26.09.2014 0 Kommentare

„Verweigert Konsum wo immer es geht”: Staudinger begeistert Besucher in Waidhofen.

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Der “Waldviertler” Unternehmer Heini Staudinger trat vor 260 Besuchern im Kristallsaal auf. Fotos: privat

Waidhofen | Zum Auftakt der Mission: Wirtschaft 2050 trat der als Schuhrebell bekannte Schremser Unternehmer Heini Staudinger vor 260 Besuchern im Kristallsaal auf. Während seines eineinhalb stündigen Referats war ihm dank seiner charismatischen Art und seines guten Schmähs die volle Aufmerksamkeit des Publikums  gewiss.

Staudinger wechselte in seinem Vortrag zwischen persönlichen Familiengeschichten und Erzählungen aus seiner Firma genauso schnell, wie er nach beinharter Systemkritik wenig später wieder liebevolle Witze erzählte. Prägend war für ihn eine Reise als Jugendlicher, als er mit dem Moped bis nach Afrika fuhr. „Dabei habe ich begriffen, dass es im Leben nichts Wichtigeres als das Leben gibt. Unsere Sehnsüchte werden ständig durch Sachzwänge und durch die eigene Angst, die mitunter im Deckmäntelchen der Vernunft daher kommt, unterdrückt, obwohl wir uns an ihnen orientieren sollten. Auf dieser Erfahrung gründen sich auch meine beiden Firmengrundsätze. 1.: Geh, scheiß di net au (Mut) und 2. Bitte sei net so deppert (Klugheit).“, so Heini Staudinger in seiner oft emotionalen Rede.

DSC_0271Die Frage, was der Einzelne gegen die Allmacht der Konzerne und des Kapitals noch tun könne, beantwortete er so: „Verweigert Konsum wo immer es geht, weil wir wenigstens in der Verweigerung die Chance haben, die eigene Würde zu behalten. ‚Nie ist zu wenig, was genügt!‘, hat schon Seneca gewusst. An diesem Leitspruch sollten wir uns in dieser Gesellschaft voll von unnötigem Überfluss orientieren!“ Und auch noch einen weiteren Vorschlag hatte er parat: „Wir hier im Saal besitzen ca. fünf Mio. € Kapital. Entziehen wir es den dubiosen und zerstörerischen Kreisläufen auf den internationalen Finanzmärkten und unterstützen wir lokale Projekte, die wir für sinnvoll und wertvoll halten“, so der Finanzrebell, der durch ein Crowdfunding-Modell selbst Geld bei Kunden und Freunden einsammelte und daraufhin von der FMA geklagt wurde.

vlnr Jakob Stockinger, Raphael Kößl, Heini Staudinger, Jürgen Tatzreiter

Das Team von Mission: Wirtschaft 2050 mit Jakob Stockinger, Raphael Kößl, Heini Staudinger und Jürgen Tatzreiter (v.l.).

Zum Abschluss des Abends animierte er schließlich die begeisterten Besucher, mit ihm noch ein Revolutionslied aus den 1920er-Jahren zu singen, in dem es darum geht, dass die Liebe ins Herz der Menschen einzieht und sie dadurch die Angst verlieren. „Denn nichts hemmt uns mehr, als die eigene Angst!“

Die zahlreichen Besucher wurden anschließend noch bei einem Buffet von Welt- und Bioladen verköstigt. Schon am kommenden Montag, 29. September, geht es mit einem Vortrag von ÖGB-Präsident Erich Foglar weiter. Eine Anmeldung ist unter: www.wirtschaft2050.at erforderlich.

Rubrik:: Mostviertel

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