22.07.2013 0 Kommentare

Witz-Theoretiker & Zwängler: Der Regisseur des Musical Sommers Amstetten, Werner Sobotka im Gespräch.

Foto: Kalliope

Werner Sobotka ist bekanntlich auf, vor allem aber hinter der Bühne ein Tausendsassa und ein Getriebener. Warum das so ist, erzählt der Regisseur des Musical Sommer Amstetten, wo heuer Xanadu am Programm steht, momag-Schreiberling Didi Rath.

Obwohl dir der Humor dank Papa Kurt schon in die Wiege gelegt wurde, lachst du selbst so gut wie nie – warum?

Das stimmt – aber nur beruflich, privat lach‘ ich natürlich gern und viel – aber im Job will ich analytisch sein. Wenn du so willst, bin ich ein Witz-Theoretiker. Bei den Proben finden das Leute manchmal seltsam, wenn ich mit ganz ernstem Gesicht zu jemandem, der gerade eine Pointe serviert hat, sage: „Lustig. Das ist lustig.“, ohne die Miene zu verziehen. Die Darsteller glauben dann manchmal, ich will sie verarschen, dabei analysiere ich einfach. Mir geht es dann dabei um den Aufbau und die Struktur des Lustigen.

An dir haftet ja der Nimbus des Spaßmachers und du wirst auch in die Schublade „Comedy & Slapstick“ gesteckt. Wie schwer ist es, dieser Erwartungshaltung gerecht zu werden?

Beruflich gesehen ist diese Schublade absolut in Ordnung. Wenn einer ein Haus baut, engagiert er ja auch für jeden Bereich einen eigenen Professionisten und lässt sich nicht das Dach vom Installateur decken und die Elektrik vom Tischler einbauen. So sehe ich das auch in meiner Branche. Ich bin nun mal auf das Leichte, das Komödiantische spezialisiert – da wird man mir keine Wagner-Oper anvertrauen. Das sehe ich also nicht als Fluch, sondern sehr positiv. Privat kann es natürlich schon manchmal enervierend sein. Wenn ich da so an unsere Hochblüte bei den Hektikern denke, wo die Erwartungshaltung gerade von Fans immer die gleiche war: „Sagt’s was Lustiges! Macht’s an Witz!“, dabei kannst und willst du manchmal diese Erwartungen gar nicht erfüllen; aber klar, das gehört zum Business dazu.

Du neigst zum Perfektionismus. Böse Zungen behaupten, dass du ganz schön pedantisch sein kannst. Geht es da um die Marke Sobotka oder bist du so überzeugt davon, dass es besser sein kann?

Da kann ich nicht mit „entweder oder“ antworten, sondern mit „sowohl als auch“. Natürlich geht’s mir auch um die Marke Sobotka, wenngleich ich mich nicht wirklich als Trademark bezeichnen würde. Und je mehr ich mache, desto unsicherer werde ich. Gerade in Österreich, wo du einmal himmelhochjauchzend gelobt wirst, um dann beim nächsten Mal gleich wieder gnadenlos verrissen zu werden. Aber der Erwartungsdruck kommt nicht nur von außen, den macht man sich schon auch selbst. Natürlich macht es mir Spaß, zu tüfteln – doch es ist auch ein Druck. Und pedantisch zu sein sehe ich gar nicht negativ. Denn egal, ob ich meine eigenen Fassungen schreibe, übersetze oder inszeniere, unten steht ja „Regie: Werner Sobotka“ und nicht „Schadensbegrenzung: Werner Sobotka“. Das ist meine Visitenkarte! Und außerdem: die Zuschauer zahlen ja gutes Geld dafür, etwas Ordentliches zu sehen zu bekommen. Ich finde, sie haben ein Recht darauf, bestmöglich unterhalten zu werden. Und wenn ich mich hier schon oute: ja, ich bin kontinuierlich pedantisch! Ich meine damit, dass nicht nur die Premiere gut sein soll, sondern jede Aufführung, sehen es doch in jeder Vorstellung immer wieder zahlende Leute zum ersten Mal.

Du bist aber schon ein Teamplayer?

Na logo kann es nur dann ein Erfolg werden, wenn alle an einem Strang ziehen. Das innere Leading Team besteht bei mir meistens aus fünf Personen: Regie, Choreographie, musikalische Leitung, Bühnenbild und Kostüme. Dann kommen noch das Design von Licht, Ton und Maske dazu. Jede/r bringt seine Ideen ein, aber meist gibt es keine basisdemokratischen Entscheidungen, steht doch der Regisseur mit der Gesamtverantwortung ein bisserl über allen drüber. Bei mir kommt noch dazu, dass ich ja meine Buchbearbeitungen meist selbst (oder – wie bei „Xanadu“ – gemeinsam mit Hannes Muik) verfasse, sodass ich schon am Schreibtisch beim Erstellen dieser Fassung ganz konkrete Bilder im Kopf habe. So liegt bereits ein klares Gerüst vor, wo sich die anderen rasch einfinden können, ja müssen. Okay, ich gebe es zu: ich bin ein Zwängler! Ich kann es einfach nicht ertragen, wenn ein Reim, ein Tanzschritt oder eine Instrumentallinie nicht richtig sitzen. So klein kann eine falsche Sache gar nicht sein, dass sie mich nicht stört. Glaube mir, ich wäre manchmal wirklich gerne anders!

Es ist aber kein Selbstverständnis, das du eigene Fassungen (um)schreiben darfst, oder?

Nein, sicher nicht, aber ich habe da schon einen gewissen Ruf bei den Verlagen, sodass das meistens klappt. Für mich persönlich ist nichts unerträglicher als eine schlechte Übersetzung. Da kommt wieder mein Perfektionszwang durch. Der Job des Übersetzers ist zwar meistens ziemlich unbedankt (da nur schlechte Übersetzungen auffallen – gute nimmt man hingegen als „ohnehin logisch“ wahr), aber immens wichtig. Da geht es auch darum, dass du die Leute nicht nur intellektuell ansprechen sollst, sondern sie auch emotional berühren musst – um den emotionalen Anker zum Zuschauer. Bei meiner Xanadu-Inszenierung zum Beispiel spielt zwar die Handlung noch immer in Los Angeles, trotzdem gibt es einige Dialoge auf Wienerisch.

Xanadu ist bereits deine siebente Produktion in Amstetten und die Kluft zwischen künstlerischem und kommerziellem Erfolg ist riesig. Spielt im Hinterkopf ein finanzielles Korsett mit?

Da spielst du natürlich auf letztes Jahr an, denn die Produktionen, die ich davor machen durfte, waren ja Gott sei Dank große Kassenschlager (Joseph, Fame usw.). Aber ich kann das eigentlich ganz gut ausblenden, weil ich generell kein wahnsinnig elitärer Regisseur bin, der nur eine intellektuelle Minderheit bedienen will. Ich bin durchaus froh gestimmt, wenn es auch einer etwas breiteren Masse gefällt. Und ich denke schon, dass ich auch deshalb engagiert wurde, um das Ganze mit einer gewissen Kostenrücksicht durchzuziehen. Aber klar ist auch, dass die Beziehung zwischen kaufmännischem und künstlerischem Leiter nicht nur harmonisch sein kann, da gibt’s natürlich oft einen Interessenkonflikt zwischen überbordender Kreativität und einzuhaltendem Budget.

Als 65er hast du die 80er ja noch im Hinterkopf. Was hat dich geprägt, was wird in die Amstettner Inszenierung einfließen?

Das war eine große Zeit für mich, haben wir doch 1981 die Hektiker gegründet. Aber es war natürlich auch ein groteskes Modejahrzehnt und die Klamotten waren einfach schrecklich. Doch für Amstetten setzen wir diesbezüglich die ironische Brille auf – und es ist ein großer Spaß, die 80er nun auf der Bühne zu persiflieren. Bei einem Kostüm hatte ich förmlich ein Déjà-vu: früher hab‘ ich nämlich alte Sachen nicht einfach weggeschmissen, sondern in einen Kostümfundus gebracht. Jetzt ist plötzlich so ein Kleidungsstück bei unseren Kostümen aufgetaucht, das ich vor Jahren selbst getragen habe. Irgendwie schräg!

Schrille Kostüme, Haarstyling und Rollschuhe spielen ebenso wie Götter und Musen eine große Rolle. Sind das die Zutaten für dein versprochenes „Halli Galli“?

Freut euch schon jetzt auf eine farbenmäßige Reizüberflutung der Sonderklasse sowie auf eine extrem rasante Choreographie – unter anderem auch auf Rollschuhen – und eine grandiose Musik, bei der man vielleicht die Titel nicht genau weiß, doch nach nur wenigen Takten die Lieder sofort wiedererkennt. Die vielen Schauplätze und damit verbundenen Umbauten werden bestimmt eine Herausforderung. Schließlich bin ich dafür gefürchtet, dass Umbau- und Umzieh-Zeiten bei mir eine andere Dimension haben, was wiederum einer kniffligen Logistik für die Szenenwechsel bedarf. Das schaut zwar für das Publikum leicht und selbstverständlich aus, ist aber wirklich viel Action – die im Idealfall keinem auffallen sollte. Denn je weniger man die viele Arbeit sieht, umso besser ist sie uns gelungen.

Interview: Didi Rath

Xanadu | 17.7. – 10.8.

WEBLINK: Musicalsommer Amstetten

Rubrik:: Kultur, Mostviertel

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