10.09.2014 2 Kommentare

Was bedeuten unsere Ortsnamen? Viele gehen auf slawischen Ursprung zurück.

Etymologie | Viele unserer Ortsnamen gehen auf slawischen Ursprung zurück oder verweisen auf eine friedliche Koexistenz von Slawen und Bayern hin.

Von Robert Voglhuber

Ich will immer die Etymologie kennen, woher ein Wort kommt. Interessant sind dabei die Orts – und Flussnamen. Schon die Griechen und Römer versuchten Ortsnamen zu deuten. Oft kam dabei blühender Unsinn heraus. Julius Caesar kannte z. B. Melk als „Mea Dilecta“, mein geliebter Ort, soll es gedeutet worden sein. Ist natürlich Unsinn, aber dazu später.

Die Beschäftigung mit Ortsnamen war bis zum 19. Jahrhundert ein Tummelplatz von Dilettanten. Die Keltomanen wollten alles keltisch erklären, dann kamen Slawomanie und Teutomanie. In Niederösterreich begann um 1900 mit Richard Müller die wissenschaftliche Ortsnamenkunde. Ohne diese wäre eine Geschichte der Besiedlung des Landes und seiner Kultur unmöglich.

Das älteste Sprachgut sind die Gewässernamen. Als illyrisch gelten die Donau, Tulln, March (Sumpffluss), Thaya (die Rauschende), Erlauf, Zaya, Leitha. Illyrisch ist sowas wie Vorkeltisch. Der indogermanische Wortstamm „leuk“ (weiß) im Flussnamen Loich ist mit dem griechischen „leukos“ (weiß) verwandt, weshalb auch die Pielach als „als „die Weiße“ gedeutet werden kann. „Weiß“ wegen der Gischt, die durch Sauerstoffanreicherung des sprudelnden Wassers entsteht. Das slawische „bela“ bedeutet ebenfalls „weiß“, woraus sich unser Wort „Fels“, das weiße Gestein ableitet.

Vom keltischen „combos“ (der Krumme) entsteht der Kamp, der bei Rosenburg tatsächlich eine starke Krümmung aufweist. Die Enns könnte als Sumpffluss gedeutet werden, die Ybbs kommt von „ibusa“ und heißt nichts anderes als „die Gehende“, und die Stadt Wien ist nach dem Wienfluss benannt, der vom keltischen „vedunia“ abzuleiten ist und schlicht Waldbach bedeutet.

Slawisch zum Beispiel ist Melk und hat nichts mit der Fantasiebezeichnung Caesars zu tun, sondern bedeutet Grenzfluss zwischen slawischem und bayrischem Einflussgebiet.

Was heißt Donau?

Schwierig zu deuten ist die Donau. Das indogermanische „danu“ bedeutet Fluss. Irgendwann kam es zur mundartlichen Aussprache „Doana“, was heute noch zu hören ist. Die Romanen sind die Walchen. So haben sie die Deutschen bezeichnet. Manche sagen auch Itaker. Walcherberg bei Windhaag, Walchen bei Lunz, Walchau bei Hollenstein, Walchenöd bei Euratsfeld und die ehemalige Produktionsstätte des Basars: Walcherbauer.

Der Ötscher kommt vom slawischen und bedeutet Altvater. Gaming ist der Grubberg und Scheibbs soll „an den Hagebuttensträuchern“ bedeuten. Gresten (die Kärntner Gegend), die vom slawischen „koroscina“ herrührt, hat nichts unmittelbar mit Kärnten zu tun, sondern bezeichnet die Grenzlage an der Karantanischen Mark, die die spätere Steiermark andeutet.

Die Raabs im oberen Waldviertel geht auf den Personennamen Ratkoz zurück. Daher die tschechische Bezeichnung Rakousy für alle Österreicher. Die Slowaken sagen zu Österreich Rakusko. Stößt man auf den Ortsnamen „Winden“, ist ebenfalls mit slawischer Urbesiedlung zu rechnen.

Die „Windischen“ sind nicht windig

Man kennt „Winden“ (die Slawen) von der Adjektivbezeichnung „windisch“, die eher abwertenden Beigeschmack hat. Ein gutes Beispiel für ein reibungsloses Zusammenleben von verschiedenen Völkerschaften geben die beiden Ortsnamen Windberg bei Sonntagberg und Baychberg (Berg der Bayern). Windberg hat nachweislich nichts mit „windiger Berg“ zu tun, sondern weist eindeutig auf slawische Besiedelung hin, die in Niederösterreich etwa bis 1200 anhielt.

Vermessen und vergeben wurde das Land in die alte Wirtschaftseinheit „Hube“ bis ins 12. Jh. Dann kam das Lehen. Zahlreiche Hof- und Familiennamen (Ederlehen, Zulehen…) leiten sich davon ab. Das Lehen entsprach ungefähr einer halben Hube und betrug 24 Joch (1 Joch: 5.755 km²). Lehen und Huben wurden in josephinischer Zeit zu sogenannten Rotten (Gemeinden) zusammengefasst, deren Vorsteher der Rottmeister, also der heutige Bürgermeister war.

Rubrik:: Panorama

2 Kommentare zu "Was bedeuten unsere Ortsnamen? Viele gehen auf slawischen Ursprung zurück."

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  1. Alexander Bartl sagt:

    1 Joch sind ca. 57 ha, also etwa 0,5 km2 und nicht 5,7 km2

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