13.05.2014 0 Kommentare

Viele Fragen und Herausforderungen: Symposium zum Thema Wohnen im Alter.

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Mehrere Experten und über 200 interessierte Bürgerinnen und Bürger nahmen am Symposium teil. Foto: NLK Burchhart

St. Pölten | Wir werden immer älter. Eine erfreuliche Botschaft, die allerdings viele Fragen und Herausforderungen im Bereich des Wohnens und der Pflege mit sich bringt. Aus diesem Grund hat das Land Niederösterreich zum Symposium „Wohnen im Alter. Daheim in der Zukunft“ geladen, um sich einem neuen Blickwinkel zu öffnen.

Mehrere Experten und über 200 interessierte Bürgerinnen und Bürger, welche im Rahmen eines World-Cafés mit ihren Tischleitern 7 Zukunftsbotschaften bzw. -visionen entwickelt haben, folten der Einladung zum Symposium „Wohnen im Alter. Daheim in der Zukunft“ in St. Pölten. Die Wissenschaftler Wolfgang Amann, Franz Kolland und Anita Rieder veranschaulichten, wie sich die Demographie, der Lebensalltag der Senioren und deren Krankheitsbilder in Zukunft entwickeln werden. Denn Österreich folgt hier einer Entwicklung, die für ganz Europa charakteristisch ist. In der EU wird der Anteil der Generation 65+ bis ins Jahr 2050 auf 29% steigen. In Österreich wird sich der Anteil der Generation 75+ sogar im nächsten Jahrzehnt auf plus 30% erhöhen, was rund 200.000 Menschen entspricht. Diese Entwicklung ist geprägt von der Generation der Baby Boomer, die allerdings die gewonnenen Lebensjahre nicht durch chronische Krankheiten, Gebrechlichkeit oder Beeinträchtigungen geprägt sehen, sondern mit einer hohen Lebensqualität. Die Lebensqualität im Alter, hängt allerdings auch deutlich von den Bedingungen der Wohnung und den Gegebenheiten des unmittelbaren Wohnumfeldes ab. Aktuelle empirische Erhebungen zeigen, dass hochaltrige Menschen bis zu vier Fünftel des Tages zu Hause verbringen, wodurch auch die zukünftigen Wohnbedingungen unter der Perspektive von Anregung und sozialem Austausch betrachten werden müssen.

Unterschiedliche Wohnformen vorstellbar

Architekt Eckhard Feddersen und Markus Mattersberger präsentierten unterschiedliche Wohnformen für die ältere Generation. Eine große Herausforderung ist, dass ältere Menschen gerne in ihrem gewohnten Umfeld bleiben möchten und dadurch den Wohnraum im Alter anpassen müssen. Dabei ist die Umgestaltung des Badezimmers meist die größte Aufgabe. Aber auch Beispiele für quartiersbezogene Konzepte wurden genannt, die auf drei Säulen aufbauen, nämlich altersgerechtes Wohnen, soziale Unterstützung und Pflege. Dabei steht die Selbständigkeit jedes Einzelnen im Vordergrund, die dadurch aber ein flexibles und abgestimmtes Angebot unumgänglich macht.

Manfred Bammer informierte über die Entwicklungen im Bereich des Ambient Assistend Living (AAL), welches derzeit noch an seine Grenzen stößt auf Grund der Komplexität der Anforderungen und der Finanzierbarkeit derartiger Projekte. Aber auch die Angst vor der neuen Technologie birgt noch Hürden bei den potentiellen Testpersonen.

Gemeinsam Zukunftsbotschaft erarbeitet

Im Rahmen des World-Cafés konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv mitreden und diskutieren. In insgesamt sieben Gesprächsgruppen wurden Meinungen eingebracht und gemeinsam eine Zukunftsbotschaft erarbeitet: Die Gruppe „Planung und Architektur“ fordert eine Differenzierung im Bereich barrierearm und barrierfrei, eine Förderung bei Anmeldung und nicht erst bei Notbedarf, eine Teilbarkeit von Wohnungen sowie einen rechtzeitigen Wohnungswechsel, der durch eine Tausch- oder Maklerbörse unterstützt wird. Die Ausstattung der Quartiere soll mit low tec erfolgen.

Bei der Gruppe „Risikoträger und Gemeinden“ wird das soziale Engagement der Gemeinden in den Fokus gerückt, welches mit regionalen, flexiblen Kooperation ein Ansatz für die Zukunft sein kann. Die Sicherung der bestehenden Angebote, sowie das zulassen und ausprobieren neuer und vor allem die ausreichende Finanzierung sieht die Gesprächsrunde der sozialmedizinischen Dienste als zukunftsweisend. Im Bereich der öffentlichen und privaten Pflegedienstanbieter soll der Mensch und auch die Ergebnisqualität noch mehr in den Mittelpunkt gerückt werden, und nicht nur Struktur geschaffen werden, denn Betreuung ist nicht gleich Pflege. Akzeptanz, eine standardisierte Ausstattung und Finanzierbarkeit der Projekte wird im Bereich des technisch unterstützen Wohnens gefordert. Und auch eine Aufklärung dahingehend, dass die Technik der persönlichen Sicherheit dient und durch die vermiedenen Unfälle, die Folgekosten erheblich gesenkt werden können. Im Bereich der „Vorsorge“ wird der salutogene Ansatz gefordert, nämlich die Förderung der Erhaltung der Gesundheit.

Ein gewisses Maß an Solidarität und eine verantwortungsbewusste Zivilgesellschaft sieht die Gesprächsrunde „Ehrenamt“ als zukunftsweisend. Dabei soll die hauptberufliche Tätigkeit mit der freiwilligen Hilfe verbunden werden und eine enge Kooperation zwischen Vereinen, der Wohnbaugenossenschaften, den mobilen Diensten und der Gemeinde entstehen. Aber auch eine Hilfestellung durch das Land bei der Ausbildung, der Einsatz von Sozialkoordinatoren und die Schaffung von offenen Häusern, die Jung und Alt verbinden und so Bewusstseinsbildung schaffen, werden gefordert.

Die Ergebnisse des Symposiums werden in den nächsten Wochen auf www.noel.gv.at in
einem Abschlussbericht veröffentlicht.

Rubrik:: Panorama

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