15.06.2013 0 Kommentare

Violine und Dubstep

Lindsey Stirling und Petra Ortner. Foto: privat

In ihren Live-Shows ist auch das Tanzen ein wichtiger Bestandteil. Im April war die außergewöhnliche Geigerin in Wien, um ihr Album Lindsey Stirling vorzustellen. Das momag war dabei und hat mit der Künstlerin gesprochen.

Bist du zum ersten Mal in Wien?

Ja, und ich liebe Wien. Ich wünschte ich hätte mehr Zeit, um mehr von der Stadt zu sehen. Die Architektur ist toll. Als ich heute hergekommen bin, sind wir an der Oper vorbeigekommen. Einfach unglaublich. Sogar normale Gebäude wie eine Bank sehen hier einfach großartig aus.

Du hast mit sechs Jahren begonnen, Geige zu spielen. Kannst du dich noch an deine ersten Erfahrungen damit erinnern?

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich anfangs nur die A-Saite spielen durfte. Ich musste die ganze Zeit üben, wie man den Bogen richtig hält, auf der A-Saite. Immer im Takt von „California Raisins, California Raisins“ („Kalifornische Rosinen“). Ich spielte das so oft und so lange – meine Eltern waren wirklich zu bemitleiden. (lachen) Aber mir hat es unglaublichen Spaß gemacht, ich habe um Unterrichtsstunden gebettelt. Schließlich bekam ich diese quietschende kleine Violine.

Nach längerer Zeit mit klassischer Musik hast du in einer Rockband begonnen. Wie kam es dazu?

Nun, ich liebe Rockmusik. Außerdem wollte ich einen neuen Musikstil ausprobieren. Nur zum Spaß. Ich versuche gerne neue Dinge. Außerdem fand ich die Jungs in der Band „Stomp On Melvin“, von der ich ein großer Fan bin, wirklich süß. (lachen) Ich wollte sie kennenlernen, also spielte ich bei ihnen mit, für ungefähr zwei Jahre. Dann mussten die Jungs alle aufs College. Ich war jünger als sie und blieb noch auf der Highschool.

Du hast schon viel ausprobiert, nach Rock auch HipHop und jetzt Dubstep. Woher kommt dieses Interesse an so verschiedenen Stilen?

Ich habe einen sehr umfassenden und ungewöhnlichen Musikgeschmack. Ich habe es schon immer gehasst, wenn Leute versuchen, Musik zu kategorisieren und sie in eine Schublade zu stecken. Wenn sie sagen: „Du spielst Violine? Dann musst du DAS spielen.“ Oder „Du bist Athlet? Dann musst du SO aussehen.“ Oder „Du musst dich so oder so kleiden.“ Ich mag es überhaupt nicht, wenn Leute versuchen, dich in eine bestimmte Richtung zu drängen. Wie du zu sein hast und wie du auszusehen hast. Ich möchte mit meiner Musik auch beweisen, dass man sich nicht an Normen anpassen muss, um akzeptiert zu werden. Du bist am besten, wenn du du selbst sein kannst. Also ja, ich kombiniere die Violine mit Musikstilen, in denen man sie nicht erwarten würde. Ich mache alles von HipHop bis Rock, aber auch klassische Musik.

Welchen dieser Stile spielst du am liebsten?

Elektronische Musik. Ich liebe Dubstep und ähnliches, dazu kann man tanzen und es gibt ein kraftvolles, erhebendes Gefühl. (lachen)

Dein riesengroßer Erfolg begann mit einem Video auf youtube.

Ich war begeistert, dass dieses eine Video von ein paar tausend Leuten angesehen wurde. Ein paar tausend Leute haben meine Musik angehört. Wow! Und es ist für mich wirklich unglaublich, dass das Ganze so ein Erfolg wurde. Ich habe natürlich gehofft, dass mein Video gut ankommt, aber dass es so ein Erfolg wird, damit kann man nicht rechnen.

Was ist das Geheimnis zum Erfolg?

Da gibt es schon einige Strategien, die ich gelernt habe. Zum Beispiel muss man wirklich konsequent sein, und man muss sehr hart arbeiten. Auch dein Lebensgefühl, eine Einstellung ist wichtig. Außerdem muss man auf youtube wissen, wie man seine Videos produziert und den Leuten vorstellt. Ich glaube, dieses Do-It-Yourself-Ding war mein Geheimnis zum Erfolg.

Im September letzten Jahres hast du dein Debüt-Album veröffentlicht.

Ich habe zwei Jahre gebraucht, um es fertigzustellen. Ziemlich lange, denn es ist ziemlich teuer, ein Album zu produzieren und ich konnte mir immer nur einen Song hin und wieder leisten. Also ich bin ins Studio, habe einen Song aufgenommen und die Leute bezahlt. Dann habe ich wieder Geld zusammengespart, den nächsten Song aufgenommen und so weiter, bis ich genug für ein komplettes Album beisammen hatte. Manches ist einfach aus der Improvisation heraus entstanden. Ich habe meine Kopfhörer aufgesetzt und mir vorgestellt, an einem schönen Ort zu sein und dann einfach drauflos-gejammed. Da gab es schon auch eine Menge schlechter Versuche. Aber nachdem ich alle schlechten Ideen durchgespielt hatte, kamen die guten Sachen heraus.

Was oder wer sind im Allgemeinen deine Einflüsse?

Ich habe eine Menge Einflüsse. Ich habe viel Michael Jackson gehört, als ich klein war. Er ist eine große Inspiration für mich. Die erste elektronische Musik, die ich gehört habe, war von einer Band namens Passion Pit. Die machen eine Art Electronic-Rock. Als Violinistin wurde ich vor allem auch vom Electronic-Violin-Quartett „Bond“ inspiriert. Auch Vanessa Mae und natürlich David Garrett.

Dein Album war Nummer Eins in den Dance-Charts in den USA und gleichzeitig auf Platz Zwei in den Klassik-Charts. Wie war das für dich?

Ich war überrascht und finde es lustig, dass es so gute Platzierungen in zwei völlig unterschiedlichen Charts schaffte.

Du bist die erste Künstlerin, die das geschafft hat.

Ja. (lachen) Der Wahnsinn!

Wie wichtig ist die Bühnenperformance für dich?

Die Live-Performance ist etwas ganz wichtiges. Hier kann man auf eine ganz besondere Art mit seinen Fans in Kontakt treten. Das Tanzen ist ein ganz wichtiger Teil meines Spielens. Tanzen und Spielen sind für mich miteinander verbunden. Man kann die beiden Dinge bei mir nicht mehr trennen. Ich muss tanzen wenn ich spiele, das meiste dabei ist improvisiert.

Du tourst viel um die Welt. Was war bisher der beeindruckendste Ort für dich?

Wir haben einmal in Tilburg in den Niederlanden gespielt, das war bis dahin die größte Show, wir fühlten uns wie Rockstars, meine Band und ich. Auch die Location war wunderschön, die Stadt war sehr schön. Das wird immer eine meiner Lieblingsstädte sein.

Du hast schon sehr viel erreicht. Was ist das nächste große Ziel?

Ich habe so viele Ziele! Ich beginne schon bald mit der Arbeit an einem neuen Album. Irgendwann einmal möchte ich sehr gerne in Stadien auftreten. Ich weiß, dass auch das möglich ist. Und ich möchte sehr gerne mit größeren Künstlern zusammenarbeiten, auch Mainstream-Künstler. Ich liebe es, mit anderen talentierten Menschen zusammenzuarbeiten, denn manchmal macht eins plus eins gleich zehn, wenn du weißt wie ich das meine.

Interview: Petra Ortner

WEBLINK: Lindsey Stirling

Rubrik:: Kultur

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