20.11.2013 0 Kommentare

Vortrag über Schicksal Mostviertler Juden. Von Verlorenen und Geretteten, Tätern und Opfern.

kammerstätter7

Johannes Kammerstätter beim Vortrag in Amstetten.
Foto: Robert Voglhuber

Amstetten | “Tragbares Vaterland” lautet der Titel von Johannes Kammerstätters Buch, in dem er alles über das Judentum im Mostviertel zusammentrug. Nun hielt er einen Vortrag für Schüler.

Genau vor 75 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der Reichsprogromnacht, wurden überall im Deutschen Reich organisierte Gewaltmaßnahmen gegen Juden, jüdische Einrichtungen, Tempel und Geschäftsfassaden gesetzt. Johannes Kammerstätter hat in einem umfassenden Werk mit dem Titel „Tragbares Vaterland“ das Schicksal der Mostviertler Juden zusammengetragen und Überlebende und deren Nachkommen aus aller Welt kontaktiert.

75 Jahre nach den Novemberprogromen hielt Kammerstätter im Pfarrsaal St. Stephan in Amstetten einen Vortrag für die Schüler der Fachschulen Wirtschaft und des Aufbaulehrgangs über einen Querschnitt repräsentativer Einzelschicksale aus unserer Gegend, über Verlorene und Gerettete, über Täter und barmherzige Samariter.

Die Entfernung aller Juden

So sehr die Nazis ihre Volksgenossen umgarnten, so unmenschlich gingen sie gegen ihre angeblichen Gegner vor, vor allem gegen Juden. Hitler schreibt in seinem erstem politischen Text: Das letzte Ziel muss unverrückbar die Entfernung aller Juden sein. Den größten Teil seines Buches „Mein Kampf“ widmet er demselben Thema.

Jüdischer Friedhof  – schützenswertes Denkmal

In Niederösterreich gab es zahlreiche Kultusgemeinden und Bethausvereine, übriggeblieben sind von den meisten nur ihre Friedhöfe. Sämtliche Bewohner wurden vertrieben oder umgebracht. Was also ist überhaupt noch vorhanden in Niederösterreich, um einen Einblick zu gewähren in seine jüdische Vergangenheit? Der Jüdische Friedhof Ybbs ist ein schützenswertes Kulturdenkmal. Die Geschichte, die Namen, die Schicksale und die Kontakte zu Überlebenden in aller Welt zurück ins Mostviertel zu tragen war die Aufgabe von Johannes Kammerstätter und seinen Schülern und Schülerinnen der landwirtschaftlichen Schule Francisco Josephinum in Wieselburg.

Schüler forschten nach Überlebenden

Die jüdische Gemeinde des Mostviertels war weit verstreut. Es gab keine Synagoge und nur zeitweise einen Rabbiner. Beträume waren in Privathäusern untergebracht. Die Schüler forschten mit viel Engagement in Archiven nach Überlebenden und wurden fündig. Es fanden sich Geschichten von Menschen. Zum Beispiel Paul Peter Porges, Cartoonist des Kultmagazins „Mad“ lebt in New York. Er ist gebürtiger Scheibbser. „Garten der Versöhnung“ nennen die Schüler den jüdischen Friedhof. Sie stellten Skulpturen auf, die in der Metallwerkstatt des Josephinums hergestellt wurden. Sie zeigen Porträts von Menschen, die aktiv Widerstand leisteten. Franz Sitter aus Ybbs weigerte sich als „Krankenpfleger“ im Todesheim der Psychiatrie Schloss Hartheim zu arbeiten. Dr. Erwin Leder, Lagerleiter in Weißrussland, rettete vielen Menschen durch bessere Verpflegung nachweislich das Leben. Theresa Rager aus Feichsen bei Purgstall wurde wegen eines Verses eingesperrt. Sie reimte: Wir wollen keinen Krieg/Wir brauchen keinen Sieg/ Wir wollen unser freies Österreich/und freun uns auf die Hitlerleich.

Robert Voglhuber

Rubrik:: Musiktipps

Kommentar verfassen

Zur Gewährleistung eines respektvollen Umgangs behält sich das Redaktionsteam vor, Kommentare gegebenenfalls zu entfernen.