19.05.2014 0 Kommentare

Wie ticken Jugendliche? Vortrag gab Einblick in die Lebenswelt heutiger Jugendlicher.

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Jugendforscherin und Religionspädagogin Ilse Kögler gab einen Einblick in die Lebenswelten von Jugendlichen. Foto: Voglhuber

St. Pölten / Ysper | Jugendforscherin und Religionspädagogin Ilse Kögler gab am Tag der Katholischen Privatschulen, am 23. April, an der HLUW Ysper, Einblicke in die Lebenswelten und Milieus von Jugendlichen. 150 Lehrerinnen und Lehrer aus unterschiedlichen Katholischen Privatschulen der Diözese St. Pölten wohnten zu Fortbildungszwecken dem Vortrag bei.

Von Robert Voglhuber und Fritz Wurzer

Ilse Kögler, Religionspädagogin an der Katholisch Theologischen Universität Linz, referierte im ersten Teil ihres Vortrags „Wie tickt die heutige Jugend?“ über die allgemeine Einstellung heutiger Jugendlicher. Und da fällt besonders auf, dass Jugendliche mit großer Zuversicht in die Zukunft blicken, was ihren persönlichen Lebensbereich angeht – Beziehung, Ehe, Familie und Freunde haben einen hohen Stellenwert. Gänzlich anders ist ihr Blick auf die Gesellschaft – da haben sie ein düsteres Bild vor Augen. Die Referentin machte weiters deutlich, unter welchem Stress Jugendliche heute leben. Sie müssen sich ständig qualifizieren, dazu kommt die „digitale Highspeed-Gesellschaft“ mit der Tücke „Dauerverfügbarkeit“. Der neueste Schrei ist die „Selfie“-Generation, die sich permanent smart und fesch präsentieren müsse, denn wer nicht bei anderen ankommt, der fällt durch und ist aus dem Rennen.

Näher ging Kögler auf sieben unterschiedliche Milieus ein und stützte sich dabei im Wesentlichen auf eine Sinus-Studie von Marc Calmbach und Peter Martin Thomas.  Neben einer „traditionellen“ Denkart dominieren individualistisches Leistungsethos und hedonistische ichbezogene Entfaltungswerte.

„Das eigene Ding durchziehen“

Die Lösungsstrategien sind kategorial sehr unterschiedlich, in einer sogenannten „Werte-Patchwork“, im meist expressiven Stil als Selbstperformance, bei der Jugendliche jenseits des Einflussbereiches von Erwachsenen „ihr eigenes Ding“ durchziehen können. Dabei werde in der Sinus-Studie deutlich, dass sich unterschiedliche Gruppierungen herausbilden, so die Vortragende, wie z.B. die „Konservativ-Bürgerlichen“, bei denen es nicht so sehr darauf ankomme, wer z.B. „ der Coolste“ ist. Wohingegen die „Experimentalistischen Hedonisten“ aus der Masse herausstechen, anecken wollen und sich vom Mainstream in Richtung des „Undergroundigen“ distanzieren. Die Studie hält auch fest, dass soziales und ökologisches Engagement Jugendlichen insgesamt deutlich näher liegt als politisches.

Engagement für, nicht gegen etwas

Jugendliche wollen sich vor allem für und nicht gegen etwas engagieren. Die Jugendszene der „Sozialökologischen“ wiederum will sich und die Welt entdecken. Die „Adaptiv-Pragmatischen“  wollen persönliche Interessen mit Gemeinnützigkeit verbinden. Für eher „beiläufiges und bequemes“ Engagement sind die „Expeditiven“ offen. Die „Experimentalistischen Hedonisten“, engagieren sich in Szenen. Ein auffälliges Merkmal bei den „Materialistischen Hedonisten“  sei die Skepsis. Sie glauben nicht, dass sich gesellschaftlich wirklich etwas verändern lässt. Die „Prekären Jugendlichen“ zeigen kaum gesellschaftliches Engagement. Ihr Blick ist vor allem auf das eigene Schicksal gerichtet. Helfen beruht für sie auf Gegenseitigkeit, nach dem Motto: Wer hilft, dem wird auch geholfen.

Wie steht es mit dem Glauben?

Hinsichtlich religiöser Einstellung und Glaube sind alle Gruppierungen der Kirche nur selten verbunden. Die Institution Kirche wird als „unnahbar“ und „menschenfern“ erlebt. Außer bei den „Konservativen“ besteht zur Kirche kaum eine emotionale Bindung, allein schon deshalb, weil ihr bereits die Eltern keinen hohen Stellenwert im Alltag mehr beimessen. Hier muss die Religionspädagogik insofern ansetzen, dass für viele Jugendliche der christliche  Glaube heute erst biografisch relevant erlebbar gemacht werden muss. Glaubwürdigkeit und Authentizität sei wichtig. Pädagogen sollen Auskunft über ihre christliche Überzeugung geben können, woraus sie Kraft schöpfen und was ihnen Halt gibt.

 

Rubrik:: Panorama

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