15.04.2014 0 Kommentare

Wer impft schützt – oder schadet? Im Gespräch mit Dr. Schuhfried.

dr. schuhfried

Dr. Schuhfried. Foto: Julia Büringer

Impfen. Der Waidhofner Kinderarzt Dr. Günter Schuhfried ist ein Verfechter der Schulmedizin.

Jeder Allgemeinmediziner kommt im Laufe seiner medizinischen Tätigkeit drauf, Impfen nützt nichts, sagt Impfkritiker Loibner. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin seit 1982 niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde. Dieser Meinung muss ich wiedersprechen. Als ich vor 30 Jahren hier angefangen habe, gab es jedes Jahr im Frühjahr eine Epidemie, die hauptsächlich von Masern, Mumps und Röteln gekennzeichnet war. Durch konstantes Durchimpfen der Bevölkerung wurde bewirkt, dass diese Krankheiten verschwunden Sind. Sagen wir so, in den letzten zehn Jahren habe ich keine dieser drei Kinderkrankheiten  gesehen. Dieses Beispiel sagt schon genug. Ich möchte darauf hinweisen, es ist wichtig, zu evaluieren ob eine Impfung funktioniert oder nicht. Eine Impfung ist dann sinnvoll, wenn weniger geimpfte Leute erkranken oder sterben, als wenn die Krankheit durchgemacht wird. Das ist ganz wichtig, das macht die Gesundheitsbehörde, WHO, im Hintergrund andauernd.

Wie findet der Laie seinen Weg?

Der Laie muss auch Vertrauen haben, so wie ich der WHO vertraue. Diese Impfmüdigkeit hat eine Hauptursache: Es wird in die Bevölkerung hineingestreut, Impfen ist gut, aber das hat bitte ganz schöne Nebenwirkungen und die vergisst man. Damit wird der Laie verunsichert. Ich möchte darauf hinweisen, wie ich mich zu Impfungen stelle, ich habe eine Impfung aus dem Impfplan entfernt,  die regelmäßig  der Bevölkerung gegeben wurde und zwar die Tuberkulose-Impfung. Die wurde vor vielen Jahren generell bei Neugeborenen im Spital gemacht. Es wurde dann ein Impfstoff von der Behörde propagiert, bei dem ich weder einen Beipacktext noch sonst irgendwelche Unterlagen hatte. Das war ein französischer Impfstoff. Ich habe es abgelehnt mit diesem Impfstoff zu impfen. Ich habe eine Anzeige gemacht bei der Behörde, dass dieser Impfstoff nicht zugelassen ist. Die Behörde hat ein halbes Jahr nicht darauf reagiert. Dann habe ich aber einen Anruf bekommen in dem es hieß, Dr. Schuhfried, Sie dürfen nicht mehr Tuberkulose impfen, denn es sind 500 Kinder durch diesen französischen Impfstoff an einer Lymphknotentuberkulose erkrankt. Dieser Impfstoff wurde spät aber doch aus dem Verkehr gezogen.

Also ist impfen ein Versuch am einzelnen Menschen? Evaluiert wird dann, wenn zu viel passiert? Wenn sie mehrheitlich funktioniert bleibt sie zugelassen?

Der Beweis ist getätigt worden durch Masern, Mumps und Röteln. Das müsste eigentlich reichen. Wie bei jedem Medikament, egal was Sie nehmen, können Nebenwirkungen auftreten, das können Sie nicht verhindern. Was ist impfen?  Spezielle Krankheit durchzumachen, ohne krank zu werden, das ist glaube ich, ist die kürzeste Definition. Es wird so um 90 bis 95 Prozent ein Impferfolg angenommen. Und die Impfstoffe werden immer besser gemacht! Dass generell nach der Impfung Fieber auftritt, oder dass einem Kind danach schlecht ist, ist vorbei. Natürlich wird es immer wieder Kinder geben, bei denen das auftritt. Es kann immer sein, dass durch eine Impfung eine Krankheit hervorkommt. Da ist aber nicht die Impfung schuld. Natürlich hat  die Impfung dazu den Anstoß gegeben, aber dieser Infekt wäre sicher auch so aufgetreten. Ich kann das beruhigt sagen. Die Sicherheit ist auch für mich wichtig. Ich will niemanden hinausschicken ohne ihn zu helfen.

Was passiert, wenn immer weniger Leute impfen?

Wenn die Durchimpfung weiter absinkt, dann kann der Keim leichter von einem zum anderen gehen, dann hat man wieder eine Seuche. Ich glaube, bei einer Durchimpfung von 50, 60 Prozent kommt es wieder zu Seuchen und das befürchten wir. Die Erwachsenen, die nicht geimpft wurden,  ist die Erkrankung an Masern viel gefährlicher als bei Kindern.

Wenn wir anfangen zu impfen, müssen wir immer weiter impfen, um die, die sich nicht impfen lassen zu schützen. Daher haben die Geimpften eine soziale Tat gesetzt, da sie indirekt auch die Ungeimpften schützen. Dass ein Restrisiko bei einer Impfung besteht, darf nicht negiert werden.  Es wäre eine Dummheit dies abzulehnen, denn deshalb haben wir ein so starkes Kontrollsystem zur Überwachung der Impfungen.

Sind durch die verbesserten Hygienebedingungen Krankheiten ausgestorben?

Es gibt Krankheiten, die durch die verbesserte Hygiene zurückgedrängt wurden. Das stimmt sicher. Bei der Tuberkulose in Wien etwa, da hat das Wasserwerk den Hygienestandard gehoben, nicht die Gesundheitsbehörde.  Aber wir haben Krankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, da sieht es anders aus, Hygiene hin, Hygiene her, die werden trotzdem auftreten. Sonst würden wir nur Zahnbürsten tauschen und Seife verteilen, das wäre viel billiger. Bedenken Sie eines, wir leben in einem reichen Westeuropa mit hohem Lebensstandard, aber weiter südlich sieht es schon anders aus. Alles ist in der heutigen Zeit des raschen Transportes sehr nahe geworden. Deshalb ist die WHO auch immer sehr vorsichtig, weil sie Sorge haben, dass Krankheiten rasch über die Ländergrenzen kommen.

Wie stehen Sie zur Komplementärmedizin, insbesondere der Homöopathie?

Es wäre falsch zu sagen, ich verurteile die Homöopathie. Die Hauptsache der Homöopathie ist das normale Gespräch. 20, 30 Minuten, oder eine  Stunde. Welcher Arzt hat so viel Zeit? Welcher Arzt nimmt sich so viel Zeit? Und das ist der Effekt und den möchte ich der Homöopathie gar nicht absprechen. Ich verwende ähnliche Mittel wie Tinkturen und Globuli und habe  ganz gute Erfolge. Da wird  sicher der Placebo-Effekt ausgenützt , aber warum sollte ich ihn nicht ausnützen. Ich verwende die breite Palette der Medizin und die wird  je nach Krankheit eingesetzt.

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