21.09.2015 0 Kommentare

Die “grüne Welle” geht weiter: Wien hat jetzt eine Hanfbotschaft – die „Hemp Embassy Vienna“.

Großer Andrang herrschte heute bei der Eröffnung der ersten Hanfbotschaft im deutschsprachigen Raum, der „Hemp Embassy Vienna“. Neben ausführlichem Informationsmaterial und Videos rund um das Thema Hanf, wurden zu erstem Mal hochpotente, blühende Hanfpflanzen gezeigt. Zwar ist der Anbau von Hanfpflanzen in Österreich erlaubt, doch er ist dann verboten, wenn der Zweck des Anbaus die Gewinnung von Suchtmitteln ist, also die Blüten von der Pflanze getrennt werden. Dies ist in der Ausstellung nicht der Fall!

Eine Marihuanapflanze in ihrer vollen Pracht Foto: Bushplanet_Lepsi

Eine Marihuanapflanze in ihrer vollen Pracht
Foto: Bushplanet_Lepsi

Riechen ja, anfassen verboten

Die ca. 1,20 Meter hohen Pflanzen sind mit Sicherheitsglasscheiben vom Publikum getrennt. Durch kleine Öffnungen können Interessierte das Aroma der unterschiedlichen Sorten wahrnehmen. Alle Pflanzen, darunter auch Sorten für medizinische Anwendungen, werden während ihrer Entwicklung gefilmt und ihr Wachstumsverlauf als Video der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nach der Blühphase erfolgt die Entsorgung in versiegelten Behältern und unter notarieller Aufsicht in der Anlage Simmeringer Haide der Wien Energie GmbH.

Keine Unterscheidung in „gute“ und „böse“ Hanfpflanzen

Initiiert wurde die „Hemp Embassy Vienna“ vom Verein Hanfmuseum, der die Blühpflanzen bereitstellt, und dem Hanfshop „Bushplanet“. „Es ist an der Zeit, die Unterscheidung in gute (wachsende) und böse (blühende) Hanfpflanzen zu beenden. Die Blüte ist die natürliche Entwicklung jeder Hanfpflanze und die Basis für die Gewinnung von Samen, Medizin und Genussmittel. Wir möchten ein Bewusstsein schaffen, worum es in der Hanfdebatte tatsächlich geht: Um die Blütenstände der Hanfplanze. In der Hanfbotschaft kann sich jede/r selbst ein Bild davon machen. Der „war on drugs“ und die damit verbundene Propaganda hat die Wahrnehmung der Heil-, Nutz- und Genusspflanze Hanf, die unser Kulturkreis seit beinahe 30.000 Jahren kennt und schätzt, bei vielen Menschen verzerrt. Die Hanfbotschaft möchte dem entgegenwirken und steht allen offen, die Hanf in all seinen Facetten kennenlernen möchten.“ so  Stivi Wolyniec, Inhaber und Geschäftsführer von Bushplanet.

Auch der Direktor des Hanfinstituts, Toni Straka, möchte das Bild von Hanf in der Öffentlichkeit zurecht rücken: „Hanf ist längst wieder als Heil- und Genussmittel in allen Gesellschaftsschichten angekommen. Bei unserer Unterschriftensammlung für die 2. parlamentarische Cannabis-Bürgerinitiative haben in Wien in den vergangenen 8 Wochen mehr als 15.000 Österreicher mit Ihrer Unterschrift dafür gestimmt, kranke Menschen nicht mehr dafür zu bestrafen, weil sie ein jahrtausendealtes und nebenwirkungsarmes Heilmittel gegen Schmerzen und über 250 Krankheiten anwenden.“

Rechtliche Unterstützung kommt auch von der Wiener Anwaltskanzlei Machac, die ein Rechtsgutachten zur Thematik präsentieren.  Mag. Arthur Machac: „Schon der US-Präsident Jimmy Carter meinte 1977: ,Die Strafe für den Gebrauch einer Droge sollte nicht schädlicher sein, als die Droge selbst. Wo das der Fall ist, muss es geändert werden. Nirgendwo ist dies eindeutiger als bei Hanf.`”

Über die „Hemp Embassy Vienna“

So sieht die Hanfbotschaft in Wien im Inneren aus. Foto:

So sieht die Hanfbotschaft in Wien im Inneren aus.
Foto: Bushplanet_Lepsi

Die  „Hemp Embassy Vienna“ ist eine nicht kommerziell betriebene Institution, in der lebende Hanfpflanzen in allen Stadien der Blühphase ausgestellt sind. Dabei werden Sorten verwendet, die auch als Medizinal- und Genussmittelpflanzen zum Einsatz kommen. In sieben Vitrinen aus Sicherheitsglas wird jeweils eine Sorte vom Blühbeginn bis zur Erntereife präsentiert. Diese Pflanzen sind nicht nur optisch beeindruckend, sie können auch durch ihren Geruch begeistern: durch kleine Öffnungen im Glas kann das Aroma jeder Sorte einzeln wahrgenommen werden. Dazu gibt es ausführliche Informationen zu jeder Blühpflanze, wie z. B. der THC- und CBD-Gehalt, die Dauer der Blühphase und ihre genetische Herkunft. Darüber hinaus werden allgemeine Informationen zum Thema Hanfkultur, Entkriminalisierung und Legalisierung geboten. Ein kleiner Museumsshop rundet das Angebot der Hemp Embassy ab. Geöffnet ist die Hanfbotschaft in der Esterhazygasse 32-34, Wien 6, Montag bis Samstag von 12 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Über Bushplanet

Im Frühjahr 1998 war Bushplanet das erste Unternehmen in Österreich, das Hanfstecklinge produziert und zum Verkauf angeboten hat. Damals war dies noch höchst umstritten, mehrere Hausdurchsuchungen und Verurteilungen zu (bedingten) Haftstrafen waren die Folge. Trotzdem wurde dadurch eine bedeutsame Entwicklung eingeleitet, seitdem wurden und werden von vielen verschiedenen Anbietern Stecklinge produziert. Mittlerweile ist es auch gerichtlich anerkannt, dass Hanfstecklinge legal produziert und verkauft werden dürfen. Bushplanet betreibt zwei Standorte in Wien und die Grow City in Brunn am Gebirge mit insgesamt über 40 Mitarbeitern.

info | hempembassy.org   bushplanet.tv

Rubrik:: Panorama

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