04.05.2014 0 Kommentare

“Zwischen Dürer und Napoleon”: Die Entstehung der Wiener Albertina im Schlaglicht.

Impressionen der Ausstellung

“Zwischen Dürer und Napoleon” in der Wiener Albertina. Fotos: privat

Ausstellung | Die Wiener Albertina wirft ein Schlaglicht auf ihre Entstehung und ihre Gründungseltern: die neue Ausstellung “Zwischen Dürer und Napoleon” ist auf der Spur Herzog Alberts und seiner Zeit. Dabei ist mit Albrecht Dürers “Feldhase” nach Jahren der Schonfrist erstmals wieder das “Wappentier” des Hauses öffentlich zugänglich.

Von Fritz Haselsteiner

Auch wenn der Feldhase von Albrecht Dürer derzeit überall in Wien auf Plakaten zu sehen ist, und wie berühmt die Zeichnungen von Michelangelo, Rubens und Bruegel auch sein mögen – es geht in der neuen Ausstellung nicht um die Entstehung dieser Meisterwerke, sondern um ihren Erwerb beziehungsweise die Gründung der Sammlung Albertina, einer der bedeutendsten Grafiksammlungen der Welt. Das erklärt auch den auf den ersten Blick paradox klingenden Titel der Ausstellung: “Zwischen Dürer und Napoleon”. Sie zerfällt nämlich in zwei auch architektonisch unterschiedlich gestaltete Teile – erstens den kulturhistorischen, der die Lebensgeschichte der beiden Begründer der Sammlung, Erzherzogin Marie Christine und Herzog Albert, in den Mittelpunkt rückt, wobei Napoleon eben auch eine gewisse Rolle zukommt; zweitens eine Auswahl von 150 Meisterwerken aus der insgesamt unglaublichen Anzahl von 14.000 Zeichnungen und 200.000 Druckgrafiken sowie originale Möbel und Tafelgeschirr.

Herzog Albert von Sachsen

Herzog Albert von Sachsen

Ein kunstsinniges Paar

Erzherzogin Marie Christine, Lieblingstochter Maria Theresias, heiratet 1766 den rangniedrigeren Herzog Albert von Sachsen. Sie ist selbst eine talentierte Zeichnerin, begeistert ihren Mann für Kunst und ermöglicht ihm mit ihrem Reichtum umfangreiche Kunstankäufe auf mehreren Bildungsreisen nach Italien, Frankreich und an all ihren Wirkungsstätten – besonders als Statthalter der Niederlande von 1781 bis 1792. Als Anhänger der Aufklärung und Freimaurer entwickelt Albert auch wissenschaftliche Interessen und besitzt damals die größte fürstliche Bibliothek Europas mit 25.000 Bänden. Die Französische Revolution und der anschließende Krieg vertreiben das Statthalterpaar aus den Niederlanden; zurück in Wien weist ihnen Kaiser Franz II. (= Neffe Marie Christines) das Palais auf der Augustinerbastei als Wohnsitz zu, das für die riesige Sammlung adaptiert wird und einen Repräsentationsflügel mit einer 150 Meter langen Fassade erhält – die heutige „Albertina“ eben. Nach dem Tod Marie Christines 1798 zieht sich Albert ins Privatleben zurück, dank einer klugen Erbregelung bleibt die Grafiksammlung unteilbar und unveräußerlich und ist im Gegensatz zu Gemäldesammlung, Bibliothek und Mobiliar seit 1822 bis heute komplett erhalten geblieben.

Dürer Feldhase

Albrecht Dürers Feldhase

Von Albrecht Dürer bis Caspar David Friedrich

Vier Ausstellungsbereiche sind nach Schulen geordnet und beginnen mit deutschen Meistern des 15. und 16. Jahrhunderts. Dürers „Feldhase“ wird nach zehn Jahren erstmals wieder gezeigt, auch die „Betenden Hände“ sind zu sehen. In der italienischen Abteilung finden sich herausragende Zeichnungen der drei Genies der Hochrenaissance, Michelangelo Buonarroti, Leonardo da Vinci und Raffael Santi, auf die Werke der flämischen und holländischen Schule folgen: Bruegels „Die großen Fische fressen die kleinen“ ebenso wie die einzigartigen Porträts von Peter Paul Rubens oder „Ein Elefant“ von Rembrandt. Den Abschluss bilden die „Modernen Meister“ – „modern“ im Sinne von Zeitgenossen Herzog Alberts -, sie machen ein Drittel der Sammlung aus. Der Bogen reicht hier vom Klassizismus eines Jacques-Louis David bis zur romantischen Landschaftsmalerei Caspar David Friedrichs.

Gemälde und Büsten des Herzogs und seiner Gemahlin oder ein originaler Zweispitz Napoleons ergänzen die Bestände der Albertina und vermitteln ein anschauliches Bild der Lebensumstände der beiden Begründer der Albertina.

Ausstellung | Zwischen Dürer und Napoleon – Die Gründung der Albertina,
Albertina, Kahn Galleries, Albertinaplatz 1, 1010 Wien, www.albertina.at
Ausstellungdauer: bis 29. Juni 2014, Öffnungszeiten: täglich 10-18h; Mittwoch 10-21h
Eintrittspreise: Erwachsene € 11,90, Senioren € 9,90, Jugendliche: freier Eintritt
Katalog: Sammlungsband € 29.-, Aufsatzband € 39.-

Rubrik:: Kultur

Kommentar verfassen

Zur Gewährleistung eines respektvollen Umgangs behält sich das Redaktionsteam vor, Kommentare gegebenenfalls zu entfernen.