13.05.2013 0 Kommentare

“Weib und Gesang”

Foto: privat

Sie ist eine von Österreichs vielseitigsten Sängerinnen. Immer wieder tritt sie auch im Mostviertel auf – Neben den „wellenklaengen“ in Lunz steht sie heuer auch wieder bei den Sommerspielen Melk auf der Bühne. Das momag traf die sympathische Künstlerin zum entspannten Gespräch.

Wie und wann waren deine ersten musikalischen Gehversuche?

Ich glaube, ich bin schon auf die Welt gekommen mit dem Bedürfnis zu singen. Mir ist zum Beispiel in der Volksschule zum ersten Mal aufgefallen, dass ich etwas kann was die anderen nicht können, weil ich – zufällig – die Einzige in der ganzen Schule war, die eine zweite Stimme halten konnte. Auch alleine. (lachen) In der Unterstufe war aber nicht viel los mit Musik, das war eher so ein wissenschaftlicher Zweig. Ich bin dann in ein musisch-pädagogisches Oberstufen-Gymnasium – eigentlich eh nur, weil es leichter war. (lachen) Aber dort gefiel es mir besser, weil es einen sehr guten Schulchor gab und da durfte ich mit 15 Jahren im großen Musikvereinssaal in Wien, bei Carmina Burana mitsingen. Ich bin dort gestanden und habe mir gedacht: „Boah, das ist super! Das will ich machen.“

Du bist ja musikalisch extrem vielseitig.

Ich hatte einmal eine Sprechrolle in der Oper Klosterneuburg, die wollten von mir so eine Art „Einlage“ und da habe ich einen Dudler gedudelt und war ganz stolz auf mich, weil ich rein lautstärke-mäßig – unverstärkt in einem offenen Hof, da muss man ganz schön angasen – auch nicht leiser war als die anderen, die studiert haben wie das geht.

Was ist der Unterschied zwischen Dudeln und Jodeln?

Es geht nur um diesen Überschlag. Die Jodelkönigin ist die, die am schnellsten jodeln kann und so viele Überschläge wie möglich unterbringt. Und die Dudelkönigin muss nicht schnell sein. Die muss sehr träumerisch, ausdrucksstark sein. Wir dürfen die Töne anschleifen, das darf man – glaube ich – in den Alpen nicht. Das Dudeln ist ein wenig „operettig“, man darf den Ton vibrieren. Es ist mehr „verkünstelt“ im Vergleich zum Alpen-Jodler.

Du machst Soul, Rock, Wiener Lieder, Gospel und so weiter.

Das ist notwendig. Mit den „Rounder Girls“ wollte ich mich spezialisieren auf Gospel. Ich fand das vom geschäftlichen her klug, wenn man sich in einem Stil aufhält, weil sich dann jeder auskennt und man kann darin richtig gut werden und das dann besser verkaufen. Ich bin da beinhart draufgeblieben, bis mir fast die Musik keinen Spaß mehr gemacht hat. Ich bin draufgekommen, dass das für mich nicht gilt. Dieses Gesetz, das eigentlich logisch wär. Es ist schwierig für das Publikum, die kennen sich natürlich überhaupt nicht aus was das jetzt ist, wenn sie zu einem Konzert von mir kommen und sind teilweise völlig überrascht, weil sie sich genau was anderes erwartet haben. Aber da müssen wir alle durch, weil es leider nicht anders geht. (lachen) Sonst macht es mir keinen Spaß.

Wer waren deine frühen musikalischen Vorbilder und hast du jetzt noch Vorbilder?

Frühe Vorbilder waren schwarze Soul- und Gospelsängerinnen. Da gab es Mahalia Jackson, Aretha Franklin, Etta James. Dann gab es in der Rock-Richtung Chaka Khan, sie war eher „funkig“ und „Baby Jean“ Kennedy von Mothers Finest. Sie war für mich eine starke Inspiration, weil ich mich immer gefragt habe, woher sie diese Power hernimmt, die ich auch immer haben wollte. (lachen) Das waren meine Lehrmeister. Damals gab es keine Schule für so etwas. Also ich habe gewusst, es gibt Jazz und es gibt Klassik und dazwischen nichts und das Angebotene wollte ich nicht. Damals. Also habe ich mir meine Vorbilder reingezogen bis zum Erbrechen und versucht, irgendwie rauszufinden wie die das technisch machen. Irgendwann habe ich es kapiert.

Learning by doing also.

Ja. Ich habe keine Ahnung wie es dann geklappt hat, aber es hat irgendwie geklappt. (lachen)

Wie schwer ist es, in Österreich Musikerin zu sein?

Ich würde sagen, es hat jedes Land so seine Schwierigkeiten. Bei uns gibt es irrsinnig viele Nischen, die hier funktionieren und wo anders nicht. In London zum Beispiel kann man nicht einfach irgendwo hingehen und sagen: „Geh‘, lass mich spielen. Teilen wir den Eintritt.“ Oder so. Da sagt man dir knallhart: „Ja, du kannst gerne spielen. Miete meinen Raum. Das kostet nur 3.000 Euro.“ Oder eben Pfund. Und dann kannst du machen was du willst. Aber wie soll man sich so ein Publikum aufbauen, als kleiner Anfänger quasi? Das ist schwierig.

Ich höre immer wieder, dass das bei uns auch immer öfter vorkommt.

Es wird schlechter, ja. Weil die Förderungen wegfallen. Es liegt einfach daran. Es ist bei den Engländern früher passiert. Ich nehme an, Margaret Thatcher war daran beteiligt. Und bei uns ist das jetzt so. Es ist Sparen angesagt, angeblich, also ich glaube, dass das Geld sehr wohl noch da ist, aber irgendwo anders. Und wo wird man sparen? Klar, Kultur ist ein Luxus. Das ist nicht wie Lebensmittel oder Heizöl oder so.

Du hast schon mit unzähligen großartigen Musikern wie Joe Zawinul oder Harri Stojka zusammengearbeitet. Wer war dein persönliches Highlight?

Also der Willi Resetarits ist mir sehr ans Herz gewachsen. Wir kennen uns jetzt schon sehr lange und mit ihm würde ich jederzeit überall hinfahren und alles machen (lachen). Mit Joe Zawinul kann ich leider nicht mehr viel machen und wer mir wahnsinnig abgeht und mit dem ich auch noch wahnsinnig gerne was gemacht hätte, ist der Hansi Lang. Aber das habe ich verpasst. Gut, ich habe vieles verpasst. Die Musik in den 60er Jahren zum Beispiel. Ich war gerade in Memphis, Tennessee, und habe mir angesehen, was da in den 60er Jahren abgegangen ist. Da wäre ich gerne dabei gewesen. Oder in Österreich in den 20er Jahren. Also vor dem ganzen Scheiß mit dem 2. Weltkrieg muss es hier kulturell ein Paradies gewesen sein.

Welches Projekt ist gerade aktuell?

Die Rounder Girls sind sehr aktuell, wir feilen gerade am „20 Jahre Fest“. Dann habe ich mit „Freihaus 4“ eine Formation mit Sigi Finkel, Melissa Coleman und Monika Lang: „Brecht, Weill“, auf wienerisch. Das ist super. Ich glaube Brecht ist nicht ganz so beliebt, bin ich draufgekommen. (lachen) Irgendwie war es schwierig für die Leute. Also die, die da waren haben es sehr genossen, aber die Leute sind nicht gekommen. Egal. Man muss auch manchmal, du weißt schon. Darum sag ich, es muss nicht alles funktionieren, aber man muss auf alles stolz sein was man gemacht hat. Das eine ist der Kommerz – ich singe ja auch am Kaffeesiederball, das ist halt quasi der Kommerz. Nicht, dass mir das keinen Spaß machen würde, aber das macht mir nur Spaß, weil ich dann mit „Freihaus 4“ „Brecht, Weill“ spiele. In der Kombination geht sich das alles für mich wunderbar aus.

Wir arbeiten bereits an unserem nächsten Programm, Klassik-Superhits auf wienerisch. Und auch ziemlich deftig. So lege ich es zumindest an. Also Faust auf‘s Aug. Ein bissl.

Du bist immer wieder im Mostviertel.

Ja, schon auch. Ich habe ein besonderes Nahverhältnis zum Upper Austrian Jazz Orchestra. Das hat mich oft in die Gegend gebracht mit dem Programm „Wein, Weib und Gesang“. Ein großartiges Programm. Nachher haben wir noch ein Programm gemeinsam mit Ali Gaggl, der Stammsängerin des Upper Austrian Jazz Orchestras, gemacht. Das war – ahm – das werde ich mir nie merken. „Sieben Laster und vier Musen“ – oder umgekehrt? (lachen) Vier Laster können es nicht sein. Egal. Hochinteressant! Da hat man Dichter, österreichische Lyriker, um Texte gebeten, die wir dann vertont haben. Das waren teilweise hochkomplizierte Texte (lachen), die sich schwer vertonen ließen.

Wer zum Beispiel?

Semir Insayf hat einer geheißen. Ich habe auch einen Text geschrieben, was ich dann aber kurzfristig bereut hatte, weil ich mir dachte: „Oh Gott, was schreiben denn die für Texte, das passt ja überhaupt nicht zu mir und wie ich schreibe“. Ich bin mir da ganz läppisch vorgekommen, aber im Endeffekt hat es dann eh gepasst. (lachen) Dann war noch Elisabeth Schweiger, so glaube ich hat sie geheißen. Ich kann mir Namen ja so schlecht merken. Man kann das aber im Internet finden. Da waren wirklich super Leute dabei.

Im Juni bist du wieder in Melk tätig.

Das mache ich jetzt schon die dritte Saison. Und auch bei den „wellenklaengen hat man mich gebeten, etwas zu machen. Es war ein Anruf, ich soll Jazz singen. Da habe ich mir gedacht: „Ok?! Was meint Suzie Heger, wenn sie das sagt?“ Weil Jazz – du weißt – heißt viel heutzutage. Sie meinte dann, es soll entspannt sein. Nichts zu Künstlerisches. Da wusste ich: das bringe ich hin! (lachen)

Mit welcher Band wird das sein?

Das sind durchwegs Freunde von mir. Ich habe zuerst den Geri Schuller angerufen. Er ist ein langjähriger Weggefährte von mir, auch bei den Rounder Girls und bei der Hallucination Company. Also wir kennen uns schon sehr, sehr lange. Wir haben auch sieben Jahre unseres Lebens zusammen verbracht. Ja, und ihn habe ich angerufen und gesagt: „Du, Jazz?“ (lachen) „Was machen wir?“ Er meinte dann, wir fragen erst einmal richtige Jazzmusiker. Also solche, die nicht wie wir „Allrounder“ sind, sondern echt speziell. Denn dann klingt das alles schon ganz anders. Nun gut, genau so werden wir es nicht machen, aber das war einmal der Ansatz. Dann haben wir Joris Dudli gefragt, Hans Strasser und Dominik Stöger, der sich unglaublich gewundert hat, warum wir gerade ihn fragen. Das war so lustig! (lachen) Wir wollten ein Soloinstrument, das der Stimme nicht im Weg ist, darum eine Posaune. Die ist immer eine Oktave tiefer als meine Stimme und da kann man sich ein wenig in die Quere kommen, ohne sich in die Quere zu kommen. Der war süß, weil er gemeint hat: „Wieso fragst du mich?“ Und ich sagte: „Ich mag dich einfach.“ (lachen) Da war er ganz gerührt. Dann Edi Köhldorfer an der Gitarre. Der von den Global Kryner. Er spielt auch bei einem Orchester, das ausschließlich moderne Klassik spielt. Ganz heftig. Er ist auch in der modernen Klassik sehr versiert, nicht nur bei den Oberkrainer-Klängen (lachen). Er kann alles. So, hab ich jetzt alle aufgezählt? Ich glaube schon. Ja, darauf bin ich schon sehr gespannt.

Auch sehr gespannt bin ich auf Otto Lechner. Mit ihm spiele ich in der Nähe von St.Pölten, im Geburtshaus von Joseph Haydn. Dort spielen wir Haydn. Otto Lechner und das König Quartett, die haben schon ein Haydn-Programm und die Veranstalter wollten, dass wir beide, Otto und ich, für das erste Set etwas zu zweit machen. Das ist auch eine große Herausforderung. Also richtige Klassik, aber die soll nicht so sein, wie sie immer ist. Es sind ja so Lieder, getragene Lieder. Das Programm heißt „The Haydn Groove Project“. Da werden wir dann zu zweit versuchen, zu grooven. (lachen)

Interview: Petra Ortner

Termine: 9.6. Im Rahmen der „wellenklänge“ – „Gipfelklänge“ Göstling/Ybbs
4.7. bis 14. 8. „I Want It All“-Revue – Sommerspiele – Melk

Mit den Rounder Girls:
21.9. Gresten, Kulturschmiede
5.10. St.Pölten, Kulturhaus Wagram
24.10. Casa Nova, Wien (das wird im September eröffnet)

WEBLINK: Rounder Girls, Tini Kainrath

Rubrik:: Kultur

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