu werden, dann wollen wir die familienfreundlichste Gemeinde werden“, sagte Bürgermeister Werner Krammer.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist kein Zuckerschlecken. Aber die Veränderung, die ist spürbar und sichtbar. Männer, die Kinderwägen durch die Stadt schieben, sind zumindest keine Exoten mehr.

 

Rubrik:: Mostviertel

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