13.07.2017 0 Kommentare

Was die Gitarre zu erzählen hat

Norbert Schneider wurde in Wien geboren und wuchs in Prottes (Niederösterreich) auf. Seine Kreativität und Vielschichtigkeit kennt kaum Grenzen und reicht von Swing-Jazz über R’n’B und Blues bis hin zu Wienerliedern und Austropop. Sein aktuelles Album „Neuaufnahme“ ist eine Hommage an Georg Danzer, mit teilweise unveröffentlichten Songs des Austropop-Pioniers.

interview | petra ortner

»Wenn du jetzt nur darauf wartest, dass dich die Muse küsst, dann passiert das vielleicht fünf Mal im Jahr, zu wenig für ein Album.« Foto: Stefanos Notopoulos

»Wenn du jetzt nur darauf wartest, dass dich die Muse küsst, dann passiert das vielleicht fünf Mal im Jahr, zu wenig für ein Album.«
Foto: Stefanos Notopoulos

Was war der Zündfunke für deine musikalische Laufbahn?

Ich komme aus einem sehr musikalischen Haushalt und habe als Bub sieben Jahre lang klassische Geige gelernt. Mit dreizehn, vierzehn habe ich mich dann für Lieder und fürs Singen interessiert und wollte mich selbst begleiten. Das war auf der Geige nicht unbedingt so toll und so hat mir meine Schwester erste Griffe auf der Gitarre gezeigt, alles weitere habe ich mir selbst beigebracht.

Eigentlich wollte ich Kindergärtner werden; in der Kindergärtnerschule hatte ich einen super Gitarrenlehrer. Ich war zwar sehr schlecht, da ich nie richtig nach Noten spielen konnte, aber er hat mich gefördert. Für eine Schulfeier hat er eine Band zusammengestellt und wir spielten zwei Songs der Red Hot Chili Peppers vor Stadtschulrat, Landeshauptmann und Eltern. Ich habe die beiden Songs gesungen und das war der ausschlaggebende Moment für mich: „Genau das will ich wirklich machen!“

Spielst du alle deine 15 Gitarren immer wieder mal?

Nein, ein paar sind noch in der alten Wohnung, ein paar im Kasten oben, ein paar sind Baustellen, die gar nicht richtig funktionieren (lacht). Nur drei Gitarren und eine Bassgitarre spiele ich regelmäßig. Am liebsten eine alte Jazzgitarre, meistens auch live. Die habe ich mir irgendwann mal geleistet. Hat lange gedauert, bis ich sie abbezahlt hatte, denn das ist ein 1951er Baujahr, aber in einem super Zustand. Jede Gitarre zwingt dir eine eigene Spielweise auf. Mit der Jazzgitarre funktioniert es perfekt. Mit meinem Stil und was die Gitarre zu erzählen hat, ist das eine gute Verbindung.

Wie bist du an die Arbeit an deiner Danzer-CD herangegangen?

Da hat mir der Nachlassverwalter von Georg Danzer einen USB-Stick mit 700 Liedern gegeben und ich habe mich da monatelang durchgehört (lacht). Es war seine Idee, diese CD zu machen und so habe ich meine Favoriten aus seinem Werk herausgepickt. Zuerst war ich ja skeptisch, denn da kann man auch viel falsch machen, wenn man sich an den großen Danzer wagt. Ich habe die ersten Demos einfach mal spielerisch, wie ich meine eigenen Demos mache, mit der Gitarre aufgenommen. Das erste Lied war „Ruaf mi ned au“, das ist jetzt auch das erste auf dem Album. Ich habe das eine Zeit lang liegen gelassen und dann wieder reingehört und dachte dann: „Ok, das macht wirklich Sinn. Klingt anders als das Original und spricht mich musikalisch eigentlich noch mehr an.“ Weil es meine Musikalität total beinhaltet. Die Texte von Danzer sind sowieso grandios. Dem Nachlassverwalter hat’s auch gefallen und so hat er mir noch einen zweiten USB-Stick mit den ganzen unveröffentlichten Songs gegeben – die hat er nicht gleich rausgerückt, erst einmal wollte er abchecken, ob das mit mir überhaupt Sinn macht (lacht). Die unveröffentlichten Lieder aufzunehmen, ist natürlich eine riesen Ehre.

Wie hast du vermieden, einfach nur Coversongs zu machen, also 1 zu 1 nachzuspielen?

Ich habe mir die Lieder kaum angehört und so getan, als hätte ich selbst ein Lied geschrieben. Darauf aufgebaut, neue Arrangements gemacht. Das Essentielle der Lieder blieb übrig, aber ich habe von Anfang an darauf geachtet, dass ich meinen Swing, meinen Stil, mein Ding da reinbring’.

Schreibst du schon wieder neue Songs oder gehst du erst mal mit der Danzer-CD auf Tour?

Ich schreibe gerade wieder für ein nächstes Album. Ich komme ursprünglich von der Blues-Musik, habe diese jahrelang gemacht, bin dann aber immer offener geworden und habe mich für viele Sachen interessiert. Von Funk, Soul bis Wienerlied – alles mögliche ist da drin. Jetzt habe ich für mich eine Mixtur aus dem Ganzen gefunden. Kann sein, dass es blueslastiger wird, oder tanzbarer, oder vielleicht werden es eher Balladen, das ergibt sich…

Es heißt ja „Gut Ding braucht Weile“. Wie ist das beim Komponieren?

Ich will nach keinem Schema vorgehen. Es passiert schon, dass ich mich einen Tag lang hinsetze und komponiere, so wie andere in ein Büro gehen, um zu arbeiten. Es ist aber nicht gesagt, dass dabei etwas Gescheites rauskommt (lacht). Wenn du aber nur darauf wartest, dass dich die Muse küsst, dann passiert das vielleicht fünf Mal im Jahr, das reicht nicht für ein Album.

Du hast schon einige Auszeichnungen erhalten, zum Beispiel zwei Mal den Amadeus. Wie wichtig sind dir diese?

Ich hab’ mich über jeden Preis gefreut, aber man darf das auch nicht überbewerten. Das Schöne daran ist, dass man das Gefühl hat, dass das bei jemandem ankommt, was man tut. Wie bei einem Konzert, wenn Leute kommen.

Wie bist du zu „Dancing Stars“ gekommen?

Die haben mich gefragt und ich habe mich sehr gewundert (lacht). Ich wusste ja gar nicht so richtig, was das ist, da ich nie eine ganze Sendung gesehen habe. Ich war auch bis dato nicht so der Tänzer (lacht). Dann hab’ ich mir das mal genauer angesehen und fand es halb so wild. Es spielt eine Live-Band, was ich cool finde – sowas kommt selten genug vor im Fernsehen. Teilweise kenne ich die Musiker sehr gut, weil einige davon auch in meiner Band spielen. Schließlich dachte ich: „Scheiß’ drauf, ich mach da mit!“ Meine Mutter war ein riesen Fan dieser Sendung. Sie ist leider verstorben, sie hätte eine große Freude gehabt. Auch das war ausschlaggebend. Es ist zwar ganz anders als das, was ich bisher so gemacht habe, aber spannend. Es war kein Fehler, es gewagt zu haben.

web | norbertschneider-music.com

 

 

Rubrik:: Kultur

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